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Mehr Patientenbeteiligung bei der Händehygiene

Mittwoch, 7. Juni 2017 – Autor: Angela Mißlbeck
Patienten sollen stärker in die Hygienemaßnahmen zur Eindämmung von Krankenhausinfektionen einbezogen werden. Das ist das Ziel eines Projektes unter Federführung der Uni Greifswald.
Patienten und Besucher mit im Boot bei der Hygiene in Kliniken.

Patienten und Besucher helfen mit, die Hygiene im Krankenhaus zu verbessern. – Foto: Tom-Hanisch - Fotolia

Das Projekt „AHOI – Patient im Boot“ erforscht, wie Patienten und Besucher zur Vermeidung sogenannter nosokomialer, also im Krankenhaus erworbener, Infektionen beitragen können. Außerdem entwickelt es Musterlösungen zur Umsetzung der Patientenbeteiligung an der Infektionsprävention.

Dazu werden Patienten und Besucher nun über Hygienestandards aufgeklärt und ermuntert, sich an deren Umsetzung zu beteiligen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei die Händehygiene, wie aus einer Projektbeschreibung im epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts hervorgeht.

Patientenbeteiligung einmal anders

Das Projekt startete vor etwa einem Jahr im Auftrag und mit Förderung des Patientenbeauftragten und Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann. „Bisher standen beim Kampf für mehr Hygiene vor allem die Mitarbeiter der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Fokus. Mit AHOI werden erstmals auch Patienten, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu aktiven Partnern bei der Vermeidung von Krankenhausinfektionen“, so Laumann bei der Vorstellung erster Projektergebnisse Anfang Juni in Berlin.

Projektbestandteil sind auch Schulungen, in denen das Personal lernt, wie Pflegebedürftige und Patienten mit den Hygienemaßnahmen vertraut gemacht werden können. „Außerdem lernen die Beschäftigten, wie man konstruktiv mit Rückmeldungen umgeht. Dieser Ansatz ist aus meiner Sicht vielversprechend, um Infektionen mit multiresistenten Erregern zu verhindern und das Personal zu entlasten“, so Laumann weiter. Er verweist auf Expertenschätzungen, wonach etwa ein Drittel derrund 400.000 bis 600.000 Infektionen bei medizinischen Behandlungen in Deutschland vermeidbar wären. „AHOI kann hier einen ganz wichtigen Beitrag leisten, den Menschen viel Leid und Schmerz zu ersparen. Darum unterstütze ich die Projektpartner aus voller Überzeugung“, so der Staatssekretär.

 

Erste Ergebnisse zur Patientenbeteiligung bei der Infektionsprävention

Das Projekt wird von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe der Uni und Uniklinik Greifswald gemeinsam mit dem Kompass e. V. (Koordinierte medizinische Versorgung für Patientensicherheit und sektorenübergreifenden Infektionsschutz) in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Insgesamt wurden 500 Patienten, Pflegebedürftige und Angehörige sowie 118 Mitarbeiter in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen befragt. Die Ergebnisse zeigen eine große Bereitschaft, Patienten und Pflegebedürftige in die Händehygiene stärker einzubeziehen. Vor allem ein Ausbau der Möglichkeiten zur Händedesinfektion wird von Personal und Patienten oder Pflegebedürftigen gleichermaßen befürwortet.

Foto: Tom Hanisch – fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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