. Guinea

Malaria ist Verlierer der Ebola-Krise

Der Ebola-Ausbruch in West-Afrika gefährdet die Versorgung Malaria-Kranker. Experten gehen davon aus, dass allein in Guinea im vergangenen Jahr 74.000 Malaria-Erkrankungen nicht behandelt worden sind.
Guinea: Tausende Malaria-Infizierte wurden während des Ebola-Ausbruchs nicht behandelt

Guinea: Tausende Malaria-Infizierte wurden während des Ebola-Ausbruchs nicht behandelt

Der Ebola-Ausbruch hat in Guinea bislang 2.444 Menschen das Leben gekostet. Die gute Nachricht: Das Infektionsgeschehen geht seit Anfang des Jahres drastisch zurück. Nach offiziellen Angaben der WHO sind augenblicklich nur noch zehn Menschen in dem westafrikanischen Staat an Ebola erkrankt. Die schlechte Nachricht: Durch den Ebola-Ausbruch blieb die Behandlung einer viel weiter verbreiteten Krankheit auf der Strecke, und zwar Malaria. Das Team um Dr. Mateusz Plucinski vom Center for Disease Control and Prevention in Atlanta, geht davon aus, dass 2014 rund 74.000 Malaria-Erkrankungen nicht behandelt wurden, da die Kliniken entweder geschlossen waren oder die Patienten zu viel Angst hatten, sich Hilfe zu suchen. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "The Lancet Infectious Diseases" schreiben, dürfte in der Folge die Zahl der Todesopfer durch Malaria enorm angestiegen sein. „Die Zahl der an Malaria gestorbenen Menschen ist wahrscheinlich um ein vielfaches höher als die Zahl der Ebola-Opfer“, so Plucinski, der auch Präsident der Malaria Initiative ist. Es müsse jetzt dringend gehandelt werden, damit Malaria-Erkrankte wieder eine adäquate Behandlung erhielten.

Bis zu 70 % weniger Malaria-Behandlungen

Das Forscherteam aus Atlanta hatte analysiert, wie viele Patienten in Guinea vor und während des Ebola-Ausbruchs ab Anfang 2014 ein Krankenhaus aufgesucht haben. Untersucht wurden die Daten von 60 medizinischen Einrichtungen in den am stärksten betroffenen Regionen sowie die Daten von 60 Krankenhäusern, die nicht vom Ebola-Fieber betroffen waren. Auch Rezepte wurden überprüft. Demnach sank die Zahl der Patienten, die ein Krankenhaus aufsuchten, während des Ebola-Ausbruchs um bis zu 50 Prozent. Die Anzahl der behandelten Malaria-Erkrankungen sank um bis zu 69 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Umfang der nur sicherheitshalber durchgeführten Behandlungen von Patienten mit Fieber mit Medikamenten gegen Malaria oder blieb gleich.

Die Experten führen den Rückgang auf die Tatsache zurück, dass viele Kliniken aufgrund des Ebola-Geschehens schließen mussten. Aber auch Angst könnte eine Rolle gespielt haben, sich medizinisch untersuchen zu lassen. Beide Infektionskrankheiten äußeren sich durch Fieber.

Kampf gegen Malaria wieder aufnehmen

„Für die ohnehin durch Ebola belasteten Gesundheitssysteme stellen Malaria-Erkrankungen eine weitere Herausforderung dar“, sagte der Malaria-Experten der WHO Franco Pagnoni. Es sei wichtig, dass die Aktivitäten bei Ebola von entsprechenden Initiativen gegen Malaria begleitet werden. Die WHO hatte Ende 2014 empfohlen Malaria-Patienten in den vom Ebola-Fieber schwer betroffen Gebieten auch ohne akute Symptome zu behandeln. Laut Pagnoni waren Liberia und Sierra Leone dieser Empfehlung gefolgt, Guinea jedoch nicht.

Foto: © claffra - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Malaria

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Verletzungen von Nerven im Zentralen Nervensystem (ZNS) führen oft zu irreparablen Schäden, weil sich Nervenzellen hier nur schwer regenieren können. Nun haben Forscher untersucht, mit welchen Wirkstoffen die Regenerationfähigkeit der Nervenzellen im ZNS angeregt werden kann.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.