. Evaluationsbericht der Kooperationsgemeinschaft Mammographie

Mammographie-Sreening spürt immer kleinere Tumore auf

Brustkrebs wird heute immer häufiger in einem frühen oder günstigen Stadium entdeckt. Das geht aus dem aktuellen Evaluationsbericht der Kooperationsgemeinschaft Mammographie hervor. Inwieweit das Screening zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit beiträgt, dazu fehlen noch die Langzeitdaten.
Mammographie-Sreening spürt immer kleinere Tumore auf

Mammographie-Screening: Bei der Teilnahmerate von 56 Prozent ist noch Luft nach oben

Das Mammographie-Screening ist nach wie vor nicht unumstritten. Kritiker führen als Gegenargumente gerne falsch-positiven Befunde, Verunsicherung der Frauen sowie Überdiagnosen und Übertherapien an. Diese Bedenken kann zwar auch der jetzt vorgelegte Evaluationsbericht letztlich nicht aus der Welt räumen. Doch die Daten aus dem Jahr 2011 zeigen einen positiven Trend.

 

 

Mammographie: Zahlen aus dem Evaluationsbericht

  • Bei rund 17.000 Frauen wurde innerhalb eines Jahres im Mammographie-Screening-Programm Brustkrebs entdeckt.
  • Rund 12.000 der aufgespürten Karzinome waren kleiner als 2 Zentimeter und hatten die Lymphknoten noch nicht befallen. Dadurch haben Frauen große Chancen, ihren Brustkrebs zu überleben.
  • Auch die invasiven Karzinome, das sind bösartige Gewebeänderungen, die in das umgebende Gewebe hineinwachsen, wurden in einem prognostisch günstigeren Stadium entdeckt.
  • So fanden Ärzte nur rund 23 Prozent der invasiven Karzinome, größer als zwei Zentimeter oder mit Lymphknotenbefall, vor.
  • Vor Screening-Beginn im Jahr 2005 waren es noch rund 55 Prozent.

Sechs von 1.000 untersuchten Frauen haben Brustkrebs

„Der Anteil kleiner und lymphknotenfreier Karzinome ist hoch. Wir gehen davon aus, dass sich entsprechend die Anzahl der fortgeschrittenen Tumore reduzieren wird“, betont Dr. Vanessa Kääb-Sanyal, kommissarische Geschäftsstellenleiterin der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. „Unsere Daten zeigen auch, wie effektiv das Mammographie-Screening-Programm in Deutschland arbeitet. Auf der einen Seite finden wir bei durchschnittlich sechs von 1.000 untersuchten Frauen Brustkrebs mehrheitlich in einem prognostisch günstigen Stadium, auf der anderen Seite können wir die Belastung für gesunde Frauen möglichst gering halten.“

Die Zahl der Überdiagnosen“ beziehungsweise „Übertherapien“ sei schwer einschätzbar, meint Kääb-Sanyal, und liege wahrscheinlich unter 50 Prozent. Von einer Übertherapie spricht man, wenn Karzinome oder Brustkrebsvorstufen behandelt werden, die aber bis zum Todeszeitpunkt der Frau mutmaßlich keine lebensbedrohliche Entwicklung genommen hätten. „Für eine einzelne Frau kann medizinisch aber nicht vorhergesagt werden, wie sich das Karzinom entwickeln wird“, so Kääb-Sanyal.

Jede zweite Frau geht zum Mammographie-Sreening

Laut Evaluationsbericht nahmen im Jahr 2011 rund 2,7 Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren am Mammographie-Screening teil, was einer Teilnahmerate von 56 Prozent entspricht. Das war zwar mehr als die 53,7 Prozent des Vorjahres,  lag aber deutlich unter dem in der europäischen Leitlinie empfohlenen Zielwert von 70 bis 75 Prozent.

„Wir haben viel erreicht, einiges liegt noch vor uns“, sagt Kääb-Sanyal. Auch für die Aussage, in welchem Maß die Brustkrebssterblichkeit durch das Mammographie-Screening in Deutschland gesenkt werden kann, müssten die Ergebnisse noch abgewartet werden. Erst nach zehn bis 15 Jahren Laufzeit zeigen sich solche Effekte eines Krebsfrüherkennungsprogramms.

Foto: © Tyler Olson - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Mammographie , Früherkennung , Krebsfrüherkennung

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

| Seit zweieinhalb Jahren bietet das discovering hands Zentrum in Berlin einen besonderen Service an: Blinde oder sehbehinderte Frauen, die dafür speziell ausgebildet wurden, tasten im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung die weibliche Brust auf Gewebeveränderungen ab. Ihre Erfolgsbilanz ist beeindruckend.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Wie kann man die Überlebenschancen bei Bauchfellkrebs verbessern? Die Expertin Professor Beate Rau, Leiterin des Peritonealkarzinosezentrums der Charité, berichtet über eine neue Kombinationstherapie gegen Bauchfellkrebs und wie Patienten davon profitieren können.
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.