. Qualität in der Pflege

Mehr Stürze durch Schlafmittel?

Laut einer Studie haben Senioren, die in einem Pflegeheim eine Hüftfraktur erleiden, kurz davor häufiger Schlafmittel eingenommen als an anderen Tagen. Dies unterstützt die Vermutung, dass Schlafmittel Stürze begünstigen. Doch eindeutig sind die Ergebnisse der Analyse nicht.
Schlafmittel in Pflegeheimen

Viele Senioren in Pflegeheimen erhalten Schlafmittel

Ältere Menschen leiden häufig unter Schlafstörungen. Besonders in Alten- und Pflegeheimen werden diese oft mit Medikamenten behandelt. Da Schlafmittel aber auch zu Gangunsicherheit führen können, liegt der Verdacht nahe, dass viele Stürze älterer Menschen mit den Medikamenten zusammenhängen. Doch bisher konnten Studien keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Schlafmitteln und Stürzen feststellen.

Der Grund dafür ist, dass bisher nicht genau feststellbar war, ob tatsächlich die Medikamente oder aber die zugrundeliegende Schlaflosigkeit die Ursache für die Stürze ist. Eine große Kohortenstudie kam sogar zu dem Ergebnis, dass Bewohner von Pflegeheimen, die unter Schlaflosigkeit litten und keine Medikation erhielten, häufiger stürzten als solche, die Schlafmittel bekommen hatten.

Mehr Stürze nach Einnahme von Schlafmitteln

Um mehr Licht in den kausalen Zusammenhang zu bringen und herauszufinden, ob Schlafmittel bei Senioren tatsächlich Stürze befördern oder nicht, hat nun ein Forscherteam um Dr. Sarah Berry von der Harvard Medical School in Boston die Daten von über 15.000 Patienten ausgewertet, die in einem Pflegeheim lebten und dort eine Hüftfraktur erlitten hatten. 11 Prozent der Patienten hatten in den 150 Tagen vor dem Sturz Schlafmittel mit der sogenannten Z-Substanz (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon) erhalten.

Die Wissenschaftler untersuchten nun, ob die Patienten im letzten Monat vor dem Sturz häufiger Schlafmittel eingenommen hatten als sonst. Dadurch, dass also nicht unterschiedliche Patientengruppen miteinander verglichen wurden und nur die Daten von Patienten mit Schlafstörungen ausgewertet wurden, ließ sich ausschließen, dass die Schlafstörungen allein Ursache für die Stürze waren. Die Studie zeigte dann auch, dass Patienten in den Tagen vor der Hüftfraktur überdurchschnittlich häufig Z-Substanzen erhalten hatten, nämlich um 66 Prozent häufiger als zu anderen Zeiten.

Genauer Zusammenhang dennoch unklar

Damit stimmen die Ergebnisse der Studie, die im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurden, mit den Daten von anderen Fall-Kontroll-Studien überein. Einige Untersuchungen haben sogar ein bis zu dreifaches Risiko für Stürze unter Schlafmitteln ergeben. Dennoch meinen Experten, dass man die Ergebnisse mit Vorsicht interpretieren muss. Denn in der vorliegenden Analyse wurden zwar nur die Daten der Patienten untereinander verglichen, die unter Schlaflosigkeit litten, doch es ist nicht auszuschließen, dass die Betroffenen vor allem dann Schlafmittel erhielten, wenn sie gerade besonders starke Schlafstörungen hatten.

Somit kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass auch die zugrundeliegende Schlafproblematik zu den vermehrten Stürzen beigetragen hat. Vermutet wird daher, dass sowohl die Medikamente als auch die Schlafstörungen zum Sturzrisiko beitragen. Den größten Nutzen hätte es daher, wenn die Schlafstörungen auf andere Weise reduziert werden könnten.

Foto: © bilderstoeckchen - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.