. Magenmittel MCP: Bislang kein Ersatz verfügbar

MCP-Tropfen vom Markt genommen

Am Donnerstag wurden MCP-Tropfen aus den Regalen deutscher Apotheken genommen. Das Magenmittel mit dem Wirkstoff Metoclopramid wurde jährlich 5,7 Millionen Mal auf Kassenrezept verordnet. Für Kassenpatienten gibt es jedoch derzeit keine wirkliche Alternative.
MCP, Magenmittel, Medikament, Magentropfen

MCP-Tropfen wurden in der gängigen Dosierung wegen neurologischer Nebenwirkungen vom Markt genommen

Die Arzneimittelbehörde BfArM hat die Zulassung für die Magentropfen MCP in der bislang üblichen Dosierung widerrufen. Grund war eine Entscheidung der europäischen Arzneimittelagentur EMA. Die Behörde war wegen der seit Jahren bekannten neurologischen Nebenwirkungen zu dem Ergebnis gekommen, dass bei hoher Dosis und langer Behandlungsdauer die Risiken den Nutzen überwiegen. Deshalb müssen seit Donnerstag alle Tropfen mit mehr als 1 mg/ml Wirkstoff vom Markt verschwinden. Der Wirkstoff Metoclopramid vermindert Übelkeit und Brechreiz und wurde jedes Jahr rund 5,7 Millionen Mal von Ärzten auf Kassenrezept verordnet.

Ersatzpräparte für MCP-Tropfen

Bis es Ersatzpräparate mit geringerer Wirkstoffmenge gibt, werden Ärzte und hunderttausende Patienten auf andere Medikamente ausweichen müssen. Doch für Kassenpatienten gibt es derzeit aber keine wirkliche Alternative. Andere Wirkstoffe seien nur bei bestimmten Anwendungsgebieten zugelassen; die pflanzliche Alternative werde von den Kassen nicht erstattet, schreibt der Nachrichtendienst Apotheke Adhoc in einer aktuellen Mitteilung. Außerdem könne es noch Monate dauern, bis Hersteller von MCP Ersatzprodukte anbieten können. Apotheke Adhoc zufolge seien erste Schritte aber bereits eingeleitet worden. So habe etwa der Arzneimittelhersteller Stada für eine Neuzulassung von MCP in neuer Konzentration bereits einen Antrag gestellt.

 

Rückruf der Tropfen überzogen

Nicht zuletzt wegen fehlender Ersatzpräparate sehen die meisten Apotheker den Rückruf kritisch: Bei einer Blitzumfrage von Apotheke Adhoc gaben 70 Prozent der Apothker an, der Widerruf der Zulassung sei überzogen, der Nutzen überwiege. Weitere 21 Prozent finden den Rückruf schlecht, weil er aus ihrer Sicht zu Engpässen in der Versorgung führen wird. Weniger kritisch äußerte sich die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Vorstandsmitglied Professor Dr. Bernd Mühlbauer führt den Rückruf vor allem auf eine allzu leichtfertige Verordnungspraxis der Ärzte zurück. "Die Zulassungseinschränkung wäre nicht nötig gewesen, wenn die Ärzte mit MCP stringenter umgegangen wären“, sagte Mühlbauer dem Nachrichtendienst Apotheke Adhoc.

MCP wurde von Ärzten millionenfach gegen Übelkeit und Brechreiz etwa bei Migräne, Leber- und Nierenerkrankungen, Schädel- und Hirnverletzungen und Arzneimittelunverträglichkeiten verschrieben. In Millionen Haushalten dürften sich daher noch jede Menge Fläschchen à 1 mg/ml mit den beliebten Magentropfen befinden.

© monropic - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Magen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Bei Patienten mit Schlaganfällen unbekannter Ursache und ungeklärtem Auftreten plötzlicher Bewusstlosigkeit (Synkopen) können ein mobiles EKG-Monitoring und telemedizinische Kontrolle schnell und effizient Herzrhythmusstörungen entdecken. Dadurch wird ein schnelles Eingreifen ermöglicht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.