. Bertelsmann Studie

Menschen wollen zu Hause sterben

Fast jeder zweite Deutsche stirbt im Krankenhaus. Dabei wollen das nur sechs Prozent. Das zeigt der neue Fakten-Check der Bertelsmann-Stiftung.
Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung: Zu Hause sterben: Für viele schwerkranke bleibt das ein unerfüllter Wunsch

Zu Hause sterben: Für viele schwerkranke bleibt das ein unerfüllter Wunsch

An diesem Donnerstag will der Bundestag das Hospiz- und Palliativgesetz beschließen, das eine bessere Betreuung sterbender Menschen ermöglichen soll. Wie notwendig mehr palliativmedizinische Angebote sind, zeigt der aktuelle Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung. Demnach wollen nur sechs Prozent der Deutschen ihre letzte Lebensphase im Krankenhaus verbringen. Tatsächlich sterben aber 46 Prozent der älteren Menschen hierzulande in einem Krankenhaus. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Denn ob ein schwerkranker oder alter Mensch am Lebensende im häuslichen Umfeld bleiben kann, entscheidet das medizinische und pflegerische Angebot vor Ort.

Ambulant vor stationär

Laut der Bertelsmann-Studie sterben dort mehr Menschen zu Hause, wo es viele Palliativmediziner gibt. Baden-Württemberg hat zum Beispiel gut ausgebaute ambulante Versorgungsangebote. Dort sterben nur 41 Prozent der älteren Menschen im Krankenhaus. In Berlin sind es dagegen 48 Prozent. Das liegt der Studie zufolge daran, dass es in Berlin eine hohe Krankenhausdichte gibt. Neben Berlin ist das auch in Nordrhein-Westfalen der Fall: Dort sterben 49 Prozent der Älteren in einer Klinik.

„Fast 90 Prozent aller Menschen brauchen am Lebensende eine palliative Begleitung", sagt Professor Lukas Radbruch von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Tatsächlich hätten im vergangen Jahr bundesweit aber nur knapp 30 Prozent der Verstorbenen eine palliativmedizinische Behandlung erhalten. „Das weist auf eine deutliche Unterversorgung hin“, so Radbruch.

 

Hospiz- und Palliativgesetz schafft neue Möglichkeiten

Hoffnung setzt die Bertelsmann-Stiftung auf das neue Hospiz- und Palliativgesetz. Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, forderte alle Beteiligten vor Ort – Ärzte, Pflege- und Hospizdienste, Krankenhäuser und Krankenkassen – auf, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Der Ausbau der ambulanten Versorgung müsse deshalb Vorrang vor einem Ausbau stationärer Angebote haben. „Die Planung neuer Versorgungsangebote sollte sich an dem Wunsch der allermeisten Menschen ausrichten, ihre letzten Lebenstage zu Hause zu verbringen", so Mohn.

Die Studie bescheinigt aber auch einen hohen Aufklärungsbedarf. Demnach ist nur wenigen Menschen bewusst, dass eine gut organisierte ambulante Palliativversorgung zu weniger Krankenhauseinweisungen kurz vor dem Tod führt. Radbruch: „Palliativversorgung stellt den Erhalt der Lebensqualität in den Mittelpunkt: Sie verringert nicht nur Schmerzen und Depressionen, sondern verhindert auch unnötige, belastende Therapien am Lebensende.“

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