. DAK Pflegereport 2016

Mehr Menschen sterben im Pflegeheim

Die meisten Deutschen sterben nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus oder Pflegeheim. Laut neuestem DAK Pflegereport ist der Anteil derjenigen, die in einer Pflegeeinrichtung sterben, drastisch gestiegen.
DAK Pflegereport 2016: Oft unnötige Krankenhauseinweisungen am Lebensende

DAK Pflegereport 2016: Oft unnötige Krankenhauseinweisungen am Lebensende

Der DAK Pflegereport 2016 zeigt, wo die Deutschen ihre letzten Lebenstage verbringen. Danach sterben fast zwei Drittel aller Menschen nicht zu Hause: 40 Prozent versterben im Krankenhaus und 22 Prozent in einem Pflegeheim. Nur ein Drittel stirbt daheim. Vor 20 Jahren sah das noch anders aus. Damals starben 55 Prozent zu Hause und nur sechs Prozent in einer Pflegeeinrichtung, das sind 16 Prozentpunkte mehr. Der Anteil derjenigen, die im Krankenhaus starben, ist mit knapp 40 Prozent etwa gleich geblieben.

60 Prozent wollen zu Hause sterben

Dabei wünschen sich 60 Prozent, zu Hause zu sterben, wie eine begleitende Umfrage zeigt. 16 Prozent sind unentschlossen. Nur vier Prozent nennen das Krankenhaus, zwei Prozent das Pflegeheim. Befragte, die bereits Pflegeerfahrung haben, lehnen das Sterben in einer fremden Einrichtung noch stärker ab: So sagen pflegende Angehörige zu 76 Prozent, dass sie zu Hause sterben möchten. Begründet wird das mit mehr Würde und der Vorstellung, dass die gewohnte Umgebung das Sterben erträglicher mache. „Diese Ergebnisse lassen eine ausgeprägte Skepsis gegenüber der palliativen Versorgung in Kliniken und Heimen erkennen“, meint Professor der Vorstandsvorsitzende der DAK Herbert Rebscher.

Unnötige Krankenhausaufenthalte am Lebensende

Laut den Autoren des Reports wird am Lebensende zu oft ins Krankenhaus eingewiesen. Wie Daten von 60.000 verstorbenen Versicherten, die vor ihrem Tod pflegebedürftig waren, zeigen, waren 64 Prozent von ihnen im letzten Quartal vor dem Tod im Krankenhaus. Aus Qualitativen Interviews mit Pflegepersonen geht hervor, dass Klinikaufenthalte oft die Folge insuffizienter Versorgung zu Hause sind. Die Autoren fordern deshalb den Ausbau und die Re-Organisation der ambulanten Versorgung. Auch müssten pflegende Angehörige besser entlastet werden. „Diese vermeidbaren Krankenhausaufenthalte belasten nicht nur die Solidargemeinschaft. Sie stehen auch im klaren Widerspruch zu dem, was sich die meisten Menschen wünschen, wenn sie sterben müssen“, sagt Rebscher, zumal sie auch dem Grundsatz ‚ambulant vor stationär, widersprechen. „Man kann davon ausgehen, dass viele davon vermeidbar sind“, so Rebscher.

Der Kassenchef sagt das auch mit Blick auf die Kosten: Krankenhausaufenthalte am Lebensende kosten im Schnitt 9.000 Euro. Geld, das wohl besser für eine ambulante palliativmedizinische Versorgung ausgegeben werden sollte. Abhilfesoll das neue Hospiz- und Palliativgesetz bringen, das laut DAK nun zügig umgesetzt werden sollte.

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Krankenhäuser , Sterberate

Weitere Nachrichten zum Thema Sterben

| Die steigende Lebenserwartung in Deutschland spiegelt sich im durchschnittlichen Sterbealter wider: Es stieg in den letzten zehn Jahren um fast 2 Jahre auf 78,1 Jahre. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Häufigste Todesursache waren 2014 Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.