. Mangelernährung

Mangelernährung als medizinisches Problem ernstnehmen

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung mit bestimmten Erkrankungen oder in besonderen Lebenssituationen leidet unter Mangelernährung. Das verschlechtert ihre Heilungschancen. Die Ernährungstherapie als Bestandteil der medizinischen Behandlung zu etablieren, forderten jetzt Experten auf der Länderkonferenz der European Nutrition Health Alliance (ENHA) in Berlin.
Mangelernährung verschlechtert bei älteren Patienten die Heilungschancen

Ältere Patienten leiden oft auch unter Mangelernährung

Allein in Deutschland gibt es etwa 1,5 Millionen mangelernährte Patienten. Die damit verbundenen Kosten für das Gesundheitssystem betragen jährlich rund neun Milliarden Euro, heißt es in einer Pressemitteilung der ENHA. Betroffen sind inbesondere ältere Menschen und Krebs-Patienten. Ihnen mangelt es an wichtigen Nährstoffen, das kann bei Unter- aber auch bei Übergewicht der Fall sein.

Geriatrische Chefärzte gehen davon aus, dass 50 Prozent ihrer Patienten schon unterversorgt zu ihnen kommen, berichtet Erhard Hackler, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga (DSL). Die Mangelernährung führe zu längeren Klinikaufenthalten und einer höheren Sterblichkeit.

Potentiell positive Effekte systematischer Ernährungstherapien würden bislang kaum genutzt. Die Ernährungs-Situation müsse als Teil der Anamnese zwingend eingeführt werden, so Hackler.

Mangelernährung erkennen und Risiko-Patienten besser versorgen

„Um Risikopatienten rechtzeitig zu erkennen und bestmöglichst zu versorgen, sind Strukturen erforderlich, die eine flächendeckende Früherkennung und eine bedarfsgerechte Ernährungstherapie ermöglichen“, sagt auch Prof. Johann Ockenga, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) und Projektleiter der deutschen Initiative Optimal Nutrition Care for All (ONCA).

Im Anschluss sei ein gutes Schnittstellen- und Entlassungsmanagement in Krankenhäusern sowie die Fortsetzung der Ernährungstherapie im ambulanten Bereich enorm wichtig, so Ockenga.

 

Mangelernährung für Krebspatienten lebensbedrohlich

Ein Viertel aller Krebs-Patienten versterben an den Folgen einer Mangelernährung und nicht aufgrund ihrer Krebs-Erkrankung, mahnt Dr. Jutta Hübner von der Arbeitsgesellschaft Prävention und Integrative Onkologie (Prio) in der Deutschen Krebsgesellschaft. Die adäquate Ernährung von Menschen mit Krebs stelle eine wichtige therapeutische Maßnahme dar. Sie sichert Therapieerfolge, Lebensqualität und Teilhabe am Leben – und solle daher in die Behandlungs-Leitlinien aufgenommen und Bestandteil der Regelversorgung der Kassen werden.

Sich ernähren zu können, ist eine wesentliche Grundlagen des menschlichen Lebens, führt Hübner aus. Bei der Ernährung geht es um Aufbau und Erhalt körperlicher, geistiger und seelischer Funktionen. Patienten mit Krebs erleben vielfältige Bedrohungen ihrer Ernährung und damit ihrer Existenz. Diese sind teils durch die Tumorerkrankung, teils durch die Therapie bedingt. Hinzu kommt oft eine tiefe Verunsicherung, was eine gute und richtige Ernährung ist.

Foto: Syda Productions

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