. Europäische Impfwoche 2017

Masernimpfung: Deutschland verfehlt WHO-Ziel

Erneut registriert das Robert-Koch-Institut mehr Masernerkrankungen in Deutschland als im vorigen Jahr. Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO gesteckte Ziel, Masern einzudämmen, ist hierzulande nicht erreicht.
Impfung gegen Masern: Auch bei Reisen wichtig

Kleiner Piers, großer Nutzen: Impfung kann Masernerkrankungen verhindern.

„Angesichts des modernen Reiseverkehrs macht das Masernvirus vor keiner Grenze halt und kann jede Person erreichen. Die Ausbrüche werden aus der Region und der Welt nicht verschwinden, bevor jedes Land Durchimpfungsraten erreicht, welche die Bevölkerung wirklich schützen“, mahnte die WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab. Sie rief alle Länder, in denen Masern endemisch sind, dringend dazu auf, die Übertragung innerhalb ihrer Landesgrenzen zu stoppen. „Nach den guten Fortschritten in Richtung Eliminierung in den vergangenen zwei Jahren, ist das Ansteigen der Zahlen in Europa besonders besorgniserregend,“ so die WHO-Regionaldirektorin.

Masern nehmen in Europa wieder zu

Auch in diesem Jahr zählt Deutschland wieder zu den 14 Ländern in Europa, die den nötigen Impfschutz in der Bevölkerung einer langfristigen Vereinbarung zum Trotz  nicht umgesetzt haben. Von den 559 Masernfällen, die die WHO in Europa für Januar 2017 zählte, kamen 474 in sieben von diesen 14 Ländern vor (Deutschland, Frankreich, Polen, Rumänien, Schweiz und Ukraine). Die größten Masernausbrüche finden laut WHO derzeit in Rumänien und Italien statt.

Das Masernvirus ist hoch ansteckend und kann schwere Erkrankungen verursachen. Anlässlich der Europäischen Impfwoche vom 24. bis 30. April 2017 ruft auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dazu auf, die Masernimpfung vornehmen zu lassen und die erforderliche zweite Impfung nicht zu vergessen. „Die aktuellen Zahlen und die Masernausbrüche zeigen, dass wir immer noch zu große Impflücken haben“, so Gröhe. Er forderte: „Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung der Ärzteschaft, Schulen, Kitas, der Betriebe und natürlich auch der Familien, damit Masern in Deutschland der Vergangenheit angehören.“

Nach Beobachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) erfolgt die Masernimpfung häufig zu spät. Nur 73,7 Prozent des Geburtsjahrgangs 2013 waren demnach am Ende ihres zweiten Lebensjahres zweimal gegen Masern geimpft, wie es die Ständige Impfkommission empfiehlt. „Damit ist jedes Jahr bei rund 180.000 Zweijährigen in Deutschland ein ausreichender Schutz gegen Masern ungewiss, oder sie sind gar nicht geimpft, das ist ein unhaltbarer Zustand“, so RKI-Präsident Lothar H. Wieler.

 

Mehr Masernerkrankungen 2017 in Deutschland

Die Impfquoten für Masern, Mumps und Röteln sind unverändert. Im Bundesschnitt hatten im Jahr 2015 nur 92,8 Prozent der Schulanfänger die maßgebliche zweite Masern-Impfung erhalten, genauso viele wie 2014. Nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird die nötige 95%-Quote erreicht. Die Impflücken tragen zu Masernausbrüchen bei. Im laufenden Jahr wurden mit 410 Fällen bereits deutlich mehr Masern-Erkrankungen in Deutschland registriert als 2016 (325 Fälle).

Die Europäische Impfwoche (EIW) wird jeden April in ganz Europa begangen, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Impfungen für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen zu stärken.

Foto: Konstantin Yuganov – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
 

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