. Diabetes-Forschung

Luftverschmutzung erhöht Diabetes-Risiko

Wissenschaftler haben einen neuen Risikofaktor für Diabetes Typ 2 ausgemacht: Luftverschmutzung. Die neue Studie stützt eine frühere, wonach Feinstaubbelastung das Risiko für Insulinresistenz im Kindesalter erhöht.
Nach der KORA-Studie erhöht Luftverschmutzung das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken

Nach der KORA-Studie erhöht Luftverschmutzung das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken

Der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist mittlerweile erwiesen. Nun stehen Schadstoffbelastungen im Verdacht, auch das Risiko für Diabetes Typ 2 zu erhöhen. Belastbare Hinweise liefert eine Studie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) am Helmholtz-Zentrum München und des Leibniz-Zentrums für Diabetes-Forschung an der Universität Düsseldorf. Danach hängt der Ausbruch der Stoffwechselerkrankung nicht nur vom Lebenswandel oder den Genen ab, sondern kann auch Verkehrsabgase als Ursache haben.

Marker bei starker Luftverschmutzung krankhaft verändert

In der KORA-Studie wurden 3.000 Teilnehmer körperlich untersucht und befragt. Die Untersuchung umfasste auch eine Nüchtern-Blutprobe ab, in der sowohl verschiedene Marker für die Insulinresistenz und Entzündungen als auch weitere aus dem Fettgewebe stammende Botenstoffe bestimmt wurden. Bei Nicht-Diabetiker wurde zudem ein oraler Glukosetoleranztest zum Nachweis eines gestörten Glukosestoffwechsels durchgeführt. Anschließend verglichen die Forscher die Daten mit den Luftschadstoffkonzentrationen am Wohnort der Probanden.

Das Ergebnis: Menschen, die bereits einen gestörten Glukosestoffwechsel aufweisen, so genannte Prädiabetiker, sind besonders anfällig für die Einflüsse der Luftverschmutzung. „Die Marker in ihrem Blut waren in Assoziation mit den Schadstoffen in der Luft besonders signifikant verändert“, sagt die Erstautorin der Studie, Dr. Kathrin Wolf. Luftverschmutzung sei daher gerade für Menschen mit gestörtem Glukosestoffwechsel langfristig ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.

 

EU-Grenzwerte scheinbar zu hoch angesetzt

Wie die Autoren weiter berichten, lagen die gemessenen Luftschadstoffkonzentrationen unterhalb der EU-Grenzwerte, jedoch über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagenen Richtlinien. In ihrem Beitrag im Fachmagazin „Diabetes“ fordern die Autoren daher ein Einschreiten von der Politik. „Eine Senkung der Luftschadstoffgrenzen wäre der richtige Schritt“, so die ebenfalls an der Studie beteiligte Dr. Alexandra Schneider. „Denn wir alle sind der Luftverschmutzung ausgesetzt.“ Zudem sei der Zusammenhang zwischen erhöhter Luftschadstoffbelastung und Erkrankungen der Atemwege sowie des Herzkreislaufsystems mittlerweile klar erwiesen.

Um den Risikofaktoren für die Volkskrankheit Diabetes weiter auf die Schliche zu kommen, wollen die Diabetes-Forscher demnächst auch den Einfluss besonders kleiner Partikel untersuchen – den Ultrafeinstaub. Dass dieser das Risiko für Insulinresistenz im Kindesalter erhöht, hatte bereits eine Studie des Helmholtz Zentrums München aus dem Jahr 2013 gezeigt.

Foto: © stockWERK - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Feinstaub , Diabetes
 

Weitere Nachrichten zum Thema Luftverschmutzung

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Obwohl sie zu den häufigsten und belastendsten Krankheiten gehört, wird Migräne noch immer zu selten therapiert. Anlässlich des World Brain Day erklärt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG): „Jeder Mensch, der unter Kopfschmerz leidet, kann behandelt werden!“
Sonnenbräune ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schützt sie vor weiteren Schäden der Haut, anderseits ist die Braunpigmentierung schon der Schaden selbst. Gesunde Haut geht daher nur mit Sonnenschutz.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.