. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS)

Magen-Darm-Spezialisten: Verdauungskrankheiten sind vergessene Volkskrankheiten

Mehr Aufmerksamkeit für Patienten mit Erkrankungen der Verdauungsorgane für der die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). In einem Weißbuch macht sie nun die Dimensionen der Verdauungskrankheiten deutlich.
Gastroenterologische Erkrankungen kosten Milliarden

Gastroenterologische Erkrankungen sind weit verbreitet.

Nach den Herz-Kreislaufstörungen sind die nicht bösartigen Erkrankungen der Verdauungsorgane laut DGVS die häufigsten Krankheiten der Deutschen. Die Zahlen erscheinen immens. Nach Angaben der DGVS werden jährlich rund zwei Millionen Menschen mit einer Erkrankung des Verdauungssystems im Krankenhaus behandelt. Ihre Behandlung erfordert mehr als elf Millionen Belegungstage. Das sind den Angaben zufolge fast doppelt so viele wie bei den Erkrankungen der Lunge oder der psychischen Leiden, zweieinhalb Mal so viele wie bei den neurologischen Krankheiten und dreimal so viele wie bei den Infektionskrankheiten.

Weitere Zahlen aus dem neuen Weißbuch, das das Center for Health Economics Research in Hannover (CHERH) für die Fachgesellschaft DGVS erstellt hat: Pro Jahr unterziehen sich sechs Millionen Deutsche unterziehen einer Endoskopie, unter anderem zur Darmkrebsvorsorge.

37.000 Todesfälle durch Magen-Darm-Erkrankungen pro Jahr

Mehr als 37 000 Menschen sterben den Angaben zufolge jedes Jahr in Deutschland an Krankheiten der Verdauungsorgane. Auch das sind laut DGVS deutlich mehr, als diejenigen die an Infektionskrankheiten, Diabetes, psychischen Störungen, Demenz oder den muskuloskelettalen und neurologischen Erkrankungen sterben. Die direkten Kosten der Behandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane beziffert das Weißbuch auf 34,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Mit Blick auf diese Zahlen kritisieren die Experten, dass die gastroenterologischen Erkrankungen dennoch nicht als Volkskrankheiten wahrgenommen und in Gesundheitspolitik und Wissenschaftsförderung entsprechend weit hinten rangieren würden.

Experten fordern: Gastroenterologische Erkrankungen wichtiger nehmen

„Bis heute ist beispielsweise eine Förderung durch koordinierte Projekte der Wissenschaftsförderung des Bundes, wie etwa die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung oder die Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, ausgeblieben – und das trotz der Relevanz der Erkrankungen im Hinblick auf Mortalität, Morbidität sowie Kosten und trotz des international sehr hohen Ansehens der deutschen gastroenterolgischen Forschung. Hier braucht es dringend ein Umdenken“, fordert DGVS-Präsident Frank Professor Lammert.

Der DGVS-Präsident verweist auf das breite Spektrum der Gastroenterologie. „Die Vielfalt der Krankheiten und Behandlungsmethoden machen unser Fachgebiet einerseits attraktiv für den Nachwuchs und die Forschung“, so Lammert. „Auf der anderen Seite gerät gerade auch aufgrund des breiten Spektrums seitens der Öffentlichkeit, der Gesundheitspolitik und der Wissenschaftsförderung leicht aus dem Blick, welche Relevanz die gastroenterologischen Erkrankungen insgesamt haben“, meint er. Das Weißbuch soll das nun ändern.

Foto: Nagel`s Blickwinkel – fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Magen , Darm , Darmkrebs , Darmspiegelung (Koloskopie) , Magenspiegelung (Gastroskopie) , Magenkrebs

Weitere Nachrichten zum Thema Magen-Darm-Erkrankungen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.