. Häusliche Pflege

Mehr Geld für Demenzkranke

Demenzkranke, die zu Hause gepflegt werden, erhalten künftig mehr Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. 655 Millionen Euro pro Jahr sollen die Verbesserungen für diese Patientengruppe ab 2013 betragen. Dies gab Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf einer Pressekonferenz am 18. Januar bekannt.
Gerd Altmann/pixelio

Gerd Altmann/pixelio

Aufgrund der Alterung der Bevölkerung wird die Zahl der Demenzkranken immer grösser. Derzeit leben in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen, die an Demenz leiden. Etwa zwei Drittel werden von Angehörigen gepflegt. Ein grosser Teil wird nun von den Verbesserungen der Pflegeleistungen profitieren. So wird das Pflegegeld für demenzkranke Patienten in der Pflegestufe 0 um 120 Euro im Monat erhöht, in Pflegestufe I um 70 Euro und in Stufe II um 85 Euro. Die Sätze für Sachleistungen, die anstelle des Pflegegeldes gewählt werden können und z. B. für ambulante Pflegedienste gezahlt werden, sollen um 225 Euro in Pflegestufe 0, um 215 Euro in Stufe I und um 150 Euro in Stufe II steigen. Die Pflegestufe III bleibt unverändert.

Die Gesundheitspolitiker der Koalition erhoffen sich von diesem Beschluss, dass weniger Patienten in einem Heim untergebracht werden, was für die Pflegekassen erheblich teurer ist. Zusammen mit der im Januar begonnenen Familienpflegezeit soll es durch die Verbesserung der Pflegeleistungen für Angehörige leichter werden, demenzkranke Patienten zu Hause zu pflegen. Auch bei der Kurzzeitpflege sollen Angehörige jetzt unterstützt werden. Bis zu vier Wochen kann ein Patient bei der Kurzzeitpflege in einem Heim untergebracht werden, so dass die pflegenden Angehörigen beispielsweise in Urlaub fahren oder sich anderweitig erholen können. Während das Pflegegeld bisher für diese Zeit gestrichen wurde, soll es in Zukunft zur Hälfte weitergezahlt werden.

Neben der Erhöhung des Pflegegeldes sind weitere Verbesserungen in der Versorgung Demenzkranker vorgesehen. So sollen unter anderem spezielle Wohnformen für Betroffene stärker gefördert werden, die Verfahren zur Begutachtung der Pflegebedürftigkeit vereinfacht und die medizinische Versorgung in Heimen verbessert werden.

Insgesamt werden die Ausgaben der Pflegeversicherung ab 2013 um 1,1 Milliarden Euro steigen. Finanziert wird dies durch die Erhöhung des Beitragssatzes um 0,1 Punkte auf 1,95 Prozent (2,3 Prozent für Kinderlose). Langfristig ist eine grundsätzliche Überarbeitung der Pflegeleistungen geplant. Im Februar soll eine Expertenkommission damit beginnen, eine neue Definition des sogenannten Pflegebedürftigkeitsbegriffs zu erarbeiten.

Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Pflegekosten , Pflegezusatzversicherung , Ambulante Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz

| Pflegebedürftigkeit ist für viele Menschen mit Scham verbunden. Wie Pflegebedürftige und pflegende Angehörige im Alltag damit umgehen können, zeigt jetzt ein neuer Ratgeber.
| Demenzkranke bekommen künftig die gleichen Leistungen von ihrer Pflegeversicherung wie Pflegebedürftige mit körperlichen Gebrechen. Das sieht das am Freitag vom Bundestag beschlossene Pflegestärkungsgesetz vor. Am 1. Januar tritt es in Kraft.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Verletzungen von Nerven im Zentralen Nervensystem (ZNS) führen oft zu irreparablen Schäden, weil sich Nervenzellen hier nur schwer regenieren können. Nun haben Forscher untersucht, mit welchen Wirkstoffen die Regenerationfähigkeit der Nervenzellen im ZNS angeregt werden kann.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.