. Alkoholsucht

Medikament soll Alkohol-Kranken helfen, weniger zu trinken

Viele Suchtexperten sind überzeugt, dass ein Alkoholkranker nur durch völlige Abstinenz von seiner Sucht loskommen kann. Nun steht ein Medikament kurz vor der Zulassung, dass helfen soll, den Alkoholkonsum wenigstens zu reduzieren.
Medikament soll Alkohol-Kranken helfen, weniger zu trinken

Kzenon/fotolia.com

Schätzungen zufolge schaffen es nur etwa fünf bis zehn Prozent der Alkoholkranken, dauerhaft trocken zu bleiben. Das Problem ist nicht nur, dass es vielen nicht gelingt, vom Alkohol loszukommen. Die meisten versuchen es gar nicht erst. Für viele Abhängige ist dabei besonders eine häufig vertretene Grundüberzeugung abschreckend: dass sie, um sich von ihrer Sucht zu befreien, nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühren dürfen. Daher verbreitet sich unter Ärzten und Therapeuten verstärkt die Meinung, dass auch ein verringerter Alkoholkonsum ein Erfolg sein kann. Dieses Konzept eines "kontrollierten Trinkens" ist allerdings durchaus umstritten. Für viele Abhängige ist es auch immer noch zutreffend, dass sie nur dauerhaft von ihrer Sucht loskommen können, wenn sie nie wieder einen Tropfen trinken. Vor allem für schwere Alkoholiker scheint dies zu gelten. Doch schon frühere Studien haben gezeigt, dass Alkoholkranke unter bestimmten Voraussetzungen kontrolliert trinken können, ohne dass weiterhin eine Abhängigkeit besteht.

Medikamente und Reduktion

Nun wurde in einer Studie gezeigt, dass unter der Vorgabe, den Alkoholkonsum zu reduzieren, etwa 22 Prozent der Betroffenen dieses Ziel erreichen und sogar zehn Prozent nach einem Jahr komplett abstinent sind. Der Gedanke, nicht völlig auf Alkohol verzichten zu müssen, kann also den Einstieg in die Therapie erleichtern, und viele Patienten entscheiden sich dann doch für die völlige Abstinenz. Diese Möglichkeit soll nun durch eine weitere Therapieoption unterstützt werden. Der Opiatrezeptor-Antagonist Nalmefene wurde bereits in den 1970er Jahren gegen verschiedene Suchterkrankungen entwickelt. Nun wurde in drei Studien des dänischen Herstellers H. Lundbeck geprüft, ob er auch für die Reduktion der Alkoholmenge eingesetzt werden kann. Es gelang, mit Hilfe des Medikaments und einem begleitenden Motivationsprogramm die Zahl der schweren Trinktage sowie den Gesamtalkoholkonsum signifikant zu reduzieren, und zwar stärker als mit einem Motivationsprogramm allein. Ein weiteres Medikament mit einem ähnlichen Wirkprinzip ist Naltrexon, das in Studien ebenfalls die Trinkmenge bei Alkoholkranken deutlich reduzieren konnte.

 

Alkoholsucht

Alkoholabhängigkeit zählt zu den häufigsten psychischen Störungen: In Deutschland sind zwischen zwei und vier Millionen Menschen betroffen. Weitere zehn Millionen Menschen konsumieren Alkohol in riskantem Ausmass. Männer sind häufiger betroffen als Frauen und besonders im Alter zwischen 20 und 44 Jahren gefährdet. Übermässiger Alkoholkonsum kann schwere körperliche und psychische Schäden hervorrufen. Nicht selten verläuft die Krankheit tödlich, wobei die Todesursachen meist durch Folgekrankheiten (Leberzirrhose, multiple Organschäden, Herzinfarkt) bedingt sind. Pro Jahr sterben in Deutschland mehr als 70.000 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen des Alkoholmissbrauchs.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alkohol , Alkoholsucht , Sucht , Arzneimittel , Psychische Krankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alkohol

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bluthochdruck ist ein gesundheitliches Risiko. Aktuell steigt auch das Risiko für einen schweren COVID-19 Verlauf. Doch muss bei älteren Menschen, der Blutdruck tatsächlich unter 140/90 mmHg gesenkt werden? Eine Studie der Charité zeigt: Die leitliniengerechte Behandlung schadet über 80-jährigen sogar mehr als sie nützt.
34 Millionen Mal im Jahr erhalten Patienten in Deutschland Antibiotika. In der Hälfte der Fälle – und viel zu oft bei leichteren – verschreiben Ärzte sogenannte Reserve-Antibiotika. Das zeigt eine Analyse des AOK-nahen WIdO-Instituts. Dabei sollen diese Medikamente nur zum Einsatz kommen, wenn alle anderen nicht mehr helfen. Diese Verordnungspraxis verstärke noch das Problem der „Resistenzen“.
Für Sport ist es nie zu spät. Langzeitstudien zeigen: 70-Jährige, die körperlich aktiv sind, gewinnen im Vergleich zu Bewegungsmuffeln im Schnitt vier Jahre hinzu. Selbst wer mit 70 oder 80 erst anfängt, profitiert von der medizinischen Wirkung körperlicher Aktivität.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.