. Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland

Mammographie-Screening übertrifft EU-Vorgaben

Daten aus dem Jahr 2013 zeigen: Das deutsche Mammographie-Screening-Programm erzielt bessere Ergebnisse als von den EU-Leitlinien vorgegeben. Unklar ist bislang, ob das Screening tatsächlich Leben rettet.
Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen

In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren die Möglichkeit, alle zwei Jahre zur Mammographie zu gehen. Die regelmäßige Röntgenuntersuchung soll dabei helfen, Brustkrebs schon im Frühstadium zu entdecken und dadurch die Überlebenschancen zu erhöhen. EU-weite Leitlinien geben eine Reihe von Richtwerten vor, die erfüllt sein müssen, damit das Screening seinen Zweck erfüllt. Auswertungen aus 2013 zeigen nun, dass das deutsche Programm die Vorgaben in vielen Bereichen übertrifft. So waren im Untersuchungszeitraum 59 Prozent aller entdeckten invasiven Karzinome kleiner als 15 Millimeter. Die EU-Leitlinien geben einen Referenzwert von 50 Prozent vor. Auch bei dem Befall der Lymphknoten lag das deutsche Brustkrebsfrüherkennungsprogramm mit 78 Prozent leicht über der Mindestvorgabe von 75 Prozent. Heißt unterm Strich: In Deutschland wurden mehr Brusttumore in einem frühen Stadium gefunden, als es die EU verlangt.

Mehr kleine, weniger große Karzinome

Umgekehrt wurden weniger Brustkrebsfälle mit ungünstiger Prognose aufgedeckt. 21 Prozent aller Karzinome befanden sich in UICC-Stadium II und höher, während die Leitlinie maximal 25 Prozent vorgibt. Vor Einführung des Programms zur Brustkrebsfrüherkennung lag der Anteil bei 56 Prozent. Befürworter des Screenings sehen darin ein wichtiges Argument für den Nutzen des Screenings. Doch Daten, ob das Programm tatsächlich Leben retten kann, stehen noch aus. Denn noch ist das Früherkennungsprogramm nicht lange genug flächendeckend eingeführt, um eine abschließende Aussage treffen zu können. Derzeit sterben in Deutschland jedes Jahr rund 17.500 Frauen an Brustkrebs.

Wenn Röntgenbild und Biopsie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen

Im Jahr 2013 nahmen insgesamt 2,9 Millionen Frauen am Mammographie-Screening teil. Das entspricht einer Teilnahmequote von 59 Prozent. Davon wurden 130.000 zur Abklärung von Auffälligkeiten eingeladen. Bei rund 35.000 dieser Frauen war eine zusätzliche Biopsie erforderlich. Etwa die Hälfte dieser Frauen erhielt die Diagnose Brustkrebs – das entspricht im Bundesdurchschnitt 6 von 1.000 untersuchten Frauen. In 440 Fällen musste die Biopsie wiederholt werden, da die Ergebnisse der Röntgenuntersuchung nicht mit dem unauffälligen pathologischen Ergebnis übereinstimmten. Diese Diskrepanz wird als unzureichende Biopsie bezeichnet. Das deutsche Screening lag mit einem Anteil von 1,3 Prozent hierbei jedoch deutlich unter dem empfohlenen Referenzwert der EU-Leitlinien von 10 Prozent.

Foto: © kamasigns - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Brustkrebs , Mammographie , Früherkennung

Weitere Nachrichten zum Thema Mammografie-Screening

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.