. Startschuss für die private Medizinhochschule im Land Brandenburg

Medizinische Hochschule Brandenburg ist genehmigt

In Brandenburg geht eine neue private Medizinhochschule an den Start. Das Wissenschaftsministerium des Landes hat die geplante private „Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane“ (MHB) staatlich anerkannt. Bewerber brauchen kein Einserabitur, aber Interesse am Arztberuf in Brandenburg.
Medizinstudium außerhalb der Unikliniken - neues Angebot in Brandenburg

Gegen den Ärztemangel soll in Brandenburg nun eine private Medizinhochschule helfen

Die Brandenburgische Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos für SPD) erwartet von der privaten Medizinuni vor allem Unterstützung im Kampf gegen den wachsenden Ärztemangel im Flächenland Brandenburg. „Mit dem Konzept der MHB besteht die Möglichkeit, die ärztliche Versorgung in Brandenburg langfristig abzusichern. Wir verbinden damit die Erwartung, dass sich die Absolventinnen und Absolventen nach dem über sechsjährigem Medizinstudium entschließen, in Brandenburg als Ärzte zu arbeiten“, sagte Kunst. Ziel sei es, der Herausforderung der demografischen Entwicklung und der Altersstruktur der brandenburgischen Bevölkerung vor allem an der Peripherie des Landes zu begegnen.

Baustein gegen den Ärztemangel

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betrachtet die private Hochschule als „weiteren Mosaikstein, um die medizinische Versorgung vor allem im ländlichen Raum zu verbessern“. Das unterschreibt Landesgesundheitsministerin Anita Tack (Linke).

Der Fraktionschef der oppositionellen CDU, der Arzt Michael Schierack, begrüßte die Anerkennung der Privatuni ebenfalls. Er hatte in der Vergangenheit mehrfach mehr Engagement der Landesregierung für das Medizinhochschul-Projekt gefordert.

Die Medizinische Hochschule Brandenburg wird in Neuruppin angesiedelt. Sie geht auf eine gemeinsame Initiative der Ruppiner Kliniken in Neuruppin und des Städtischen Klinikums Brandenburg in der Stadt Brandenburg an der Havel zurück. Diese beiden Krankenhäuser liegen im Westen des Landes Brandenburg. An der Ausbildung im Brandenburger Modellstudiengang Medizin sollen aber rund 40 weitere Kliniken und 30 Lehrpraxen in Brandenburg mitwirken. Die Hochschule kooperiert mit der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Hausärzteverband des Landes.

Kein Numerus Clausus nötig

Der Studienbetrieb startet mit 42 Plätzen im Bachelor-Studiengang Psychologie noch in dieem Herbst. Ab dem Sommersemester 2015 stehen zusätzlich 42 Plätz im Master-Studiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie und 45 Medizinstudienplätze pro Jahr zur Verfügung. Das Medizinstudium wird an der Privathochschule nicht an einen Numerus Clausus geknüpft. Vielmehr will die MHB bei der Bewerberauswahl in persönlichen Gesprächen auf das Interesse am Arztberuf und auf den persönlichen Bezug zum Land Brandenburg achten. „Wir glauben nicht, dass ein Arzt einen Notendurchschnitt von 1,0 braucht“, sagte Mit-Initiator Professor Dieter Nürnberg von den Ruppiner Kliniken.

Die private Medizinhochschule muss sich selbst finanzieren. Vom Land Brandenburg erhält sie kein Geld. Die Ausbildung kostet nach Angaben der MHB rund 115.000 Euro pro Student. Den Großteil davon tragen die kooperierenden Krankenhäuser über Darlehen an die Studenten. Etwa 7000 Euro pro Jahr müssen die Studenten selbst beitragen. Verpflichten sie sich dazu, eine fünfjährige Facharztausbildung an einer der kooperierenden Kliniken anzuschließen, wird ihnen das Darlehen erlassen.

Foto: Peter Atkins - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärztemangel , Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg , Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Medizinstudium

| Die deutsche Hochschulmedizin steckt in einer anhaltenden Finanzmisere. Immer mehr Unikliniken schreiben rote Zahlen. Darauf weisen der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (vud) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) hin. Sie fordern eine bessere Vergütung der Hochleistungsmedizin.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.