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MERS-Virus schädigt Lunge stärker als H5N1

Das MERS-Virus breitet sich weiter aus. Zwar scheint es weniger ansteckend zu sein als vergleichbare Viren, dafür sind die Folgen einer Infektion gravierender. Deutsche Forscher haben nun die Krankheitsmechanismen von MERS erforscht.
MERS schädigt Lungengewebe stark.

Das neue MERS-Virus schädigt die Lunge massiv.

Die gefährliche Atemwegserkrankung MERS (Middle East Respiratory Syndrome), die sich derzeit im Nahen Osten ausbreitet, ist bisher noch kaum erforscht. Weder sind die Übertragungswege ganz gesichert, noch weiß man genau, welche Krankheitsmechanismen bei einer Infektion mit dem MERS-Coronavirus ausgelöst werden. Bekannt ist, dass die Erkrankung meist mit grippeähnlichen Symptomen beginnt, die sich innerhalb von kürzester Zeit zu einer schweren Lungenentzündung entwickeln können.

Wie genau MERS der Lunge schadet, war bisher jedoch nicht bekannt. Nun haben deutsche Wissenschaftler herausgefunden, dass das Virus zu schweren Zellschäden im Lungengewebe führt, die noch über die Folgen einer Infektion mit dem ebenfalls gefährlichen H5N1-Virus hinausgehen. Die Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Robert-Koch-Instituts veröffentlichten ihre Ergebnisse in dem Fachmagazin American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine.

MERS befällt verschiedene Zelltypen in der Lunge

Das Team um Dr. Andreas Hocke und Professor Stefan Hippenstil von der Charité sowie Dr. Thorsten Wolf vom Robert-Koch-Institut untersuchten explantiertes menschliches Lungengewebe, um die Krankheitsmechanismen einer MERS-Infektion zu erforschen. Dazu benutzen sie eine spezielle mikroskopische Technik, da normalerweise die Mikroskopie des Lungengewebes von dessen starker Eigenfluoreszenz behindert wird. Zudem setzen die Forscher 3D-Rekonstruktionen der mikroskopischen Bilder ein.

Es stellte sich heraus, dass sich MERS in nahezu allen Zelltypen der Lungenbläschen vermehren kann, während beispielsweise das Influenzavirus H5N1 nur einen Zelltyp befällt. Das macht das Coronavirus besonders aggressiv. „Wir waren von der ausgedehnten Infektion im Vergleich zu hochpathogenen Influenzaviren völlig überrascht“, erklärt Professor Hippenstil.

MERS benutzt Eiweißstoff als Eintrittspforte

Den Forschern gelang es auch nachzuweisen, dass sich in allen von MERS befallenen Zellen ein bestimmter Eiweißstoff (DPP4) befand. Sie vermuten nun, dass das Virus diesen Eiweißstoff als Eintrittspforte in die menschlichen Zellen nutzt. Die aktuellen Ergebnisse stellen einen wichtigen Schritt für die Erforschung der Krankheitsmechanismen des MERS-Coronavirus dar.

MERS ist zum ersten Mal im Jahr 2012 gemeldet worden. Seitdem sind über 130 Menschen an einer Infektion mit MERS erkrankt, über 50 Patienten starben. Auch in Deutschland gab es bereits zwei Fälle. Erst vergangene Woche hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs weitere Fälle von MERS bestätigt.

Foto: © psdesign1

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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