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24.05.2017

Lungenkrebs: IQWiG bescheinigt Keytruda Zusatznutzen

Eine Immuntherapie mit Keytruda (Wirkstoff Pembrolizumab) hilft bestimmten Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs besser als eine Chemotherapie. Zu diesem Ergebnis ist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bei seiner frühen Nutzenbewertung gekommen.
Bei bestimmten Formen von Lungenkrebs ist die Immuntherapie mit Keytruda platinbasierten Kombinations-Chemotherapien überlegen

Bei bestimmten Formen von Lungenkrebs ist die Immuntherapie mit Keytruda platinbasierten Kombinations-Chemotherapien überlegen

Der Wirkstoff Pembrolizumab ist eine neue Immuntherapie gegen Lungenkrebs. Seit letztem Sommer ist das Medikament mit dem Handelsnamen Keytruda für die Zweitlinientherapie von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) zugelassen, deren Tumoren den T-Zell-Rezeptor-Liganden PD-L1 exprimieren und die bereits eine Chemotherapie erhalten haben. Seit neuestem darf das Medikament auch in der Erstlinientherapie verschrieben werden, wenn mindestens die Hälfte der Tumorzellen PD-L1 herstellen. Außerdem dürfen die Tumoren keine aktivierenden EGFR- Mutationen (epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor oder ALK-Mutationen (anaplastische Lymphomkinase) aufweisen.

Besseres Gesamtüberleben durch Immuntherapie

Ob die neue Immuntherapie diesen Patienten tatsächlich besser hilft als eine Chemotherapie, hat nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht. Demnach hat Pembrolizumab einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber den Vergleichstherapien: Das neue Medikament war in den Kategorien Gesamtüberleben, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen überlegen. Zu solch eindeutigen Ergebnissen kommt das IQWiG nur selten. Vom Zusatznutzen hängt ab, wieviel der Hersteller in Deutschland für das Medikament verlangen darf.

Basis der frühen Nutzenbewertung war die Studie KEYNOTE 024. Patienten im Vergleichsarm erhielten hier Cisplatin oder Carboplatin jeweils in Kombination mit einem Zytostatikum der dritten Generation.

Zwar traten auch in der Pembrolizumab-Gruppe schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf. In der Gesamtschau ergaben sich jedoch Anhaltspunkte für einen geringeren Schaden durch das Immuntherapeutikum.

„Die Vorteile von Pembrolizumab überwiegen deutlich - vor allem aufgrund des verlängerten Gesamtüberlebens“, so das IQWiG in einer aktuellen Mitteilung.

 

Antikörper hemmt Programmed-Death-1-Rezeptor (PD-1)

Pembrolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper von Merck/MSD, der spezifisch an den "Programmed-Death-1"-Rezeptor (PD-1) auf aktivierten T-Lymphozyten (T-Zellen) bindet und dessen Aktivierung hemmt. Dadurch kommt es zu einer gesteigerten Immunantwort gegenüber Tumorzellen. Der PD-L1 Inhibitor ist in Europa neben Lungenkrebs auch zur Behandlung von metastasiertem schwarzen Hautkrebs zugelassen. Pembrolizumab wird derzeit bei zahlreichen weiteren Tumorentitäten in klinischen Studien getestet.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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