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24.05.2021

Mehr Pflegepersonal in Kliniken reduziert die Zahl der Todesfälle

Mehr Pflegepersonal in Kliniken reduziert die Zahl der Todesfälle, die Liegedauer und die Zahl der erneuten Krankenhauseinweisungen - und senkt damit sogar Kosten.
Mehr Pflegepersonal sorgt durch die bessere Betreuung sogar für Einsparungen

Mehr Pflegepersonal in Kliniken reduziert die Zahl der Todesfälle, die Liegedauer und die Zahl der erneuten Krankenhauseinweisungen. Das zeigt eine Studie, die im Fachmagazin Lancet erschien. Dafür wurden Daten von Kliniken in Queensland, Australien, ausgewertet.

Hier wurde in 27 Kliniken eine neue Richtlinie eingeführt, wonach das Mindestverhältnis zwischen Pflegekraft und Patient 1:4 in der Tagesschicht und 1:7 in der Nachtschicht betragen soll. Der Studienzeitraum betrug zwei Jahre. Ergebnis: Die bessere Personalausstattung verbesserte die Patientenversorgung. Die Wahrscheinlichkeit von Tod und erneuter Einweisung sowie Liegedauer sanken.

Die Hälfte der Krankenhäuser hatte ihr Personal aufgestockt

An der Untersuchung nahmen mehr als 400.000 Patienten und 17.000 Pflegekräfte teil aus den 27 Krankenhäusern, die die Richtlinie umgesetzt hatten und 28 Krankenhäusern, die das nicht taten. Hier lag das Verhältnis Pflegekraft zu Patient gleichbleibend bei 1:6. Weiteres Ergebnis: Die Einsparungen durch kürzere Krankenhausaufenthalte und weniger erneute Einweisungen waren doppelt so hoch wie die Kosten für die Einstellung von mehr Personal.

"Unsere Ergebnisse schließen eine entscheidende Datenlücke", sagt Hauptautor Prof. Matthew McHugh von der University of Pennsylvania School of Nursing, in einer Pressemitteilung des Lancet. Fehlende Daten zu den langfristigen Auswirkungen und Kosten hätten eine breite Einführung von Personaluntergrenzen bislang verhindert.

 

Liegedauer, erneute Einweisung, Sterberate erfasst

Es wurde nur Pflegepersonal eingeschlossen, das erwachsene Patienten auf medizinisch-chirurgischen Stationen betreute. Bei den Patienten wurden demografische Daten, Diagnosen, Entlassungsdetails, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, Todesfälle bis zu 30 Tagen nach der Entlassung sowie erneute Einweisungen binnen sieben Tagen nach der Entlassung erfasst.

Die Forscher stellten fest, dass die Sterbewahrscheinlichkeit zwischen 2016 und 2018 in Krankenhäusern, die die Richtlinie nicht umgesetzt haben, um 7 Prozent gestiegen ist und in Krankenhäusern, die die Richtlinie umgesetzt haben, um 11 Prozent gesunken ist. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Aufnahme stieg in den Vergleichskrankenhäusern um 6 Prozent und blieb in den Krankenhäusern, in denen die Richtlinie umgesetzt wurde, gleich.

Mehr Pflegepersonal in Kliniken reduziert Todesfälle

Zwischen 2016 und 2018 verringerte sich die Liegedauer in den Krankenhäusern, in denen die Richtlinie nicht umgesetzt wurde, um 5 Prozent und in den Krankenhäusern, in denen sie umgesetzt wurde, um 9 Prozent. Im Durchschnitt sank bei einer Verbesserung der Arbeitsbelastung des Pflegepersonals um einen Patienten weniger pro Pflegekraft die Wahrscheinlichkeit von Tod und erneuter Aufnahme jeweils um 7 Prozent und die Dauer des Krankenhausaufenthalts um 3 Prozent.

Mehr Pflegepersonal in Kliniken reduziert also die Zahl der Todesfälle. Ohne die Umsetzung der Richtlinie schätzen die Forscher, dass es in den 27 Krankenhäusern 145 weitere Todesfälle, 255 weitere erneute Einweisungen und 29.222 zusätzliche Krankenhaus-Tage gegeben hätte.

Mehr Pflegepersonal, mehr Einsparungen

Die Forscher berechneten auch die Kosten für die Finanzierung der 167 zusätzlichen Mitarbeiter, die für die Umsetzung der Richtlinine erforderlich waren: Sie betrugen 33 Millionen US-Dollar im Vergleich zu 69,6 Millionen US-Dollar, die die verbesserte Patientenbetreuung einsparte.

"Ein klarer Return on Investment. Oft sind die Entscheidungsträger besorgt, ob sie es sich leisten können, eine solche Politik umzusetzen. Wir würden die Regierungen ermutigen, diese Zahlen zu betrachten und zu überlegen, ob sie es sich leisten können, dies nicht zu tun", sagt Prof. Patsy Yates von der Krankenpflegeschule der Queensland University of Technology.

Personaluntergrenzen in Deutschland

In Deutschland gibt es Personaluntergrenzen in den Kliniken, die Höhe hängt von der Station ab.

  • Intensivmedizin und pädiatrische Intensivmedizin: Tagschicht 2 Patienten pro Pflegekraft; Nachschicht 3 Patienten pro Pflegekraft.
  • Geriatrie Tagschicht 10 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht 20 Patienten pro Pflegekraft.
  • Allgemeine Chirurgie und Unfallchirurgie: Tagschicht 10 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht 20 Patienten pro Pflegekraft.
  • Innere Medizin und Kardiologie: Tagschicht 10 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht 22 Patienten pro Pflegekraft.
  • Herzchirurgie: Tagschicht 7 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht 15 Patienten pro Pflegekraft.
  • Neurologie: Tagschicht 10 Patienten pro Pflegekraft; Nachtschicht 20 Patienten pro Pflegekraft.
  • Neurologische Schlaganfalleinheit: Tagschicht 3 Patienten pro Pflegekraft; Nachschicht 5 Patienten pro Pflegekraft.
  • Neurologische Frührehabilitation: Tagschicht 5 Patienten pro Pflegekraft; Nachschicht 12 Patienten pro Pflegekraft.
  • Pädiatrie: Tagschicht 6 Patienten pro Pflegekraft; Nachschicht 10 Patienten pro Pflegekraft.

Foto: Adobe Stock/ Jacob Lund

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