. Umfrage in Hessen

Mehrheit der Ärzte kennt Antibiotikaresistenzen aus der Praxis

Antibiotikaresistenzen sind im ambulanten Bereich angekommen. Laut einer Umfrage in Hessen, haben dreiviertel der niedergelassenen Ärzte bereits Erfahrung mit multiresistenten Keimen gemacht.
Umfrage unter hessischen Ärzten: Haben bereits Erfahrung mit Antibiotikaresistenzen gemacht

Umfrage unter hessischen Ärzten: Haben bereits Erfahrung mit Antibiotikaresistenzen gemacht

Multiresistente Errger sind keineswegs allein ein Problem der Krankenhäuser. Auch in Haus- und Facharztpraxen versagen immer öfter Antibiotika. Laut einer Umfrage unter 6.333 niedergelassenen Ärzte in Hessen, haben 70 Prozent bereits Erfahrung mit multiresistenten Keimen in ihrer Praxis gemacht. Das heißt, bakterielle Infektionen ließen sich nicht mehr mit gängigen Antibiotika behandeln. Die befragten Ärzte sehen zunehmend die Relevanz der Antibiotikaresistenz auch in der Region und die Bedeutung ihres eigenen Verordnungsverhaltens. Das hat offenbar zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Antibiotika geführt. Im Vergleich zum Jahr 2008 setzen die Ärzte heute Antibiotika zurückhaltender ein, berichten die Landesärztekammer Hessen und das MRE-Netz Rhein-Main, das die Umfrage im Abstand von acht Jahren durchführte. MRE ist das Kürzel für Multi Resistente Erreger.

Ärzte unter Druck

Mit der Kampagne „Weniger ist mehr – Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen“ will das MRE-Netz, Ärzte und Patienten für das Thema sensibilisieren. Es seien zwar schon Fortschritte gemacht worden, doch weitere Anstrengungen nötig, betonte die Leiterin des Netzwerks Prof. Ursel Heudorf. Das Problem der Resistenzentwicklung sei nur beherrschbar, wenn weniger Antibiotika eingesetzt würden. Ein riesiges Einsparpotenzial sieht die Ärztin bei Erkältungskrankheiten. „Achtzig Prozent der Infekte der oberen Luftwege sind viral bedingt, da sind Antibiotika nicht von Nutzen. Aber viele Ärzte haben den Eindruck, dass ihre Patientinnen und Patienten unbedingt ein Antibiotikum-Rezept wünschen, wenn sie wegen eines Atemwegsinfekts in die Praxis kommen.“ Mit Flyern und Plakaten will die Initiative deshalb die Bevölkerung informieren, wie sie am besten bei Infekten der oberen Luftwege wieder gesund werden – ohne Antibiotika.

Bevölkerung für Antibiotikaresistenzen sensibilisieren

Darin wird für Impfungen und alte Hausmittel geworben. „Ruhe und Tee trinken statt Rezept und Pillen“, sind das beste Rezept gegen virale Infekte, so Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer. „Geben Sie Ihren natürlichen Abwehrkräften eine Chance, verzichten Sie bei diesen Infekten auf die „chemische Keule“ Antibiotika“. Neben schriftlichen Informationen will das Netzwerk im kommenden Jahr auch öffentliche Informationsveranstaltungen durchführen. Ziel ist, dass weniger Patienten Antibiotika verlangen und Ärzte die Mittel in der Folge seltener verschreiben. 

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotika , Antibiotikaresistenzen , Multiresistente Erreger

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotikaresistenzen

| In Bakterien, die natürlicherweise in Kuhmilch vorkommen können, haben Forschende der Universität Bern ein Antibiotikaresistenz-Gen entdeckt. Diese Resistenz könnte sich theoretisch auch auf menschliche Bakterien übertragen, wodurch vor allem die Bekämpfung von hartnäckigen Krankenhauskeimen kompliziert werden könnte.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.