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19.11.2018

Mandel-OP bei sieben von acht Kindern ohne Nutzen

Bei sieben von acht Kindern, denen mit einer OP die Mandeln entfernt wurden, bringt der Eingriff keinen gesundheitlichen Nutzen. Das ist zumindest das Ergebnis einer britischen Studie.
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Nur wenige Kinder, die eine Mandel-OP erhalten, profitieren von dem Eingriff

Die Mandel-OP ist eine der häufigsten chirurgischen Eingriffe im Kindesalter. Doch bei sieben von acht Kindern, denen mit einer Operation die Gaumenmandeln entfernt wurden (Tonsillektomie), bringt der Eingriff keinen gesundheitlichen Nutzen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung der Universität Birmingham.

Die Forscher analysierten dafür die Krankenakten von über 1,6 Millionen Kindern im Alter von 0 bis 15 Jahren, die zwischen 2005 und 2016 bei 739 britischen Allgemeinärzten behandelt wurden. Die britischen Leitlinien sehen bestimmte Kriterien für eine Mandelentfernung vor: Danach müssen Kinder mehr als sieben Mal im Jahr unter einern Mandelentzündung leiden, mehr als fünf Mal pro Jahr in zwei aufeinanderfolgenden Jahren oder drei Mal in drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Nur 11,7 Prozent erfüllten Kriterien für Mandelentfernung

Die Forscher stellten fest, dass von 18.281 Kindern, deren Mandeln im Studienzeitraum entfernt wurden, nur 11,7 Prozent die Kriterien erfüllten, die eine Operation rechtfertigten. Von denjenigen, die sich einer Tonsillektomie unterzogen, litten 12,4 Prozent fünf bis sechs Mal in einem Jahr an Halsschmerzen, 44,6 Prozent litten in einem Jahr zwei bis vier Mal an Halsschmerzen.

"Studien zeigen, dass Kinder mit häufigen Halsschmerz-Episoden im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre weniger Halsschmerzen haben. Kinder mit weniger Halsschmerzen profitieren also nicht genug von der OP, da die Beschwerden ohnehin verschwinden", sagt Studien-Autor Prof. Tom Marshall.

 

Mandel-OP bei sieben von acht Kindern ohne Nutzen

Bei Kindern mit häufigen, schweren Halsschmerzen bringt die OP eine gewisse Verbesserung. Doch viele Kinder, die von der Entfernung ihrer Mandeln wirklich profitieren könnten, wurden nicht operiert: nur 14 Prozent wurden einer Tonsillektomie unterzogen. Dieses Muster änderte sich dabei wenig über den Zeitraum von 12 Jahren.

Die Forscher errechneten aus den Daten, dass an 32.500 britischen Kindern im Jahr unnötige Tonsillektomien durchgeführt werden - die Mandel-OP ist bei sieben von acht Kindern ohne Nutzen. Den betroffenen Kindern könne mit der Operation mehr Schaden zugefügt werden, als ihnen geholfen werde. Ein chirurgischer Eingriff birgt die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen. Auch langfristig könnte die OP schaden.

Wann die deutsche Leitlinie die OP bei Kindern empfiehlt

Dass von den stark betroffenen Kindern nur eine Minderheit eine OP erhielt, stellt nach Einschätzung der Forscher den Sinn der OP grundsätzlich in Frage. Die Untersuchung wurde im Fachmagazin British Journal of General Practic veröffentlicht.

Die von Kinder- und HNO-Ärzten erarbeitete deutsche Leitlinie sieht bei drei bis fünf Halsschmerz-Episoden im Jahr  die Mandelentfernung als mögliche Option - wenn sich innerhalb der nächsten sechs Monate weitere Episoden ereignen sollten. Erst ab sechs Mandelentzündungen im vorangegangenen Jahr scheint die vollständige Mandelentfernung vorteilhaft zu sein.

Foto: tobias arhelger/fotolia.com

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