. Neue Statistik der Bundesärztekammer

Mehr Ärztemangel trotz eines Mehr an Ärzten?

Die Zahl der Ärzte in Deutschland wächst weiter. Das zeigt die neue Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK). Gleichzeitig nimmt der Ärztemangel zu. BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery sieht darin keinen Widerspruch.
Die Bundesärztekammer warnt: Obwohl die Zahl der Ärzte steigt, wächst auch der Ärztemangel.

Bundesärztekammer: Arztzahl wächst, aber Ärztemangel auch.

„Der Ärztemangel und der Mangel an Arztstunden sind keine Prognosen mehr, sondern in vielen Regionen Deutschlands längst Realität. Und wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Mangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird“, sagte Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), über die neueste Ärztestatistik der BÄK für das Jahr 2013.

Der aktuellen Zählung zufolge ist die Zahl der berufstätigen Ärzte 2013 um 2,5 Prozent auf 357.252 gestiegen. Gleichzeitig verabschieden sich laut BÄK immer mehr Ärzte in den Ruhestand. Ihre Zahl wuchs im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent auf 72.540, und im Vorjahr um 2,6 Prozent. „Die Statistik belegt eindeutig, dass die demografische Entwicklung auch die Ärzteschaft erfasst hat. Seit Jahren nimmt das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte zu“, so Montgomery. Es gebe jetzt mehr Ärzte über 50 als zwischen 40 und 50 Jahren und der Anteil der unter 35-Jährigen sei „nur“ um 0,8 Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen.

Rasant zugenommen hat in den letzten fünf Jahren die Zahl der Ärzte aus dem Ausland. Sie stieg von 18.105 im Jahr 2008 auf 31.236 im vergangenen Jahr.

BÄK: Bedarf an Ärzten wächst durch demografische Entwicklung

Trotz der Zuwächse bei den Arztzahlen, wächst nach Auffassung der Kammer auch der Ärztemangel. Montgomery weist darauf hin, dass schon allein aufgrund der Zunahme der Behandlungsintensität in einer alternden Gesellschaft heute mehr Ärztinnen und Ärzte gebraucht würden als früher. Zwischen 2004 und 2012 stieg die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland den Angaben zufolge um 136 Millionen und die der stationären um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen Fälle.

„Hinzu kommt, dass Dank des medizinischen Fortschritts früher nicht bekannte oder mögliche Eingriffe, Untersuchungen und Therapiemethoden durchführbar geworden sind“, so Montgomery weiter. Das erfordere ebenso wie die zunehmende Spezialisierung der Medizin immer mehr Personal.

Zugleich wachse eine Ärztegeneration heran, die der Work-Life-Balance eine höhere Bedeutung zumesse und sich immer häufiger für Teilzeitarbeit entscheide. Das gilt laut BÄK für Frauen und Männer gleichermaßen. Während 2001 noch 31.000 Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit arbeiteten, stieg ihre Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 auf 54.000. „Junge Menschen mit einer hochqualifizierten Ausbildung sind zu Recht nicht mehr bereit, ihren Lebensstil, ihre Lebensqualität und ihre Arbeitnehmerrechte an den Pforten der Krankenhäuser und Arztpraxen abzugeben“, meint Montgomery.

Maßnahmen gegen wachsenden Ärztemangel gefordert

Als erste Maßnahme gegen den Ärztemangel betrachtet der BÄK-Präsident eine Erhöhung der Studienplätze in der Humanmedizin. Im Vergleich zu den 90er Jahren gibt es nach BÄK-Angaben jetzt fünf Prozent weniger Studienplätze. Zudem müsse die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten wieder attraktiver gestaltet werden. Dazu fordert die Kammer nicht nur bessere Anerkennung und Bezahlung sondern auch flankierende Maßnahmen wie Abbau von Überstunden und Diensten, Entlastung von Bürokratie, flexible Arbeitszeitregelungen und mehr Angebote für die Kinderbetreuung.

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Autor: Angela Mißlbeck