. Psychotherapie-Richtlinie

Menschen mit geistiger Behinderung: Verbesserung bei der psychotherapeutischen Versorgung geplant

Die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung soll verbessert werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Unter anderem sollen Bezugspersonen stärker in die psychotherapeutischen Sprechstunden einbezogen werden können.
Psychotherapie, Menschen mit geistiger Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung benötigen häufig auch psychologische Unterstützung

Patienten mit geistiger Behinderung und zusätzlichen psychischen Problemen haben häufig einen höheren Zeitbedarf für die psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung. Zudem kann es sinnvoll sein, eine nahe Bezugsperson in den Prozess miteinzubeziehen. Diesen besonderen Bedürfnissen soll nun eine Veränderung der bisherigen Psychotherapie-Leitlinie Rechnung tragen, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossen wurde.

In Zukunft können erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung – wie es bereits für Kinder und Jugendliche gilt - bis zu zehn Einheiten der psychotherapeutischen Sprechstunde erhalten; bisher waren es nur sechs. Die Sprechstunde dient der Abklärung, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung vorliegt und weitere fachspezifische Hilfen notwendig sind.

Verminderte Kommunikationsfähigkeiten können erhöhten Zeitaufwand erfordern

Die Begründung für die Änderung: Einschränkungen und Besonderheiten im Sprachverständnis und den verbalen und non-verbalen Ausdrucksmöglichkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung oder Intelligenzminderung können die Kommunikation erschweren und in der Phase der diagnostischen Abklärung, der Indikationsstellung und des Aufbaus einer therapeutischen Beziehung einen besonders hohen zeitlichen Aufwand erforderlich machen. Das soll die Änderung nun ermöglichen. Neben den zusätzlichen Zeiteinheiten können auch relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld - wie z. B. Betreuer, Eltern oder Geschwister – stärker als bisher in den psychotherapeutischen Prozess einbezogen werden.

 

Experten begrüßen Änderung der Psychotherapeuten-Richtlinie

Nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ist die Änderung der Psychotherapie-Richtlinie ein erster wichtiger Baustein, die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu verbessern. Sie sind häufiger psychisch belastet und haben im Vergleich zu anderen Menschen ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten. Dennoch ist die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit einer geistigen Behinderung nach Ansicht der BPtK in Deutschland bisher noch unzureichend.

Auch die Deutsche Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung und die Bundesvereinigung Lebenshilfe begrüßen die Änderungen der Psychotherapie-Richtlinie. Bislang habe sie den spezifischen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen nicht in ausreichendem Umfang entsprochen. Studien konnten zeigen, dass die psychotherapeutische Behandlung auch bei Menschen mit geistiger Behinderung wirksam ist.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten , Depression , Entstigmatisierung , Schizophrenie , Seelische Gesundheit , Trauma
 

Weitere Nachrichten zum Thema Menschen mit geistiger Behinderung

| Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
 
. Weitere Nachrichten
Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat bereits Karies im bleibenden Gebiss. Das ist eines der Ergebnisse des BARMER-Zahnreports 2020. Die Autoren betonen auch, wie wichtig die Pflege und regelmäßige Kontrolle von Milchzähnen ist.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.