Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Lungen-OP: Minimal-invasive Eingriffe nicht unbedingt besser

Sind minimal-invasive Lungen-Operationen für die Patienten weniger belastend als Eingriffe am offenen Brustkorb? Dieser Frage sind amerikanische Wissenschaftler nun nachgegangen – mit überraschendem Ergebnis.
Minimal-invasive Operationen

Immer öfter werden minimal-invasive Operationen durchgeführt.

Bei minimal-invasiven Operationen werden nur winzige Schnitte benötigt, durch die dann über eine Hülse aus Metall oder Plastik das Operationsbesteck eingeführt wird. Diese Eingriffe werden auch als Schlüsselloch-Chirurgie bezeichnet, weil die Schnitte nicht größer sind als ein Schlüsselloch, nämlich zwischen einem halben und zwei Zentimeter lang. Dabei sollen so wenig Haut und Weichteile wie möglich verletzt werden.  

Der Gedanke liegt nahe, dass minimal-invasive Eingriffe zu weniger Beeinträchtigungen führen als offene Operationen. Ob das wirklich immer so ist, haben Forscher nun am Beispiel von Lungen-Operationen untersucht. Die Wissenschaftler vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York haben dafür die Schmerzwerte und die Lebensqualität von Patienten mit vergleichbaren Lungeneingriffen, aber unterschiedlichen Operationsmethoden über 12 Monate nach der Operation erfasst und verglichen. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „The Annals of Thoracic Surgery“.

Postoperative Schmerzen unabhängig von Operationsmethode

Die Analyse zeigte, dass es zwischen den beiden Patientengruppen keine Unterschiede bei den postoperativen Schmerzen gab. Die Autoren führten dies darauf zurück, dass in beiden Gruppen ein adäquates Schmerzmanagement durchgeführt wurde. Frühere Studien hatten hingegen gezeigt, dass minimal-invasiv behandelte Patienten postoperativ deutlich weniger Schmerzen hatten.

In der aktuellen Studie unterschieden sich auch die Bewertungen der körperlichen Leistungsfähigkeit als ein Faktor der Lebensqualität nicht. Die mentale Verfassung dagegen war bei Patienten, bei denen die Schlüsselloch-Chirurgie eingesetzt wurde, sogar schlechter. Die Autoren konnten hierfür keine Erklärung finden; möglicherweise spielt aber die individuelle Erwartungshaltung dabei eine Rolle.

Nach Ansicht der Studienautoren sind bei kleinen Lungenoperationen minimal-invasive Methoden und offene Operationen in Hinblick auf das vom Patienten empfundene Ergebnis absolut gleichwertig. Bei anderen Eingriffen scheinen Schlüsselloch-Operationen jedoch mehr Vorteile zu haben. So wird beispielsweise in der Orthopädie schon lange erfolgreich mit Arthroskopien, also minimal-invasiven Eingriffen an Gelenken, gearbeitet.

 

Minimal-invasive OPs nicht immer Mittel der ersten Wahl

Zu bedenken ist jedoch auch, dass Schlüsselloch-Operationen nicht immer in Frage kommen. So will bei Tumoroperationen der Einsatz von minimal-invasiven Eingriffen wohl überlegt sein, gerade wenn die Tumore besonders groß sind, da es hier entscheidend ist, dass die Geschwulst komplett entfernt wird. Ein offener Eingriff bietet hier teilweise bessere Möglichkeiten und mehr Überblick für den Chirurgen. Auch wenn es während einer Operation zu unvorhergesehenen Komplikationen wie starken Blutungen kommt, kann der Chirurg bei offenen Operationen unter Umständen schneller eingreifen. Die Wahl der besten Operationsmethode muss daher immer eine Einzelfallentscheidung sein.

Foto: © Tobilander - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Minimal-invasive Operationen

15.08.2014

Auch zwei Jahre nach einer Operation leiden viele Menschen unter Schmerzen, die auf den Eingriff zurückzuführen sind. Das fanden Forscher der Universität Witten-Herdecke heraus. Am häufigsten treten dabei Schmerzen an Rücken und Knie auf.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Geschwollene Hubbel, kreisförmige Rötungen und – besonders lästig – der Juckreiz: Mit ihrer zarten Haut und ihren zarten Gefühlen haben Mückenstiche für Kinder eine ganze andere Dramatik als für Erwachsene. Hier ein paar Tipps für Eltern, um schnell und wirksam etwas dagegen zu tun.


Bei etwa zwei von zehn stationär behandelten Covid-Patienten kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf. Nun bestätigt eine Studie aus Deutschland: Mit einer kombinierten Urin- und Blutanalyse können Ärzte Hochrisikopatienten schon gleich bei der Einweisung recht zuverlässig identifizieren.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin