Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Lungenkrebs in Spezialzentren erfolgreicher operiert

Patienten mit Lungenkrebs gehören in spezialisierte Behandlungszentren, die mehr als 100 Operationen pro Jahr durchführen. Dort ist die Sterberate nur halb so groß. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie jetzt hin.

Lungenkrebs-OP: Die Erfahrung der Operateure verbessert die Versorgungsqualität

Lungenkrebs gehört mit mehr als 45.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. An keiner anderen Krebserkrankung sterben so viele Menschen wie an Lungenkrebs. Chance auf Heilung bietet nur eine Operation, doch nur 30 bis 40 Prozent aller Lungentumoren sind operabel. „Wenn ein Eingriff möglich ist, sind die Behandlungschancen gut“, sagt Professor Dr. med. Bernward Passlick, der an der Universität Freiburg eine der größten Spezialkliniken für Thoraxchirurgie in Deutschland leitet. „Etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten, die wir im Frühstadium operieren, können geheilt werden.“ Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen allerdings, dass der Erfolg einer Lungenkrebs-OP von der Anzahl der Operationen abhängt, die eine Klinik durchführt. In Kliniken, die jährlich mehr als 100 Patienten mit Lungenkrebs operieren, ist die Sterberate nahezu um die Hälfte geringer. Auch Untersuchungen aus den USA und Kanada kommen zu ähnlichen Ergebnissen. „Die aktuellen Ergebnisse belegen, dass die hochkomplexen Operationen an spezialisierten Behandlungszentren besser gelingen“, sagt Passlick.

Lungenkrebs: Höhere Krankenhaussterblichkeit bei wenigen Eingriffen

Die höhere Krankenhaussterblichkeit bei wenigen Eingriffen sei nicht etwa auf eine verminderte Geschicklichkeit der Chirurgen an kleinen Kliniken zurückzuführen. „Entscheidend für einen dauerhaft hohen Standard ist ein eingespieltes Team, in dem Spezialisten der verschiedenen Disziplinen wie Anästhesie, Thoraxchirurgie, Physiotherapie, spezialisierte Krankenpflege und Endoskopie zusammenarbeiten“, so der Experte. Diese Voraussetzungen seien, wie die Zahlen belegen, offenbar nur an ausgewiesenen Zentren möglich.

Auch an ausgewiesenen Zentren, die mehr als 100 Patienten im Jahr operieren, sterben 3,2 Prozent der Patienten noch im Krankenhaus an den Folgen der Operation, wie Passlick in einer Aufarbeitung von Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2010 belegt. An kleineren Kliniken mit weniger als 25 Eingriffen pro Jahr war die Krankenhaussterberate dagegen mit 5,8 Prozent nahezu doppelt so hoch. Auch in Krankenhäusern mit 26 bis 50 Eingriffen pro Jahr starben noch 4,8 Prozent der Patienten in der Klinik.

 

DKG-Zertifikate sind eine wichtige Orientierung für Patienten

Angesichts dieser Daten fordert die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT), dass Lungenkrebsoperationen ausschließlich in dafür geeigneten Krankenhäusern vorgenommen werden. Geeignete Kliniken sind etwa die von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierten 38 Lungenkrebszentren in Deutschland. Diese Zentren erfüllen die erforderlichen Mindestmengen und garantieren eine interdisziplinäre Versorgung sowie ein anerkanntes Qualitätsmanagementsystem. Die Einhaltung der Fachlichen Anforderungen wird jährlich durch das unabhängige Zertifizierungsinstitut OnkoZert überwacht. Die Adressen der zertifizierten Lungenkrebszentren sind auf den Internetseiten der Deutschen Krebsgesellschaft zu finden.

Foto: Helios Kliniken

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Lungenkrebs , Qualität , Qualitätssicherung , Krankenhäuser
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenkrebs

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin