Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Mehr Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen

Der demografische Wandel lässt insgesamt einen weiteren Anstieg der Fallzahlen und der Belegungstage erwarten. Allein in Mecklenburg-Vorpommern seigt der Gesamtbedarf an stationärer medizinischer Versorgung um bis zu 47.000 Fälle pro Jahr. Das zeigt eine Analyse aus Rostock.
Mehr Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen

Senioren beim Herzsport. Zahl der über 60-Jährigen steigt rapide an.

Sinkende Einwohnerzahlen bei steigendem Durchschnittsalter: Welche Folgen das für die Gesundheitswirtschaft im Jahr 2030 hat, hat Dr. Sebastian Fenger in seiner Promotionsarbeit an der Universitätsmedizin Rostock am Beispiel von Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Das nordöstliche Bundesland wird von 1,7 Mio. im Jahr 2009 nach verschiedenen Vorhersagen auf 1,45 bis 1,52 sinken. Größte Bevölkerungsgruppe werden dann die 60- bis 80-Jährigen sein, heute sind es noch die 40- bis 60-Jährigen.

Nach Fengers Analyse wird der Gesamtbedarf an stationärer medizinischer Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern um bis zu 47.000 Fälle pro Jahr steigen. Er prognostiziert einen deutlichen Anstieg in Fachabteilungen mit älterer Patientenklientel und erwartet, rückläufige Fallzahlen in Bereichen mit jüngerer Patientenstruktur. Außerdem wird es nach Fenger zu einer Häufung von Krebs und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen – bedingt durch das höhere Durchschnittsalter.

Steigender Bedarf der Älteren wird nicht durch sinkenden Bedarf der Jüngeren kompensiert

Von 2005 bis 2009 hatte der Doktorand Fallzahlen, Belegungstage und Verweildauer im Krankenhaus in allen Altersgruppen für alle Fachabteilungen analysiert. Insgesamt zwei Millionen Fälle. Daraus wurden Prognosen bis 2030 entwickelt. Im Beobachtungszeitraum zeigten sich bereits deutliche Zuwächse einzelner Erkrankungen wie etwa. der Herzinsuffizienz (häufigste stationäre Diagnose im Land) von 7.000 Fällen im Jahr 2005 auf über 10.000 im Jahr 2009. „Bis 2030 ist ohne Intervention davon auszugehen, dass sich die Zahl noch einmal fast verdoppeln wird“, sagt Fenger. Andere Erkrankungen wie Herzinfarkte und hypertensive Herzkrankheiten waren erfreulicherweise rückläufig.

Wichtiges Ergebnis der Arbeit: Der demografische Wandel lässt insgesamt einen weiteren Anstieg der Fallzahlen, der Belegungstage und der mittleren Verweildauer erwarten. "Wir haben festgestellt, dass sich die Zunahme der über 60-Jährigen mit ihrem höheren Bedarf an medizinischer Versorgung nicht durch die rückläufige Zahl der unter 60-Jährigen kompensieren lässt", fasst Dr. Fenger zusammen.

 

Demografischer Wandel: 25 Prozent mehr Fälle in der Inneren Medizin bis 2030

In der Inneren Medizin werden zum Beispiel 25 Prozent mehr Fälle, in der Allgemeinchirurgie und der Neurologie 10 Prozent mehr Fälle erwartet. Auch in Orthopädie und Augenheilkunde wurden steigende Zahlen ermittelt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gewebeneubildungen, Knochenbrüche, künstliche Gelenke, Schlaganfälle - das sind die häufigsten Behandlungsfälle bei Älteren. In der Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie HNO-Heilkunde werden die absoluten Zahlen laut Prognosen deutlich sinken.

Insgesamt zwei Millionen Fälle hat Fenger für seine Arbeit "Untersuchungen zur Veränderung des Morbiditätsspektrums einer alternden Bevölkerung am Beispiel des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern" ausgewertet. Die anonymisierten Patientendaten hatte das Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales zur Verfügung gestellt. Die Doktorarbeit baut auf ein Versorgungsforschungsprojekt auf, das im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer begonnen wurde. „Sie soll einen Beitrag leisten, um das Gesundheitswesen auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten", sagt Dr. Fenger.

"Die Arbeit ist eine wichtige Grundlage für unsere Bettenplanung an der Universitätsmedizin Rostock sowie für die Investitionsplanung im Land - und letztlich sogar bundesweit", fasst Professor Dr. med. Peter Schuff-Werner, Ärztlicher Vorstand und Betreuer der Promotion, zusammen. "Empfehlungen, die in der Arbeit getroffen wurden, wie die Bildung von Behandlungszentren für die Nutzung von Synergieeffekten, der Ausbau von ambulanter und tagesklinischer Versorgung sowie von Spezialsprechstunden werden in Rostock bereits zunehmend in die Tat umgesetzt. Fengers Arbeit habe auch Mecklenburg-Vorpommern hinaus Bedeutun, so Professor Schuff.

Foto: AOK-Mediendienst

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herz

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Bei einem Fachgespräch im Gesundheitsausschuss des Bundestags haben Gesundheitsexperten vor den Gefahren der Sepsis – allgemein auch als „Blutvergiftung bekannt“ – gewarnt. Sie fordern eine verstärkte Aufklärung von Bevölkerung und medizinischem Personal.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin