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Magen-Darm-Infektion: Was tun bei Noroviren

Zwischen Oktober und März haben Noroviren Hochsaison. Nach der Ansteckung kommt es nach 6 Stunden bis 2 Tagen zum Ausbruch der Erkrankung, meist starker Brechdurchfall. Nach Abklingen der Symptome können Betroffene noch über Wochen ansteckend sein - über ihren Stuhl.
Noroviren verursachen Magen-Darm-Erkrankungen

Noroviren führen zu Erbrechen und Durchfall

Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt 6 Stunden bis zu 2 Tagen. Die Symtome, starkes Erbrechen, heftiger Durchfall, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen, Mattigkeit, dauern im Schnitt 12 bis 48 Stunden an. Die Körpertemperatur kann leicht erhöht sein.

Übertragen wird das Virus durch Schmierinfektionen. Kleinste Spuren von Stuhlresten oder Erbrochenem bleiben an den Händen haften, werden auf Türgriffe, Handläufe oder Armaturen übertragen - und können von dort aus das Virus an andere Menschen weitergeben.

Noroviren: So lange bleiben Betroffene noch ansteckend

Wenn Erkrankte zu früh wieder in Kontakt mit anderen Menschen treten, besteht das Risiko, dass sich die Noroviren weiter ausbreiten. Betroffene sollten daher noch zwei Tage nach dem endgültigen Abklingen der Symptome zu Hause bleiben. Das rät die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

„Der Körper scheidet die Viren noch ein bis zwei Wochen aus“, erklärt Prof. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. In Einzelfällen lassen sich die Viren noch Wochen später im Stuhl nachweisen. Deswegen ist auch im Anschluss an die Erkrankung auf sorgfältige Hygiene zu achten. Der beste Schutz besteht in Händewaschen.

Magen-Darm-Infektion durch Noroviren: Zu Hause abwarten

In den meisten Fällen können Erkrankte zu Hause abwarten, bis Durchfall und Erbrechen vorbei sind. Da die Magen-Darm-Grippe dem Körper Wasser und Elektrolyte entzieht, sollten die Patienten viel trinken. Verdünnte Säfte, Brühe oder gezuckerter Tee können die Flüssigkeitsverluste ausgleichen.

„Kinder unter fünf und ältere Menschen über 70 Jahren erkranken häufiger und oft auch schwerer als andere Altersgruppen“, betont Stallmach. Der Flüssigkeitsmangel durch den starken Brechdurchfall kann besonders bei diesen Patienten zu Schwächegefühlen bis hin zu Schwindel führen.

Wann mit Brech-Durchfall zum Arzt?

Wenn Angehörige oder Pflegende feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen, heißt es weiter in einer Mitteilung der DGVS. Zuweilen müssen Betroffene eine Infusion bekommen, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Wichtig dabei: Klinik oder Praxis vorab über die Magen-Darm-Erkrankung informieren, damit sich die Viren nicht auch dort weiter ausbreiten.

2014 kam es laut Robert Koch-Institut in deutschen Kliniken zu 850 Norovirus-Ausbrüchen mit über 9.000 Infektionen. „Für schwerkranke Patienten in Kliniken kann eine Norovirus-Infektion lebensbedrohlich sein. Deshalb müssen Erkrankte soweit möglich isoliert werden. Das Wichtigste ist, sich möglichst von Erkrankten fern zu halten und separate Toiletten zu benutzen“, so Stallmach.

Noroviren sind hochansteckend und resistent gegen viele Putzmittel

Noroviren sind hochansteckend. Stallmach: „Pflegende und Angehörige sollten beim Waschen von Kleidungsstücken und Handtüchern oder beim Toilettenputzen unbedingt Einmalhandschuhe nutzen.“ Damit beim Ausziehen der Handschuhe keine Erreger an die Hände gelangen, wenden Profis folgende Technik an: Zunächst zieht die eine Hand den Handschuh der anderen ab und hält diesen locker in der Hand. Dann krempelt die freie Hand vom Arm her vorsichtig den zweiten Handschuh über den ersten. Anschließend wandern beide in den Müll.

Da Noroviren gegenüber vielen Desinfektionsmitteln unempfindlich sind, bleiben sie auch nach sorgfältigem Putzen meist noch im Umlauf. Sie überstehen Temperaturen von minus 20 bis plus 60 Grad Celsius und halten sich in Privathaushalt, Kitas, Senioreneinrichtungen und auf Kreuzfahrtschiffen äußerst hartnäckig.

Noroviren: Experten hoffen auf Impfstoff

„Wir hoffen sehr auf die Impfstoffe, die derzeit in der Entwicklung sind und die zum Teil bereits in klinischen Studien getestet werden“, sagt DGVS-Experte Stallmach. Die Krankheitslast und die wirtschaftlichen Kosten, die das Norovirus verursacht, seien enorm und könnten durch einen wirksamen Impfstoff drastisch gesenkt werden.

Noroviren können auch durch rohe Lebensmittel und Meeresfrüchte übertragen werden, also Salate, Obst, Krabben. Davor warnt infektionsschutz.de, eine Infoseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

Foto: Vadim Guzhva/fotolia.de

Autor: bab
Hauptkategorie: Pflege

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