Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
15.11.2018

Macht Kohlensäure wirklich dick?

Sie hat keine Kalorien und trotzdem soll sie dick machen: Kohlensäure. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die bereits letztes Jahr durchgeführt wurde und nun wieder in die Schlagzeilen geraten ist. Doch stimmt das wirklich?
Kohlensäure

Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure: Ändert das tatsächlich etwas am Gewicht?

Viel Wasser zu trinken, soll beim Abnehmen helfen. Doch glaubt man einer Studie von Forschern der Universität Birzeit in Ramallah, gilt das nur für stilles Wasser ohne Kohlensäure – und das obwohl auch in Mineralwasser mit Kohlensäure keine einzige Kalorie steckt. Der Studie zufolge legten Ratten, die kohlensäurehaltige Getränke zu sich nahmen, mehr an Gewicht zu als ihre Artgenossen, die nichtsprudelnde Drinks tranken. Die Untersuchung wurde bereits im Jahr 2017 durchgeführt und ihre Ergebnisse sorgten damals schon für Aufsehen. Seitdem wird die Studie immer wieder angeführt, und auch jetzt ist sie wieder in die Schlagzeilen gelangt. Doch kann man sich auf die Ergebnisse tatsächlich verlassen?

Mehr Appetit durch Kohlensäure?

Zunächst zum Studiendesign: Die Forscherinnen Dureen Samandar Eweis und Fida Abed von der Birzeit Universität in Ramallah teilten unter der Leitung ihres Professors Johnny Stiban männliche, miteinander Ratten in vier Gruppen auf und stellten ihnen unterschiedliche Getränke zu Verfügung: Leitungswasser, einen zuckerhaltigen Softdrink, bei dem die Kohlensäure durch Schütteln entwichen war, einen normalen Softdrink und einen Diät-Softdrink mit Aspartam als Süßstoff und mit Kohlensäure. Alle Tiere konnten soviel essen, wie sie wollten. Nach einem Jahr hatten die Ratten, die Kohlensäure zu sich nahmen, signifikant mehr an Gewicht zugelegt als die Tiere, die keine Kohlensäure erhielten. Auch die Fettwerte der Leber waren in den Kohlensäuregruppen deutlich erhöht.

Die Wissenschaftler machten für das erhöhte Gewicht das Hormon Ghrelin verantwortlich. Es ist unter anderem für die Steuerung des Appetits zuständig, und bei den Ratten, die Getränke mit Kohlensäure zu sich genommen hatten, wurden erhöhte Werte des Hormons gefunden. Offensichtlich - so die Forscher - erhöht Kohlensäure im Magen die Ghrelinproduktion.

 

Problematisches Studiendesign

Das Problem der Studie: Keines der Tiere hatte reines Mineralwasser mit Kohlensäure erhalten, das heißt es gab keinen direkten Vergleich zwischen der Wirkung von reinem Wasser mit und ohne Kohlensäure. Wodurch die Gewichtssteigerung letztlich bedingt war, kann dadurch nicht eindeutig gesagt werden. Auch gibt es heute Theorien, die besagen, dass Süßstoffe den Appetit anregen und den Zuckerstoffwechsel durcheinanderbringen. Die Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Allerdings führten die Forscher anschließend eine kleine Studie mit 20 männlichen Studenten durch. Auch sie unterschieden sich in ihrem Ess- und Trinkverhalten nur dadurch, dass die eine Hälfte der Probanden Kohlensäure konsumieren durfte und die andere nicht – und hier nahmen beide Gruppen tatsächlich nur Wasser zu sich. Die Forscher stellten auch hier bei der Gruppe, deren Getränke Kohlensäure enthielten, eine Erhöhung der Ghrelin-Werte fest. „Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Kohlensäure wegen der Ghrelin-Freisetzung und der damit verbundenen Stimulierung des Appetits eine wichtige Rolle für die Gewichtszunahme und den Beginn von Adipositas bei männlichen Säugetieren spielt“, so die Meinung der Forscher.

Frühere Studien: Kohlensäure konnte Hunger reduzieren

Dennoch bleibt die Studienlage mit diesen Ergebnissen sehr dünn. Zwar liefern die Resultate zumindest Hinweise darauf, dass auch die Kohlensäure in Softdrinks und Mineralwasser zum Dickwerden beitragen könnte. Doch ohne weitere Studien kann dies nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auch steht die Studie im Widerspruch zu anderen Forschungen. So hat eine Studie von Rosario Cuomo et al. gezeigt, dass die Zufuhr von Kohlensäure den Ghrelinwert senkte, anstatt ihn wie bei Eweis et al. zu erhöhen. Auch konnte gezeigt werden, dass verschiedene Flüssigkeiten mit oder ohne Kohlensäure nicht die Energiezufuhr bei der Nahrungsaufnahme änderten. Die Probanden gaben sogar an, signifikant weniger Verlangen nach Essen zu haben, wenn sie Getränke mit Kohlensäure zu sich genommen hatten.

Wie auch immer die Studienergebnisse zu interpretieren sind: Experten sind sich einig, dass sich die Entwicklung des Gewichts in erster Linie nach der aufgenommenen Kalorienmenge richtet. Und was die Getränke angeht, ist stilles Wasser vermutlich am ehesten zu empfehlen, doch ab und zu wird ein Glas mit Sprudelwasser kaum schaden.

Foto: © v.poth - Fotolia.com

Foto: ©v.poth - stock.adobe.com

Autor:
Hauptkategorie: Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Übergewicht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Getränke

31.08.2017

Der Konsum von künstlichen Süßstoffen hilft nicht beim Abnehmen. Vielmehr deuten Forschungsdaten darauf hin, dass er langfristig mit einer Gewichtszunahme verbunden sind. Macht Süßstoff also dick?

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der Diabetesfälle ist dabei zu explodieren – in Deutschland wie weltweit. Die WHO spricht schon jetzt von einer weiteren „Pandemie“. Ein Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt, was jeder Einzelne selbst tun kann und sollte, um sein persönliches Risiko für eine Diabetes-Erkrankung zu reduzieren.


 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin