Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Lymphödem: Vier nicht-medikamentöse Wege zur Linderung

Donnerstag, 12. Mai 2022 – Autor:
Wasseransammlungen – zum Beispiel in den Füßen: ein typisches Beispiel für ein „Lymphödem“. Im offiziellen Auftrag des Instituts IQWiG hat jetzt die Universität Freiburg nicht-medikamentöse Verfahren untersucht, die solche Ödeme lindern können.
Behandlung eines Ödems am Fuß.

Behandlung eines Ödems am Fuß. – Foto: Adobe Stock/tibanna79

Lymphödeme können entstehen, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind und sich dadurch Lymphflüssigkeit im Gewebe ansammelt. Häufige Ursache ist zum Beispiel die Entfernung von Lymphknoten im Rahmen einer Krebsbehandlung, etwa bei Brustkrebs.

Forschungsfrage: Nutzen und Schaden nicht-medikamentöser Therapie

Ihre Inspiration holten sich die Wissenschaftler in einem Online-Forum des „Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ (IQWiG), in dem Patienten Fragen direkt an Experten richten können. Im vorliegenden Fall geht es um die Frage einer Bürgerin, die wissen wollte, ob sich die Symptome eines fortgeschrittenen Lymphödems nicht durch nicht-medikamentöse Verfahren lindern ließen. Im offiziellen Auftrag des IQWiG gingen Wissenschaftler des „Instituts für Evidenz in der Medizin“ am Universitätsklinikum Freiburg dieser Frage nach und untersuchten nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen auf Nutzen, Schaden sowie ihre Wirtschaftlichkeit.

 

Lymphödem: Vier Therapieansätze ohne Medikamente

Der Studie zufolge können insbesondere folgende vier Maßnahmen zur Behandlung von Lymphödemen hilfreich sein:

  1. die Kompressionstherapie (Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe üben einen leichten Druck auf den Arm aus und erleichtern so den Abtransport der Lymphflüssigkeit aus den Lymphgefäßen),
  2. Heimprogramme (Betroffene führen nach professioneller Unterweisung zu Hause eigenständig bestimmte Bewegungs- und Atemübungen durch oder wenden Selbstmassagetechniken an),
  3. Operationen zum Lymphknotentransfer (mehrere Lymphknoten mit eigenem Blutgefäßsystem werden aus einer gesunden Körperregion entnommen und mit den Blutgefäßen in der erkrankten Lymphödem-Region verbunden) sowie
  4. die intermittierende pneumatische Kompression (mit einer an eine Pumpe angeschlossenen Manschette wird wechselnder Druck zum Beispiel auf einen Arm aufgebaut, um angestaute Flüssigkeit aus dem Arm zu drücken).

Stichwort „Lymphödem“

Das Lymphödem lässt sich definieren als sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum (Interstitium). Ursache dafür ist eine Funktionsschwäche des Lymphgefäßsystems – mit der Folge, dass interstitielle Flüssigkeit nicht mehr ausreichend über die Lymphgefäße abtransportiert werden kann. Dies führt zu einem Rückstau und zur Ansammlung von Flüssigkeit in den Zellzwischenräumen („Ödem“). Betroffen sein können neben Armen und Beinen auch Gesicht, Hals, Rumpf oder Genitalien. Der Begriff „Lymphödem“ ist dabei keine Krankheitsdiagnose, sondern eine Symptombeschreibung.

So sieht die Standardtherapie beim Lymphödem aus

Als Standardtherapie zur Behandlung von Lymphödemen gilt die komplexe physikalische Entstauungstherapie. Sie besteht laut IQWiG aus fünf verschiedenen Komponenten: der manuellen Lymphdrainage, der Kompressionstherapie, entstauungsförderndem Sport oder Bewegungstherapie, Hautpflege und Aufklärung beziehungsweise Schulungen zur Selbsttherapie.

Vier Krankheitsstadien beim Lymphödem

Beim Lymphödem werden vier verschieden schwere Krankheitsstadien unterschieden. Zunächst schwillt das betroffene Körperteil an; es kann zu Schmerzen und zu einer Einschränkung der Beweglichkeit kommen. Bleibt die Schwellung über längere Zeit bestehen, kann Flüssigkeit tief in das Bindegewebe eindringen. Daraus kann eine Fibrose entstehen: Das ist eine Verdichtung und Verhärtung des Gewebes, die sehr schwer zu behandeln ist. Ein fortgeschrittenes Lymphödem geht für die Betroffenen oft mit einer erheblich eingeschränkten Lebensqualität einher, zumal häufig eine jahrelange oder sogar lebenslange Behandlung des Lymphödems nötig ist, um die Beschwerden zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chirurgie , Forschung , Nachsorge
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Ödeme“

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Zahl der Apotheken vor Ort geht zurück, der Marktanteil der Online-Apotheken steigt. Doch welche Versandapotheken sind vertrauenswürdig? Für wen ist der Einkauf im Internet sinnvoll? Und kann man gefälschte Arzneimittel erkennen?


 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin