Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Medikamenteneinnahme: So behält man den Überblick

Sonntag, 19. Dezember 2021 – Autor:
Mit dem Alter steigt die Zahl möglicher Erkrankungen – und damit die Zahl der Medikamente, die man täglich einnehmen muss. Jeder zweite über 70 konsumiert regelmäßig drei oder mehr Arzneimittel. Da kommt man schnell durcheinander. Und es besteht die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen. Tipps von Apothekern für eine sichere „Polymedikation“.
Medikationsplan, mehrere Medikamente in Blisterverpackung.

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland nimmt jeden Tag mehr als drei Medikamente ein – jeder Vierte über 70 sogar fünf oder mehr. – Foto: AdobeStock/Henrik Dolle

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland muss dauerhaft drei oder mehr Medikamente einnehmen – teils schon in jüngeren Jahren. Der Anteil der Personen, die eine Polymedikation benötigen, steigt mit dem Alter an. Eine Umfrage Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vom März 2021 ergab: Immerhin vier Prozent Unter-30-Jährigen brauchen schon dauerhaft mehrere Medikamente, bei den über 70-Jährigen waren es 55 Prozent. Jeder Vierte dieser Senioren nahm sogar fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig ein.

Hunderttausende Krankenhausfälle durch vermeidbare Medikationsfehler

„Polymedikation ist für viele Patienten unvermeidbar, birgt aber erhebliche Risiken“, heißt es in einer Patienteninformation der ABDA. „In Deutschland kommt es jedes Jahr zu mehreren hunderttausend Krankenhauseinweisungen wegen vermeidbarer Medikationsfehler und zu erheblichen Zusatzkosten für das Gesundheitssystem.“ Damit eine medikamentöse Behandlung erfolgreich und sicher ablaufen kann, kommt es neben einer korrekten Diagnose auf drei Dinge an: die richtige Einzeldosierung, dass Medikamente zueinander passen – und dass der Patient das richtige Präparat in der richtigen Dosierung zur richtigen Zeit einnimmt.

 

Arzt hat nicht immer alle Wechselwirkungen im Blick

Diese Risiken können nach Auskunft der Apothekerverbände reduziert werden, indem die Gesamtmedikation des Patienten konsequent erfasst, pharmazeutisch analysiert und in einem konsentierten Medikationsplan überführt wird. Allerdings: „Viele Patienten denken, wenn der Arzt ihnen einen Medikationsplan mitgibt, hat er automatisch auch einen Check auf Wechselwirkungen gemacht", sagt Jelena Popovic, Fachapothekerin für geriatrische Pharmazie aus Stuttgart. Doch das sei nicht immer automatisch der Fall.

„Apothekerinnen und Apotheker sind oft die Einzigen, die einen guten Überblick über die Medikamente eines Stammkunden haben – und sie haben das nötige Know-how, etwaige Probleme zu erkennen", sagt Thomas Benkert, Präsident der Bundesapothekerkammer, im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber".

So kann man seine Dauermedikamente prüfen lassen

Wer seine Dauermedikamente pharmazeutisch checken lassen will, wendet sich an seine Stammapotheke. Zum ersten Termin bringt man alle Arzneien mit. Der Apotheker geht alles gemeinsam mit dem Kunden durch und gleicht es mit dem Medikationsplan des Arztes ab. Nachdem alles aufgenommen wurde, schaut sich der Apotheker alle Medikamente nochmals genau an: Gibt es bekannte Neben- und Wechselwirkungen? Passen die Dosierungen? Werden tatsächlich alle Medikamente benötigt? Bei Unklarheiten wird beim Arzt nachgefragt.

Manche Apotheken bieten auch Verblister-Service

Beim zweiten Termin geht der Apotheker mit dem Patienten die wichtigsten Dinge durch, die aufgefallen sind. Das Resultat ist eine aktuelle, übersichtliche Medikamentenliste, die der Patient anschließend mit seinem behandelnden Arzt besprechen kann. „Eine Box mit Unterteilungen für morgens, mittags, abends hilft, den Überblick bei der täglichen Medikamenteneinnahme zu behalten“, heißt es dazu im Senioren Ratgeber. „Wer Mühe mit dem Vorsortieren hat, sollte ein Familienmitglied darum bitten.“ Auch Apotheken übernehmen diese Aufgabe, manche bieten auch einen Verblister-Service an. Bei der Verblisterung portioniert und verpackt die Apotheke (oder ein von ihr beauftragter Dienstleister) die verordneten Medikamente eines Patienten nach Wochentagen und Tageszeiten sortiert in individuelle durchsichtige Verpackungen (Blister).

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Wechselwirkungen , Alter
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Arzneimittel richtig einnehmen“

Lebensmittel haben ein Haltbarkeitsdatum. Um festzustellen, ob sie auch danach noch konsumierbar sind, genügen ein Geschmacks- oder Geruchstest und Erfahrung im Haushalt. Doch wie ist das mit dem Verfallsdatum bei Arzneimitteln? Sind abgelaufene Medikamente womöglich gesundheitsschädlich?

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Bevor eine Multiple Sklerose diagnostiziert wird, haben Betroffene oft schon unerkannte Krankheitsschübe. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler aus München in einer neuen Studie gekommen. Damit stellt das Team die Theorie der sogenannte Prodromalphase in Frage.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin