Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.07.2019

Lungenhochdruck: Krebsmedikament macht neue Hoffnung

Lungenhochdruck ist eine schwere Erkrankung mit hoher Sterblichkeit. Hoffnung auf eine neue Behandlung macht jetzt ein Krebsmedikament. In Laborexperimenten zeigte es unerwartete Erfolge.
Lungenhochdruck, neues Medikament

Lungenforscher haben Lungenhochdruck mit einem Krebsmedikament erfolgreich behandelt

Bei Lungenhochdruck kommt es zu einer krankhaften Verengung bzw. Verdickung der Lungengefäße und infolgedessen zu einem überhöhten Druck in der Lungenarterie. Die Betroffenen leiden unter Atemnot, blauen Lippen, Beinödemen, Brustschmerzen und klagen allgemein über schnelle Erschöpfung und Ermüdung. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich die sogenannte pulmonale Hypertonie (PAH) zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln, der oft zu einem tödlichen Herzversagen führt.

Neue Spur bei Lungenhochdruck gefunden

Wissenschaftler der Universität Gießen verfolgen nun eine neue Spur, um der zerstörerischen Krankheit entgegenzuwirken. Im Lungengewebe und in isolierten Zellen von Lungenhochdruckpatienten fanden sie hohe Konzentrationen eines Proteins, das man sonst nur bei Krebspatientinnen mit Brustkrebs kennt. Bei dem nun identifizierten Schlüsselprotein handelt es sich um Zyklin-abhängigen Kinasen (CDKs 2, 4 und 6), die sich mit speziellen CDK-Inhibitoren aus der Krebstherapie hemmen lassen.

Daraus folgerte das Team um Prof. Friedrich Grimminger und Prof. Ralph Schermuly die Hypothese, dass CDK-Inhibitoren auch den überaktivierten Signalweg bei den Lungenkranken so wirksam hemmen können, dass die Erkrankung zum Stillstand kommt. In vorklinischen Experimenten setzten die Lungenforscher nun die beiden CDK-Inhibitoren Dinaciclib und Palbociclib ein, die bereits in der Tumorbehandlung erfolgreich getestet wurden. Palbociclib ist aufgrund seiner hemmenden Eigenschaften auf Tumorzellen bereits zur Behandlung des fortgeschrittenen Brustkrebses zugelassen.

 

Regeneration der krankhaft verengten Blutgefäße

Die Ergebnisse waren sogar besser als erwartet: Zum einen wurde der krankhafte Umbau der Blutgefäße gestoppt. Zum anderen gelang es, die bereits krankhaft verengten Blutgefäße zu regenerieren.

Die Beobachtung, dass bereits entstandene krankhafte Wandververdickungen der Blutgefäße „repariert“ werden konnten, ist ein unerwarteter Erfolg“, sagt Prof. Grimminger, der selbst als Onkologe arbeitet. In den isolierten Zellen führte die gezielte Hemmung der CDKs durch Abschaltung eines nachgeschalteten Signalwegs (CDK-Retinoblastoma-Protein-E2F-Signalweg) zu einer Unterbrechung des Zellwachstums und damit zur signifikanten Abnahme der übermäßigen Zellvermehrung. In zwei experimentellen Modellen des Lungenhochdrucks zeigte Palbociclib eine Reduzierung des krankhaften Gefäßumbaus. Damit einhergehend zeigte sich insgesamt eine deutliche Verbesserung der Herzleistung.

CDK-Inhibitoren könnten Therapieoption für Lungenhochdruck sein

„Die Daten zeigen, dass die Hemmung von CDK durch Wirkstoffe wie Palbociclib eine neue Therapieoption für die Behandlung von PAH-Patienten darstellt, die am krankhaften Gefäßumbau der Lunge und des rechten Herzens ansetzt“, erklärt Prof. Schermuly.

Auch wenn die Entstehung und Entwicklung einer pulmonalen Hypertonie insgesamt komplex seien, ließen die Ergebnisse hoffen, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung durch die Hemmung des Gefäßumbaus eindämmen lasse und somit der Leidensdruck der Patienten verringert werde.

Die Arbeit wurde beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie mit dem Preis der Rene-Baumgart Stiftung ausgezeichnet. Erschienen ist sie in der  aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“ unter dem Titel „Targeting cyclin-dependent kinases for the treatment of pulmonary arterial hypertension.“

Foto: © psdesign1

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lungenerkrankungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenhochdruck

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin