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Menschen mit Migrationshintergrund wissen oft wenig über Pflegeangebote

Menschen mit Migrationshintergrund sind oft schlecht über Pflegeangebote informiert. Auch fehlt es bei vielen Ärzten und Pflegekräften an kulturspezifischem Grundwissen. Das zeigt das Projekt „CarEMi“ der Universität Tübingen.
Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund

Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund brauchen Pflege

Der Anteil der über 65-jährigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund wächst in Deutschland rasant. Zwar nutzen zurzeit Senioren mit Migrationshintergrund noch deutlich seltener professionelle medizinische Pflege als Nicht-Migranten, doch Pflegeorganisationen werden zunehmend gefordert sein, sich auf diese Bevölkerungsgruppe einzustellen. Bisher ist allerdings die Datenlage zu den konkreten Bedürfnissen dieser Menschen noch lückenhaft und heterogen. Im Projekt „CarEMi“ (Care for Elderly Migrants – Pflege für ältere Migranten) haben Wissenschaftler am Institut für Soziologie der Universität Tübingen nun untersucht, ob es kulturell bedingte Besonderheiten gibt, die bei der Altenpflege von Migranten Beachtung finden sollten.

Viele Migranten kennen angebotene Leistungen nicht

Für die Studie interviewten Forscher unter der Leitung von Dr. Andrea Kronenthaler 32 türkische Migranten der ersten, zweiten und dritten Generation, 14 Hausärzte und medizinische Fachangestellte sowie 21 Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Pflegeinstitutionen, türkischen Vereinen und Krankenkassen. Wie sich in zeigte, wussten viele Menschen mit Migrationshintergrund nicht, welche Einrichtungen und Beratungsstellen ihnen zur Verfügung stehen und welche finanziellen Leistungen sie für die Pflege in Anspruch nehmen können. Grund dafür sind unter anderem sprachliche Hürden oder mangelnde Kenntnisse des deutschen Gesundheitssystems. Die Konsequenzen tragen vor allem auch ihre Familienangehörigen, da sie die Pflege oft ohne zusätzliche Hilfestellungen schultern müssen – teilweise mit der Folge von Überlastung.

Insgesamt waren die Bedürfnisse der interviewten Migrantinnen und Migranten sehr unterschiedlich. „Nivellierung und Verallgemeinerung kann hier sehr schnell zu falschen Prognosen und Angeboten führen“, unterstreicht Kronenthaler. Einige der Älteren wollten beispielsweise ihren Angehörigen nicht zur Last fallen und würden professionelle Versorgung in Anspruch nehmen, andere vertrauten auf eine Pflege innerhalb der Familie.

 

Fachkräften fehlt es an kulturspezifischem Wissen

Falls die Versorgung in fremde Hände übergehen sollte, wünschten sich die Befragten, dass das Pflegepersonal über Grundlagenkenntnisse ihrer Religion und Kultur verfügt. So erhofften sie sich beispielsweise Unterstützung bei der Gebetswaschung oder Mahlzeiten, die nach islamischen Vorschriften zubereitet werden. Tendenziell bevorzugte die Mehrheit der Befragten eine nach Geschlechtern getrennte Versorgung, also männliches Pflegepersonal für pflegebedürftige Männer und weibliches Pflegepersonal für pflegebedürftige Frauen. Vor allem lag den Befragten – wie wohl den meisten anderen Senioren auch – am Herzen, dass das Pflegepersonal ihnen respektvoll und freundlich begegnet.

Die befragten Mediziner und Pflegekräfte räumten ein, dass es ihnen an kulturspezifischem Grundwissen fehle. Wichtiger sei aber, so die befragten Fachkräfte, sich individuell auf die Pflegebedürftigen einzulassen. Ein weiterer zentraler Punkt war, dass es in der Pflegeversorgung und -beratung häufig Verständigungsschwierigkeiten gibt, die teilweise auch zu Fehldiagnosen führen können. Mangels Alternativen übersetzen dann Angehörige oder türkischsprechendes Personal in den Arztpraxen oder im Krankenhaus. Beides stellt keine optimale Lösung dar, da Angehörige etwa aus Rücksicht nicht immer wortgetreu übersetzen.

Foto: © mickyso - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
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