Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Mehr Patientenrechte bei Behandlungsfehlern gefordert

Mutmaßliche Behandlungsfehler treiben Patienten um. Viele suchten deshalb Rat bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). Doch die kann nur bedingt helfen und appelliert deshalb an die Politik.
Patientenrechte bei Behandlungsfehlern

Ärztlicher Kunstfehler? Wer soll das wie beweisen?

Knapp jede 20. Beratung, die die UPD im vergangenen Jahr vorgenommen hat, drehte sich darum, dass ein Behandlungsfehler vermutet wurde. Fast 4700 Mal suchten Patienten Rat zu diesem Thema. Doch die Patientenberatung kann ihnen dabei nur selten helfen. Sie muss den Hilfesuchenden sagen, dass sie in der Beweispflicht sind, wenn sie einen Behandlungsfehler vermuten. Viele sehen sich davon aber überfordert. So stellt die UPD fest, dass Ratsuchende es als entmutigend finden, dass die Beweislast für den Behandlungsfehler bei ihnen liegt.

„Es gibt Informations- und Kommunikationsdefizite im Verhältnis zwischen Patienten und Ärzten“, meint UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede. Er stellt fest: „Ratsuchende fühlen sich oftmals nicht ernst genommen und mit ihren Fragen und Problemen alleine gelassen.“

Appell: Behandlungsfehler nicht vertuschen!

Der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Lauman (CDU), der den Bericht der UPD Ende Juni - kurz bevor er seinen Wechsel in die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ankündigte - entgegen genommen hat, erneuerte mit Blick auf dieses Ergebnis seine Forderung nach Erleichterungen bei der Beweislast. Wie vor Gericht gilt auch bei mutmaßlichen Behandlungsfehlern die Unschuldsvermutung. Bisher müssen die Betroffenen selbst zweifelsfrei nachweisen, dass ein Behandlungsfehler Ursache für einen erlittenen Schaden ist. „Ein solcher Nachweis ist in der Medizin jedoch kaum zu führen“, meint Laumann. Er fordert: „Deshalb muss es künftig reichen, wenn der Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und Schaden überwiegend wahrscheinlich ist.“

Zugleich unterstützt Laumann die Forderung der UPD nach einem offeneren Umgang der Ärzte mit vermuteten oder tatsächlichen Behandlungsfehlern: „Der schlimmste Fehler ist der, der verschwiegen oder sogar vertuscht wird. Denn aus ihm kann man nicht lernen“, so Laumann. Er fordert „eine Fehlerkultur, die weder skandalisiert noch bagatellisiert, sondern die transparent aufarbeitet, was geschehen ist“.

 

Viel Beratungsbedarf bei Patienten

Mutmaßliche Behandlungsfehler waren jedoch nur ein Thema unter vielen, zu denen Patienten sich im Jahr 2016 bei der UPD beraten ließen. Mehr als doppelt so viele Beratungen wie zu Behandlungsfehlern hat die UPD zum Thema Krankengeldanspruch vorgenommen. Außerdem wandten sich Ratsuchende knapp 1600 Mal an die UPD, um sich über ihr Einsichtsrecht in die Krankenunterlagen beraten zu lassen. Dem Bericht zufolge wurde dabei immer wieder geschildert, dass Ärzte die Einsichtnahme pauschal verweigern, einschränken, hinauszögern oder sogar hohe Kosten ankündigen.

Der Patientenbeauftragte übte an diesem Vorgehen scharfe Kritik. Es ist nach seiner Ansicht ein unhaltbarer Zustand: „Mit dem Patientenrechtegesetz ist das Einsichtsrecht glasklar geregelt worden. Und die Ärzte müssen dem ohne Wenn und Aber nachkommen“, stellte er klar.

Foto: CrazyCloud – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Behandlungsfehler , Patientenrechte , Patientensicherheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Patientenrechte bei Behandlungsfehlern

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin