. Masernausbruch

Masern in Berlin breiten sich weiter aus

Bis zu 30 neue Masernfälle täglich – in Berlin ist kein Ende des Masernausbruchs abzusehen. Bislang haben sich schon rund 650 Menschen in der Hauptstadt angesteckt.
Masern in Berlin breiten sich weiter aus

Die Masern grassieren in Berlin. Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Impfpflicht

Die in Berlin grassierende Masernwelle ist die schlimmste seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Seit Oktober wurden offiziell 637 Masernfälle gemeldet. Allein von Mittwoch auf Donnerstag hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales 28 neue Masernfälle in Berlin registriert. Bei rund einem Viertel der Patienten verlief die Infektion so schwer, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Am häufigsten sind Kinder und Jugendliche betroffen. Ein anderthalbjähriges Kleinkind war am 18. Februar an seiner Maserninfektion gestorben.

Nachfrage nach Masern-Impfstoff steigt

Unterdessen hat sich die Nachfrage nach dem Masernimpfstoff in einigen Regionen Deutschlands, darunter Berlin, verfünffacht, wie ein Sprecher des Pharmagroßhändlers Sanacorp mitteilte.

In Anbetracht der aktuellen Masernwelle wird der Ruf nach einer Impfpflicht lauter. Dreiviertel der Deutschen befürworten eine Impfpflicht, wie es sie in den 1970er Jahren gegen Pocken gab. Das hat eine am Donnerstag veröffentliche Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben. Im Osten Deutschlands, wo es zu DDR-Zeiten gegen viele Krankheiten eine Impfpflicht gab, ist die Zustimmung sogar noch größer: Hier sind 86 Prozent dafür, und nur jeder 12 Prozent dagegen. Im Westen ist die Ablehnung mit 24 Prozent doppelt so groß.

 

Impfpflicht: Mehrheit ist dafür, Ablehnung bei Anhängern der Grünen am größten

Verhältnismäßig groß ist die Ablehnung einer Impfpflicht bei Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen. Obwohl die Grünen-Wähler noch häufiger an die Wirksamkeit von Impfungen glauben als die Gesamtbevölkerung - 91 Prozent gegenüber 81 Prozent -  sprechen sich mit 32 Prozent deutlich mehr dagegen aus, dass Eltern dazu gezwungen werden sollten.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) setzen auf bessere Aufklärung und Beratung. Eine Impfpflicht kommt für sie nur als letztes Mittel der Wahl in Betracht.

Unter den Befürworten einer Impfpflicht ist hingegen der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery. Er hält den von der Bundesregierung geplanten Nachweis einer ärztlichen Impfberatung vor Aufnahme eines Kindes in eine Kita hält Montgomery für nicht ausreichend. „Wir haben eine wirklich epochale Chance, die Masern ein für alle Mal auszurotten. Das geht nur, wenn in der Bevölkerung ein ganz umfassender Impfschutz vorhanden ist“, sagte er im Deutschlandfunk am letzten Montag. Auch Erwachsene mit unvollständigem Impfschutz sollten eine fehlende Immunisierung möglichst bald nachholen.

Masern sind ansteckender als Influenza. Unter 1000 Fällen verlaufen ein bis zwei tödlich. 

Foto: © sharryfoto - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Masern , Impfen

Weitere Nachrichten zum Thema Masern

| Die Diskussion um eine Impfpflicht gegen Masern geht weiter. Prof. Lothar H. Wiehler, Chef der Robert Koch-Instituts, hält verpflichtende Impfungen für kontraproduktiv. Das schreibt er in der Ärztezeitung.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.