. Meta-Analyse

Meniskusriss: Operation nicht immer sinnvoll

Ein Meniskusriss wird häufig mit einer arthroskopischen Operation behandelt. Doch oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel, betonen Sportwissenschaftler. Sie haben mehrere Studien zum Thema analysiert.
Meniskusriss

Bei einem Meniskusriss ist eine Operation nicht unbedingt die Behandlung der ersten Wahl

Ein Meniskusriss ist einer der häufigsten Gründe für operative Eingriffe in Deutschland. Doch der Sinn einer solchen OP wird immer häufiger in Frage gestellt. Gerade für Patienten über 40 Jahren sei der Nutzen eines solchen Eingriffs oft fraglich, erklärten nun Sportwissenschaftler um Jonas Bloch Thorlund von der Universität in Odense. Sie hatten Studien zum Thema in einer systematischen Analyse für die dänische Sportphysiotherapiegesellschaft untersucht und die Ergebnisse im „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht. Ihren Daten zufolge lassen sich bei den meisten Patienten, die einen Meniskusriss erlitten haben, mit einer Physiotherapie ähnliche Erfolge erzielen wie mit einer Operation.

Bei degenerativen Veränderungen scheint eine OP weniger sinnvoll

Besonders wenn schon vor dem Meniskusriss degenerative Veränderungen vorhanden waren, scheint eine Operation selten sinnvoll zu sein. So haben Studien gezeigt, dass ein Jahr nach der Operation die Schmerzen nur selten geringer sind als ohne OP. Mediziner vermuten, dass sich durch den Eingriff die degenerativen Veränderungen, die oft der eigentliche Auslöser für die Probleme am Knie sind, nicht beseitigen lassen.

Auch wenn viele der Risse bei solchen Personen durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden, seien degenerative Prozesse zu vermuten oder gar dominierend, schreiben auch die dänischen Forscher. So würden bei gesunden Personen bestimmte Belastungen, die bei älteren Menschen leicht zu einem Meniskusriss führen, normalerweise keine Probleme verursachen. Die Sportwissenschaftler vermuten daher, dass in den wenigen kontrollierten Studien, die sie vorgefunden haben, vorwiegend Patienten behandelt wurden, bei denen der Meniskusriss durch degenerative Veränderungen zumindest mitbedingt wurde.

Kaum Unterschiede zwischen Operation und Physiotherapie

In zwei der analysierten Studien wurde eine Physiotherapie direkt mit einem chirurgischen Eingriff verglichen. Dabei konnten keine signifikanten Unterschiede bezogen auf Schmerzen und Funktion des Kniegelenks gefunden wurden. Allerdings verbesserte Physiotherapie die Muskelkraft im Vergleich zur OP signifikant stärker. In fünf Studien wurde eine alleinige Physiotherapie mit einer Kombination aus Physiotherapie plus Operation verglichen. Auch hier waren hinterher die Werte bei den Patienten mit zusätzlichem chirurgischem Eingriff nicht besser ab als bei den Betroffenen, die nur Physiotherapie erhielten.

Die Forscher konnten allerdings keine einzige randomisierte Studie für Patienten unter 40 Jahren finden. Bei ihnen sei primär von traumatisch bedingten Meniskusrissen auszugehen. Nur in einer Beobachtungsstudie mit rund 400 Teilnehmern waren Patienten jeglichen Alters einbezogen worden. Bei ihnen unterschieden sich die Resultate nach einer Operation bei jüngeren Patienten mit Operation nicht von denen älterer. Die Wissenschaftler meinen, dies könne dafür sprechen, dass auch bei jüngeren Patienten ein chirurgischer Eingriff nicht unbedingt die erste Wahl sein sollte.

Generelle Empfehlungen schwierig

Als Ergebnis aus ihrer Analyse leiten die Forscher zwei Empfehlungen ab. Zum einen sei bei Patienten mit degenerativ bedingten Meniskusrissen die physiotherapeutische Behandlung einer Operation vorzuziehen. Zum anderen sollten Patienten unter 40 Jahren mit traumatischen Meniskusrissen ebenfalls eine konservative Therapie mit Bewegungstraining erhalten – es sei denn, es kommt zu Gelenkblockaden, die eine Operation erforderlich machen. Allerdings, so die Einschränkung, sei dies mangels Evidenz nur die Meinung einiger Experten.

Letztlich, so die Forscher, müsse immer der Einzelfall betrachtet werden. So hänge die Entscheidung für oder gegen eine OP von der Art und Ausprägung des Risses sowie der Symptome ab. Auch das Alter liefere lediglich einen Anhaltspunkt, ob ein Meniskus nur durch ein traumatisches Ereignis oder auch durch degenerative Prozesse bedingt sei. Es sei daher schwierig, im Vorhinein zu sagen, welche Patienten von einer arthroskopischen Operation profitierten und welche nicht.

Foto: © underdogstudios - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chirurgie , Knie , Arthrose

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Meniskusriss

| Nach einem Meniskusriss soll eine Operation nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch die Gelenkfunktion verbessern und damit die Entwicklung einer Arthrose verhindern. Doch es mehren sich die Hinweise, dass das Gegenteil der Fall sein kann.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion und neigen zu stereotypen Verhaltensmustern. Nun hat eine Studie gezeigt, dass der Einsatz von Neurofeedback dazu beitragen kann, die Symptome zu lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.