. Tag der ungleichen Lebenserwartung

Männer leben kürzer – das müsste nicht sein

Würden Männer den gleichen Lebensstil pflegen wie Frauen, würden sie genauso alt werden, sagen Experten. In der Realität ist ihre Lebenserwartung aber fast fünf Jahre geringer. Die Biologie ist also nicht schuld.
Mann mit laufender Sanduhr in der Hand

Die Uhr rieselt: Männer sterben statistisch fast fünf Jahre früher als Frauen. Das "starke Geschlecht" - ein Mythos.

Wäre ein Menschenleben ein Kalenderjahr lang, würden Frauen erst in der Silvesternacht sterben – Männer dagegen schon am 10. Dezember. „An diesem Tag stirbt die Hälfte der Bevölkerung; Weihnachten wird ohne Männer gefeiert“: Mit dieser plakativen Rechnung weist die Stiftung Männergesundheit auf die markanten Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern bei der statistischen Lebenserwartung hin – und darauf, dass mehr für die Männergesundheit getan werden muss. Der 10. Dezember wurde deshalb zum „Tag der ungleichen Lebenserwartung“ erklärt. Einige wichtige Gründe dafür: Die Suizidrate bei Männern ist – durch alle Altersgruppen hindurch – dreimal höher als bei Frauen. Auch bei anderen wenig erfreulichen Rankings – bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck etwa – liegen Männer klar vorne. Selbst bei den Drogentoten.

Warum Männer früher sterben

  • 75 Prozent aller Verkehrstoten sind Männer
  • 73 Prozent aller Suizide werden von Männern begangen
  • 72 Prozent der Sterbefälle im Alter von 20 bis 29 Jahren sind Männer
  • 62 Prozent der Männer ab 18 sind übergewichtig
  • Dreimal höher ist die akute Herzinfarktrate bei Männern als bei Frauen
  • Fast doppelt so viele Männer wie Frauen sterben an Lungenkrebs

    (Quelle: Stiftung Männergesundheit)

Mädchen, die heute geboren werden, können damit rechnen, im Schnitt 83,06 Jahre alt zu werden. Bei Jungen sind es lediglich 78,18 Jahre – 4,88 Jahre weniger. „Rein biologisch lässt sich die kürzere durchschnittliche Lebenserwartung nicht erklären“, heißt es in einem Statement der Stiftung Männergesundheit zum diesjährigen Aktionstag. „Die Gründe müssen also im Leben der Betroffenen liegen."

 

Hauptproblem: ungesunder Lebensstil

Trotzdem wollen sich die um Männergesundheit Bemühten nicht mit einem „ihr seid selbst schuld" begnügen – auch wenn sie an mehr Eigenverantwortung appellieren. Manche Gründe sind hausgemacht, andere sind mit dem gesellschaftlichen Rollenbild und davon abgeleiteten Erwartungen verbunden. Als Hauptrisikofaktoren gelten diese: Männer achten viel weniger als Frauen auf einen gesunden Lebensstil; sie leben riskanter, beruflich wie privat; sie trinken mehr Alkohol. Und Sie betrachteten den Körper vielfach als eine Art Werkzeug, sagt etwa Theodor Klotz, Chefarzt für Urologie und Andrologie und Vorstand der Stiftung Männergesundheit. Wenn es schließlich Probleme mit diesem „Werkzeug“ gibt, gehen Männer auch noch später als Frauen zum Arzt. Männergesundheit ist dabei viel mehr als "Potenzstörungen und Sixpacks".

Auch wollen Männer die an sie gestellten Aufgaben gut erledigen und sich beweisen. Was Männer dabei viel schnell missachten: dass sie körperlich und psychisch ganz genauso verletzlich sind wie Frauen. „Männer gestehen sich das selbst oft nicht zu“, warnt die Stiftung Männergesundheit. „Und nicht nur das: Verletzlichkeit wird ihnen auch vom sozialen Umfeld wie von der Gesellschaft insgesamt weniger zugestanden.“

„Männer haben keine Probleme, sie lösen Probleme“

Nach der Einschätzung von Experten tendieren Männer dazu, innere Nöte eher für sich zu behalten und meinen, die Zähne zusammenzubeißen zu müssen. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wirke immer noch das traditionelle Rollenverständnis, nach dem Männer Schwächen nicht oder nicht so gut zeigen können oder sollten. Mit Hilfe rechnen sie nicht oder nehmen sie schwerer an. Ein Problem: Ein so vielfältiges und etabliertes Hilfsangebot, das dem für Frauen das Wasser reichen könnte, existiert für Männer nicht.

Wo Männer sich Hilfe holen können

Die Stiftung Männergesundheit bietet auf ihrer Website ein umfangreiches Angebot an Informationsbroschüren zu 26 Männerthemen an. Hier einige Beispiele aus der „Wissensreihe Männergesundheit“: Ernährung, Bewegung, Schlafstörungen, störender Harndrang, erektile Dysfunktion, Sexualität, Vater-Kind-Kur, Burnout, Work-Life-Balance, Blasenkrebs (Druckversion bestellbar, PDF als Sofort-Download verfügbar).
Website: www.stiftung-maennergesundheit.de

 Foto: Fotolia.com/Rainer Fuhrmann

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Hauptkategorie: Medizin
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