. Neurodegenerative Erkrankungen

Medikament zur Therapie der vergrößerten Prostata könnte bei Parkinson helfen

Ein Medikament, mit dem Miktionsstörungen bei der gutartig vergrößerten Prostata behandelt werden, könnte das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit verlangsamen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.
parkinson, tremor, neurodegenerative erkrankung

Forscher haben ein mögliches Medikament gegen den Nervenzellabbau bei Parkinson gefunden

Ein Medikament, mit dem Miktionsstörungen bei einer gutartig vergrößerten Prostata behandelt werden, könnte das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit verlangsamen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Forschern aus Iowa City und Peking.

"Aktuelle Medikamente können Symptome der Parkinson-Krankheit lindern. Es gibt jedoch keine Behandlung, die den Verlauf der neurodegenerativen Krankheit verändert. Zugleich wird die Parkinson-Krankheit mit zunehmendem Alter der Bevölkerung immer häufiger", sagt Studienautor Michael Welsh, Professor für Innere Medizin an der University of Iowa.

Zellschützene Eigenschaft von Terazosin

Co-Studienautor Dr. Lei Liu von der Capital Medical University in Peking hatte entdeckt, dass Terazosin, ein Medikament, das bei der Behandlung der gutartig vergrößerten Prostata eingesetzt wird, den Zelltod verhindert. Die zellschützende Aktivität beruht auf der Fähigkeit von Terazosin, ein Enzym namens PGK1 zu aktivieren, das für die Energieerzeugung in den Zellen von entscheidender Bedeutung ist.

Diese Entdeckung brachte die Parkinson-Krankheit ins Bild. Eine verringerte zelluläre Energieproduktion ist ein Kennzeichen der Parkinson-Krankheit. Darüber hinaus werden  vererbte Formen der Parkinson-Krankheit durch genetische Defekte in zellulären Energiebahnen verursacht, und Parkinson-verursachende Medikamente schädigen die Energieerzeugung in Neuronen.

 

Motorische Koordination im Tiermodell verbesserte sich

Das Medikament wurde in verschiedenen Tiermodellen getestet. Dabei haben sich sowohl die molekularen Veränderungen im Gehirn, die mit dem Zelltod einhergehen, als auch die motorische Koordination der Tiere verbessert, sagt Liu in einer Pressemitteilung.

Terazosin konnte die Neurodegeneration stoppen, wenn es vor dem Beginn des Zelltods gegeben wurde. Darüber hinaus konnte das Medikament die Neurodegeneration verlangsamen oder stoppen, wenn diese sich bereits zu entwickeln begann.

Medikament für vergrößerte Prostata könnten bei Parkinson helfen

Doch wirkt das Medikament auch beim Menschen? Um diese Frage zu klären, nutzten die Forscher die MarketScan-Datenbank von IBM Watson/Truven Health Analytics, die Aufzeichnungen von mehr als 250 Millionen Personen enthält. Hier wurden 2.880 Parkinson-Patienten identifiziert, die Terazosin und zwei verwandte Medikamente einnahmen und eine Vergleichsgruppe von 15.409 Parkinson-Patienten, die Tamsulosin gegen ihre Miktionsstörungen einnahmen.

Ergebnis: Terazosin und zwei verwandte Arzneimittel verringerten die Anzeichen, Symptome und Komplikationen der Parkinson-Krankheit. Das Medikament, das bei der Therapie der vergrößerten Prostata eingesetzt wird, könnte also bei Parkinson helfen. Nun ist eine Phase-1-Studie mit Patienten aus Iowa geplant. Die aktuelle Untersuchung erschien im Journal of Clinical Investigation.

Foto: astrid gast/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Parkinson
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Schenken macht Spaß – die meisten Menschen kennen das. Forscher konnten das sogar im MRT bestätigen und die hirnphysiologischen Grundlagen für den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühl zeigen.
Schwangerschaftsdiabetes verläuft oft ohne nennenswerte Symptome. Die Diagnose erfolgt daher meist viel zu spät. Experten fordern ein effektiveres Screening, um die Schwangerschaftskomplikation rechtzeitig aufzudecken.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.