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Medikamentöse Risikoreduktion bei BRCA-Mutation scheint möglich

Freitag, 15. Juli 2022 – Autor:
Frauen mit vererbten Mutationen in den BRCA1- oder BRCA2-Genen haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Eine medikamentöse Senkung des Progesteronspiegels könnte dieses Risiko reduzieren. Darauf deutet eine aktuelle Arbeit der Universität Innsbruck hin.
Progesteronhemmer senkt vermutlich das Brustkrebsrisiko bei vererbter BRCA-Mutation

Progesteronhemmer senkt vermutlich das Brustkrebsrisiko bei vererbter BRCA-Mutation – Foto: © Adobe Stock/ Simona

Mutationen in den Genen BRCA1- oder BRCA2 werden auch als Brustkrebsgene bezeichnet. Denn Frauen, die diese Genveränderungen in sich tragen, haben ein stark erhöhtes Risiko, einmal an einem aggressiven Brustkrebs zu erkranken. Betroffene können sich entweder einer engmaschigen Kontrolle (intensivierte Früherkennung) unterziehen oder die Brüste vorsorglich chirurgisch entfernen lassen, so wie es die US-Schauspielerin Angelina Jolie getan hat.

Eine aktuelle Arbeit der Universität Innsbruck liefert nun Hinweise, dass das Krebsrisiko auch mit einem Medikament gesenkt werden könnte, und zwar mit dem Progesteronhemmer Mifepriston. Progesteron ist ein Sexualhormon aus der Gruppe der Gestagene, das unter anderem den Menstruationszyklus reguliert.

BRCA-Mutationsträgerinnen haben erhöhte Progesteronspiegel

„Unsere Forschungen haben gezeigt, dass Östrogen- und Progesteronspiegel bei BRCA1/2-Mutationsträgerinnen im Vergleich zu Frauen ohne diese Mutationen während des Menstruationszyklus erhöht sind“, erklärt Martin Widschwendter. Das sei kritisch, sagt der Krebsforscher, da das Hormon Progesteron zur vermehrten Teilung sogenannter Vorläuferzellen im Brustgewebe führe und diese schneller altern lasse. „Ein vermehrter Anteil dieser häufig geteilten und gealterten Vorläuferzellen erhöht das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs erheblich“, erläutert Widschwendter. Das habe den Ansatz nahegelegt, dass eine gezielte Beeinflussung des Progesteronspiegels das Krebsrisiko verringern könnte.

 

Gefährliche Vorläuferzellen bestimmt

In der Untersuchung wendeten die Forscher eine neue epigenetische Methode an, mit der sie den Anteil dieser häufig geteilten Vorläuferzellen bestimmen und so das Brustkrebsrisiko abschätzen konnten. Der neue „WID-Breast 29 Index“ untersucht DNA-Methylierung in 29 Regionen des Genoms. Je häufiger sich Vorläuferzellen teilen, umso höher wird das Ausmaß der Methylierung in diesen Bereich und das Brustkrebsrisiko steigt.

Progesteronhemmer senkt vermutlich das Brustkrebsrisiko

„Im Brustgewebe von Brustkrebspatientinnen zeigte sich dieser Index deutlich erhöht“, erklärt Martin Widschwendter. Durch die anschließende Behandlung mit dem Progesteronhemmer Mifepriston reduzierte sich der Anteil der alten und damit gefährlichen Vorläuferzellen in der Brust von BRCA–Mutationsträgerinnen, wie die Forscher weiter zeigen konnten. Das Team um Widschwendter vermutet daher, dass die Senkung des Progesteronspiegels sehr wahrscheinlich das Krebsrisiko senkt.

„Unsere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass eine individuelle epigenetische Risikoüberwachung unter Verwendung des WID-Breast 29 Index uns helfen könnte zu verstehen, ob einfache Strategien – wie die Einnahme von Mifepriston – das persönliche Krebsrisiko ausreichend verringern können oder ob chirurgische Maßnahmen angezeigt sind“, erklärt Martin Widschwendter.

Die Publikation „Antiprogestins reduce epigenetic feld cancerization in breast tissue of young healthy women“ ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazin „Genome Medicine“ erschienen.

Hauptkategorie: Medizin
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