. Meta-Analyse

Medikamente gegen Husten praktisch ohne Nutzen

Vier Milliarden Dollar werden weltweit jährlich für Hustenmittel ausgegeben. Forscher haben sich nun die Wirksamkeit dieser Medikamente näher angeschaut. Ein eindeutiger Nutzen konnte nicht festgestellt werden.
Hustenmedikamente, Nutzen

Hustenmedikamente können allenfalls die Symptome etwas lindern. Zur Heilung tragen sie nichts bei, wie eine neue Meta-Analyse zeigt

Husten ist lästig und beeinträchtigt das Wohlbefinden. Um das Übel schneller loszuwerden, greifen Betroffene gern zu Hustenmitteln. Schätzungen zufolge geben Verbraucher weltweit jedes Jahr vier Milliarden Dollar für in Hustensäfte, Lutschtabletten oder Pillen gegen Husten aus.

Den Nutzen dieser Blockbuster haben nun Forscher der Universität Basel überprüft – und kamen zu einem ernüchternden Ergebnis: Gängige Hustenmedikamente sind bei subakutem Husten praktisch nutzlos. Der Husten verschwindet genauso schnell mit oder ohne Medikamente, in der Regel nach drei bis acht Wochen.

„Sehen keine Vorteile in Hustenmedikamenten“

«Wir sehen aufgrund unserer Untersuchung derzeit keine Behandlung, die eindeutige Vorteile für die Patienten aufweist“, betont Studienleiter Lars G. Hemkens.

Das Team um Hemkens hatte für die Studie sechs randomisierte klinische Studien mit insgesamt 724 Patienten analysiert, die an relativ plötzlich auftretendem, länger anhaltendem Husten, aber keinem chronische Husten litten (subakut). Die Patienten waren mit sieben gängigen Wirkstoffen behandelt worden oder mit einem Scheinmedikament. Bei den Hustenmitteln handelte es sich um synthetisch hergestellte Medikamente oder pflanzliche Mittel, die in Industrieländern häufig verschrieben werden. Chinesische oder asiatische Kräutermedizin waren von der Untersuchung ausgeschlossen.

 

Husten heilt von allein

Zwar zeigten zwei der vier Studien gewisse Vorteile von Hustenmedikamenten gegenüber Placebo, aber unterm Strich machte das mit oder ohne keinen Unterschied: Bei allen Patienten verschwand der Husten, ob sie nun Hustenmedikamente eingenommen hatten oder nicht.

Keine der evaluierten Behandlungen habe einen deutlichen Nutzen bei der Heilung von subakutem Husten gezeigt, fasst Hemkens die Ergebnisse der Analyse zusammen. Der Epidemiologe räumt allerdings ein, dass einige Studien methodische Defizite gehabt hätten. Deswegen könnte die Verallgemeinerbarkeit eingeschränkt sein.

Nebenwirkungen gering

Trotzdem sei die Einnahme von Hustenmedikamenten zu hinterfragen, meint der Forscher. Schließlich sei auch über Nebenwirkungen Kopfschmerzen, Übelkeit oder Halsschmerzen berichtet worden. Statt einem schnellen Rezept sollten sich Ärzte lieber Zeit für die Patienten nehmen und das Krankheitsbild genau erklären. Dazu gehört auch die Information, dass Husten meist von alleine wieder verschwindet.

Die Studie Treatments for subacute cough in primary care: systematic review and meta-analyses of randomised clinical trials ist soeben im «British Journal of General Practice» erschienen.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Erkältung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Husten

| Wenn zur Erkältungszeit der Husten plagt, sind nützliche Empfehlungen gefragt. Experten der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (Degam) haben Studien ausgewertet und danach die S3-Behandlungs-Leitlinie für Husten aktualisiert. Sie gilt bis 2018.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
. Weitere Nachrichten
Kopflausbefall ist europaweit die häufigste Parasiten-Erkrankung im Kindesalter. Fälschlicherweise wird der Befall oft auf mangelnde Hygiene zurückgeführt. Betroffene schämen sich und schweigen. Dabei ist es wichtig, über das Tabuthema offen zu sprechen und die Parasiten so schnell es geht zu behandeln. Sonst können sie weitere Familienmitglieder, Mitschüler oder Freunde befallen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.