. Neue Krebstherapien

Metastasierter Darmkrebs in Einzelfällen heilbar

Metastasierter Darmkrebs ist nicht unbedingt ein Todesurteil mehr. Durch multimodale Krebstherapien und die Immuntherapie können einzelne Patienten noch sehr lange damit leben.
metastasierter Darmkrebs, Immuntherapie

Überleben mit metastasiertem Darmkrebs: Bei nachgewiesener Mikrosatelliten-Instabiliät greift die Immuntherapie

Darmkrebs gehört mit rund 70.000 Neudiagnosen pro Jahr zu den vier häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Die Heilungschancen hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird. Bei etwa 50 Prozent der Patienten ist eine Heilung durch Operation und Chemotherapie möglich. Die anderen 50 Prozent befinden sich früher oder später in einer metastasierten bzw. palliativen Situation. Doch auch bei diesen Patienten haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert. In Einzelfällen besteht sogar Chance auf Heilung.

Zentren kombinieren neue Therapien

Spezialisierte Zentren wie das Darmkrebszentrum der Charité haben schon einzelne Patienten mit metastasiertem Darmkrebs geheilt oder zumindest viele zusätzliche Jahre geschenkt, und zwar mit multimodalen Therapiekonzepten. Hierbei stellen die Ärzte sehr individuelle Kombinationen aus radikaler Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie und Metastasenchirurgie zusammen.

 

Darmkrebs metastasiert häufig in die Leber

Darmkrebs metastasiert häufig in die Leber. Da die Patienten in der Regel an ihren Metastasen sterben und nicht an ihrem Primärtumor, kommt der Leberchirurgie bzw. Metastasenchirurgie eine enorme Bedeutung zu. Selbst wenn die Leber bereits durchmetastasiert ist, lassen sich die bösartigen Absiedlungen mitunter noch chirurgisch entfernen. Ergänzend können Ärzte an der Charité auf eine ganze Reihe an Spezialverfahren zurückgreifen, darunter die Radiofrequenzablation (RFA), die selektive intraarterielle Radiotherapie (SIRT) oder die Präzisionsbestrahlung CyberKnife. Wenn schon das Bauchfell bereits vom Krebs befallen ist, kann die hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) zum Einsatz kommen.

Heilung nur in Einzelfällen

Patienten, die für solche multimodalen Therapien in Frage kommen, müssen in der Regel noch in einem guten Allgemeinzustand sein. Die Therapien sind belastend und nicht jeder eignet sich dafür. Auch müssen die Krebsspezialisten eine realistische Chance auf Besserung sehen. Ist dies nicht der Fall – was auf die Mehrheit der Patienten mit metastasiertem Darmkrebs zutrifft – werden die Ärzte versuchen, mit palliativmedizinischen Maßnahmen das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

Immuntherapie eine neue Therapieoption

Multimodalen Therapien sind nur an hoch spezialisierten Darmkrebszentren möglich. Daneben gibt es mittlerweile noch eine weitere Therapieoption für Darmkrebs im metastasierten Stadium: die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren.

Darmkrebs spricht auf diese Antikörper eigentlich sehr schlecht an. Doch in Studien sind Wissenschaftler auf eine Subgruppe aufmerksam geworden, die enorm von der Immuntherapie profitiert: Es sind Patienten, deren Tumore eine sogenannte die Mikrosatelliten-Instabiliät aufweisen. Ärzte sprechen auch von Hypermutationen. Dabei werden „Auffällige“ Proteine gebildet, die stimulierend auf das Immunsystem wirken. Die Antikörper sorgen dann dafür, dass die natürlichen Bremsen des Immunsystems gelöst werden, und so der Krebs und die Metastasen von der körpereigenen Abwehr bekämpft werden kann.

Mikrosatelliten-Instabiliät erhöht Überlebenschancen 

Eine Mikrosatelliten-Instabiliät liegt in rund 15 bis 20 Prozent der Fälle von fortgeschrittenem Darmkrebs vor. Für diese Indikation ist die Immuntherapie bereits zugelassen. Bei metastasiertem Darmkrebs ist dies leider noch nicht der Fall. Hier sind nur drei bis fünf Prozent der Tumore hypermutiert. Jedoch profitieren auch diese Patienten von einer Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Ärzte berichten, dass sogar eine Heilung im metastasierten Stadium möglich ist.

Neue Studien wollen das nun mit den entsprechenden Daten belegen. Bevor die Immuntherapie für Mikrosatelliten-instabile Darmtumore zugelassen wird, haben betroffene Patienten die Möglichkeit, einen Antrag bei ihrer Krankenkasse zu stellen. In Bayern sind derzeit die Chancen am größten, dass die Immuntherapie bei metastasiertem Darmkrebs mit nachgewiesener Mikrosatelliten-Instabiliät genehmigt wird.

Foto: © dimdimich - Fotolia.com

Autor: ham
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