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12.01.2017

Mangelnde Hygiene - Kliniken weisen Vorwürfe zurück

Viele deutsche Kliniken sollen die Hygienevorschriften nicht erfüllen. Das hat das ARD-Magazin „Plusminus“ nach Recherchen berichtet. Doch es gibt Zweifel an den Auswertungskriterien. Nun wehren sich die Krankenhäuser gegen die Vorwürfe.
Vorwürfe an deutsche Kliniken

Halten deutsche Kliniken die Hygienevorschriften nicht ein?

Mehr als jedes vierte Krankenhaus in Deutschland erfüllt die Hygienevorschriften nicht. Das behaupten jedenfalls das ARD-Magazin „Plusminus" und das Recherchenetzwerk Correctiv. Schlusslicht bei der Hygiene ist demnach Bremen, wo 43 Prozent der Kliniken die Vorgaben der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) am Robert-Koch-Institut nicht erfüllen, gefolgt von Thüringen mit 42 Prozent. Die besten Ergebnisse liefert Hamburg, wo nur zehn Prozent die Hygienevorschriften nicht einhalten. In Berlin sollen 37 Prozent der Kliniken die Vorgaben verfehlen.

Basis der Auswertung sind die jährlichen Krankenhausqualitätsberichte und Daten des BKK Landesverbands Nordwest. Dirk Janssen, Vizechef des BKK-Landesverbands Nordwest, hält die Ergebnisse für alarmierend. Wenn sich nichts ändere, "kostet das jedes Jahr Tausenden Patienten das Leben“, so Janssen.

Experten kritisieren die Datenbasis

Ob die veröffentlichten Zahlen jedoch wirklich zutreffen, wird bezweifelt. So kritisiert Thomas Reumann, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, insbesondere die veraltete Datenbasis. Die Zahlen stammen seinen Angaben zufolge noch aus einer Zeit, als das gesetzliche Hygieneförderprogramm gerade anlief. Die Personalausstattung in den Kliniken hätte sich seitdem „deutlich verbessert“.

Auch das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Peter Walger, kritisiert die Ergebnisse der Untersuchung. In der Studie wurden beispielsweise Häuser ab 400 Betten, bei denen kein Krankenhaushygieniker angegeben war, abgewertet. Doch dies seien „veraltete Standards“, so Walger. Er verweist auf die aktuelle Krinko-Empfehlung vom August 2016, nach der die Zahl 400 lediglich eine Richtgröße sei. So werde bei einer Klinik mit einer hohen Risikostufe laut der neueren Empfehlung bei 1000 Betten ein Krankenhaushygieniker vorgesehen.

 

Viele Krankenhausinfektionen wären vermeidbar

Dennoch fordert auch Walger, Druck auf die Klinken auszuüben: „Wir brauchen ein stärkeres Engagement der Krankenhäuser, das Personal in die Weiterbildung zu schicken.“ Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland heute höchstens 300 Hygiene-Ärzte, aber mehr als 350 Krankenhäuser, die mindestens einen Hygieniker haben müssten. Experten gehen von einer halben bis zu einer Million Krankenhausinfektionen im Jahr aus, ungefähr 15.000 bis 30.000 davon mit tödlichem Ausgang. Etwa ein Drittel dieser Fälle sollen mit den heutigen Mitteln der Medizin vermeidbar sein.

Foto: © spotmatikphoto - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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