. LUSI Studie

Lungenkrebs-Screening könnte vielen Raucherinnen das Leben retten

Jahrzehnte geraucht – dann die Diagnose Lungenkrebs. Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt nun, dass ein Lungenkrebs-Screening vielen Raucherinnen das Leben retten könnte. Männliche Raucher profitieren allerdings weniger von der systematischen Früherkennung.
Frauen profitieren erheblich von einem jährlichen Lungenkrebs-Screening mittels CT

Frauen profitieren erheblich von einem jährlichen Lungenkrebs-Screening mittels CT

In Deutschland gibt es kein Lungenkrebs-Screening. Doch die systematische Früherkennung könnte für Raucher durchaus sinnvoll sein. Das legen Daten der 2007 gestarteten LUSI-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nahe. Bei beiden Geschlechtern zusammengenommen reduzierte das Screening die Lungenkrebssterblichkeit leicht, aber nicht signifikant. Bei den Frauen dagegen beobachteten die Krebsforscher eine signifikante Reduktion des relativen Risikos um 69 Prozent.

Jedes Jahr ein Lungen-CT

An der German Lung Cancer Screening Intervention-Studie (LUSI) nahmen 4.000 Männer und Frauen aus Süddeutschland teil, die eine jahrzehntelange Raucherkarriere hinter sich hatten. Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer zwischen 50 und 69 Jahre alt. 50 Prozent der Studienteilnehmer unterzogen sich über vier Jahre jährlich einer Niedrigdosis-Mehrschicht-Computertomographie (MSCT). Trotz geringer Strahlendosis liefert dieses Verfahren aussagekräftige Bilder der Lunge.

Ziel der Studie war herauszufinden, ob die MSCT eine geeignete Methode ist, Lungenkrebs bei Hochrisikopersonen in einem frühen und damit möglicherweise noch heilbaren Stadium zu entdecken.

 

Raucherinnen profitieren von Früherkennung

Während des fast neun Jahre langen Beobachtungszeitraums entdeckten die Forscher in der Screening-Gruppe 85 Lungenkarzinome. In der Kontrollgruppe, ohne Screening, wurden währenddessen 67 Lungenkrebs-Diagnosen gestellt.

Am Lungenkrebs verstarben 29 der Screening-Teilnehmer sowie 40 Patienten aus der Kontrollgruppe. Damit war das lungenkrebsspezifische Sterberisiko mit Screening zwar um 26 Prozent niedriger, doch der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.

Das änderte sich aber bei alleiniger Betrachtung der weiblichen Teilnehmer. Bei Rauchrinnen zeigte sich eine Risikoreduktion von 69 Prozent in der Screening-Gruppe – ein statistisch signifikantes Ergebnis.

Die LUSI-Studie stützt damit fünf weitere Studien aus Italien, Dänemark, Belgien und den Niederlanden mit nahezu identischer Fragestellung: Auch hier zeichnete sich ab, dass Frauen stärker von Screening profitieren, wobei auch bei Männern eine signifikante Risikoreduktion beobachtet wurde.

Daten sprechen für Einführung eines Screeninsg von Hoch-Risikogruppen

„Wir müssen die LUSI-Ergebnisse im Kontext der anderen europäischen Untersuchungen betrachten. Jede dieser eher kleinen Studien ist für sich allein nicht sehr aussagekräftig. Doch zusammengenommen ist die Evidenz jetzt eindeutig zugunsten der Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen in Europa“, erläutert DKFZ-Epidemiologe Rudolf Kaaks, der die Auswertung von LUSI leitete.

Warum Frauen stärker vom Lungenkrebs-Screening profitieren als Männer, bleibt eine spannende Frage. Eine Erklärung konnte sein, dass weiblichen LUSI-Teilnehmerinnen deutlich häufiger an einem Adenokarzinom der Lunge erkrankten. „Es ist möglich, dass sich diese Krebsart besonders effizient im früheren Stadium nachweisen lässt, einfach, weil sie häufig im peripheren Lungengewebe auftritt, wo sie in einer CT-Untersuchung leicht nachweisbar ist. Andere Arten von Lungenkrebs entstehen häufig zentral an den Bronchien, wo sie auch mit der CT erst auffallen, wenn sie größer sind“, erklärt Stefan Delorme, der leitende Radiologe der Studie.

Die Ergebnisse der LUSI-Studie wurden kürzlich im „International Journal of Cancer“ publiziert. Der Titel heißt: „Lung cancer mortality reduction by LDCT screening—Results from the randomized German LUSI trial”.

Lungenkrebs ist die führende Krebstodesursache, da die Diagnose meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt wird, wenn keine Heilung mehr möglich ist. Etwa 85 bis 90 Prozent der Patienten streben in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose. Wird die Erkrankung dagegen frühzeitig entdeckt, können bis zu 70 Prozent der Betroffenen mindestens fünf Jahre überleben.

Foto: © Тихон Купревич - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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