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09.08.2021

Mehr häusliche Gewalt durch die Pandemie? Dunkelfeldstudie findet keine Belege

Hat die häusliche Gewalt durch die zahlreichen Einschränken während der Pandemie zugenommen? Eine Dunkelfeldstudie findet hierfür keine Hinweise. Die Ergebnisse wurden jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.
Eine aktuelle Studie kann keine Zunahme häuslicher Gewalt während der Pandemie feststellen. Doch es bleiben Fragen

Eine aktuelle Studie kann keine Zunahme häuslicher Gewalt während der Pandemie feststellen. Doch es bleiben Fragen

Lockdowns und Kontaktbeschränkungen können tiefgreifende Auswirkungen auf das soziale Miteinander haben. Schon zu Beginn der Pandemie wurde deshalb ein Anstieg der häuslichen Gewalt befürchtet. Eine Studie des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim hat nun untersucht, ob es in Deutschland  tatsächlich zu einer Zunahme von häuslicher Gewalt gekommen ist. Für die Studie wurden zwei bevölkerungsrepräsentative Befragungen aus den Jahren 2016 und 2021 miteinander verglichen. Befragt wurden jeweils mehr als 1.000 Personen, die mit Partner und/oder Kind in einem Haushalt leben.

Studienergebnisse überraschen

Die jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen zum Infektionsschutz nicht zu einer Zunahme elterlicher und partnerschaftlicher Gewalt geführt haben. Studienleiter Prof. Dr. Christoph Kröger von der Uni Hildesheim schränkt ein: „Es konnte unter anderem nicht geklärt werden, ob in Familien, die bereits von häuslicher Gewalt betroffen sind, die Häufigkeit oder Intensität von Übergriffen während der Maßnahmen zugenommen hat.“ Außerdem könne es Teilgruppen der Bevölkerung, zum Beispiel junge einkommensschwache Paare oder Gewalthandlungen geben, für die die Studienergebnisse nicht zutreffen.

 

Befragung aus dem Dunkelfeld

Bei der Studie handelt es sich um eine sogenannte Dunkelfeldbefragung. Im Gegensatz zu sogenannten Hellfeldanalysen, die nur den Anteil der häuslichen Gewalt erfassen, die der Polizei oder Beratungsstellen gemeldet wird; werden hier die Täter oder Opfer selbst befragt. In diesem Fall in Anwesenheit durch eines geschulten Experten. „Dadurch kann ein vollständigeres Bild erreicht werden“, sagt Psychologe Kröger.

Die jetzt vorgelegte Arbeit ist lediglich ein Hinweis. Das Forschungsteam um Professor Kröger fordert, dass die Bewertung der Folgen von Maßnahmen zum Infektionsschutz „dringend einer empirischen Basis bedürfen und weitere Forschungsbemühungen hier entsprechend erfolgen sollten“.

Kröger hält fest, dass es Gewalt in Familien schon vor der Pandemie gegeben habe. Er fügt hinzu: „Häusliche Gewalt bleibt ein gesamtgesellschaftliches Problem - auch nach der Corona-Pandemie.“

Studie: Kliem S, Baier D, Kröger C: Domestic violence before and during the COVID-19 pandemic—a comparison of two representative population surveys. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 483–4. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0267

Foto: © Adobe Stock/ Nattanon

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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