. Fast-Food-Studie aus England

Mehr Fast-Food-Läden, mehr Übergewicht

Fast-Food-Ketten hatten noch nie den Ruf, besonders gesundheitsorientiert zu sein. Eine soeben im British Medical Journal veröffentlichte Studie bestätigt dieses Image. Die Studie zeigt nämlich, dass mit der Dichte der Fast-Food-Läden das Übergewicht steigt.
Mehr Fast-Food-Läden, mehr Übergewicht

Übergewichtige haben einen neuen Sündenbock: Das Überangebot an Fast-Food in ihrer Nähe

Hamburger, Pommes, Tortillas – in vielen Gegenden lauern sie an jeder Ecke. Wer täglich viele Gelegenheiten hat, Fast Food zu essen, sei es am Wohnort, am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dort hin, unterliegt auch einer ständigen Versuchung. Dass nur die wenigsten widerstehen können und auf Dauer an Gewicht zulegen, haben jetzt britische Forscher herausgefunden. Demnach sind die Menschen umso dicker, je mehr Fast-Food-Läden sich in ihrer Umgebung befinden. Um das herauszufinden, hat der Epidemiologe Thomas Burgoine von der Universität Cambridge in der englischen Grafschaft Cambridgeshire für mehr als 5.000 Erwerbstätige die Zahl der Fast-Food-Läden in der Umgebung von Wohnung, Arbeitsweg und Arbeitsplatz bestimmt und mit den Ernährungsgewohnheiten sowie dem Körpergewicht verglichen.

Wo die meisten Fast-Food-Läden sind, sind die Menschen doppelt so dick

Das Ergebnis: Es bestand eine eindeutige Abhängigkeit zwischen dem Imbiss-Angebot und dem Körpergewicht. Im Durchschnitt hatten die Bewohner 32 Gelegenheiten, sich mit Fast Food zu versorgen. „Die Bewohner mit den meisten Imbiss-Gelegenheiten waren fast doppelt so häufig übergewichtig wie Bewohner aus Gegenden mit den wenigsten Fast-Food-Läden“, kommentiert PD Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, die Studienergebnisse seines britischen Kollegen.

Für Siegel und seine Diabetiker-Lobby könnten die Ergebnisse aber zugleich ein gefundenes Fressen sein, mehr Druck auf die Politik zu machen und etwa erneut eine Zucker-Fett-Steuer zu fordern. „Niemand kann ernsthaft fordern, Fast-Food-Läden zu verbieten“, stellt DDG-Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs klar. Aber die Politik sei aufgerufen, die Entscheidung für eine gesunde Kost einfacher und attraktiver zu machen. „Wir können beispielsweise durch eine Zucker-Fett-Steuer auf besonders kalorienhaltige Lebensmittel dafür sorgen, dass gesunde Ernährung günstiger ist als etwa Pommes frites“, so Garlichs. „Ein Mineralwasser sollte günstiger sein als ein Softdrink.“ Darüber hinaus sei eine klare Lebensmittel-kennzeichnung sowie die Angabe der Kalorienmengen in Restaurants wichtig.

 

Diabetes-Experten fordern Zucker-Fett-Steuer

Sogar in den USA ist man diesbezüglich ein Stück weiter, vielerorts ist vorgeschrieben, für Imbisse die Kalorienmenge anzugeben. In New York dürfen öffentliche Lokale keine ungesunden Transfette verwenden und Soft-Drinks nur in Bechern mit maximal einem halben Liter Fassungsvermögen abgegeben werden. In Finnland, Ungarn und Frankreich gibt es bereits Steuern auf hochkalorische Lebensmittel. Auch in Großbritannien wurden kürzlich Richtlinien zur Regulierung von Fast-Food-Läden herausgegeben. Ob diese staatlichen Eingriffe allerdings tatsächlich Menschen vor krankhaftem Übergewicht bewahren können, ist bislang nicht belegt. Trotzdem halten die DDG-Experten regulierende Eingriffe des Staats für überfällig. „Wenn wir Übergewicht und Diabetes Typ 2 reduzieren wollen, brauchen wir endlich ein wirksames Präventionsgesetz“. Schließlich seien die heutigen Essgewohnheiten eine wichtige Ursache für den Anstieg der chronischen Krankheiten geworden.

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