Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Low-Calorie-Diät verändert Darmmikrobiom und hält Immunsystem jung

Montag, 25. April 2022 – Autor:
Die Alterung des Immunsystems lässt sich mit einer kalorienreduzierten Ernährung hinauszögern. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung jetzt gekommen. Das Darmmikrobiom spielt dabei offenbar eine zentrale Rolle.
Kalorienarme Diät verbessert Immunsystem und Stoffwechsel

Kalorienarme Diät verbessert Immunsystem und Stoffwechsel – Foto: ©Bobo - stock.adobe.com

Fettleibigkeit kann bekanntermaßen zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen, etwa einen Diabetes vom Typ 2, Bluthochdruck oder kardiovaskuläre Erkrankungen. Es sind die Fettzellen, die Entzündungen im Körper verursachen und letztlich auch das Immunsystem schwächen, weil es zu einer Zunahme bestimmte T- und B-Gedächtniszellen kommt. Der Prozess wird Immunseneszenz genannt, eine altersbedingte Veränderung des Immunsystems.

Positive Effekte vom Fasten bekannt

Kalorienarme Diäten können aber die Stoffwechsellage wieder verbessern, so dass sich etwa die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei adipösen Personen hinauszögern lässt. Auch das Immunsystem profitiert von weniger Kalorien. Das zeigen etwa Studien zum Fasten.

Um die positiven Effekte besser zu verstehen, haben Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) nun eine kleine, aber bemerkenswerte Studie durchgeführt. Den Verdacht, dass das Darmmikrobiom eine maßgebliche Rolle dabei spielt, konnte das Forscherteam erhärten.

 

Darmmikrobiom nach Diät transplantiert

Für die Studie wurde eine adipöse Frau acht Wochen lang auf eine 800-Kalorien-pro-Tag Diät gesetzt. Proben ihres Darmmikrobioms vor und nach der Diät wurden in einem nächsten Schritt in ein Modell transplantiert, das keine Mikroorganismen enthielt. Mit Hilfe des sogenannten gnotobiotischen Modells konnten die Forschenden einen Vorher- Nachher-Vergleich anstellen und beobachten, welche Effekte das auf Diät gesetzte Darmmikrobiom auf den Stoffwechsel und das Immunsystem der Probandin hatte.

Alterung des Immunsystems scheint verzögert

Das Ergebnis: Durch die Transplantation des diätgeprägten Mikrobioms verbesserte sich der Glukosestoffwechsel und die Fettablagerung wurde reduziert. Außerdem reduzierte sich die Anzahl der T- und B-Gedächtniszellen, deren Zunahme mit der Alterung des Immunsystems assoziiert ist. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die positiven Auswirkungen einer kalorienarmen Ernährung auf den Stoffwechsel und das Immunsystem über das Darmmikrobiom vermittelt werden“, fasst Erstautorin Julia Sbierski-Kind zusammen. Zudem wiesen die Ergebnisse auf eine „Verzögerung der Immunseneszenz“ hin.

Könnte also die Alterung des Immunsystems durch weniger essen verlangsamt werden? Da das Experiment bislang nur mit dem Mikrobiom eines Menschen durchgeführt wurde, gibt es dafür noch keine ausreichende Evidenz. Die Experimente müssten mit weiteren Probanden wiederholt werden müssen, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Langfristig könnten die neuen Erkenntnisse könnten jedoch für die medizinische Praxis interessant sein, glaubt Studienautor Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg. „Ein verbessertes Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen Ernährung, Mikrobiom und Immunsystem kann die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger mikrobiombasierter, therapeutischer Optionen für die Behandlung von Stoffwechselkrankheiten und Immunkrankheiten legen“, so der DZD-Forscher.

Die Studie “Effects of caloric restriction on the gut microbiome are linked with immune senescence” ist soeben im Fachjournal “Microbiome” erschienen.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Diabetes , Darm
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diät und Immunsystem

16.05.2016

Dem Fasten werden allerlei gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Nun konnten Forscher zeigen, warum der Nahrungsentzug den Stoffwechsel ankurbelt und offenbar auch vor einer Fettleber schützt.

23.03.2015

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fasten einen regenerierenden Effekt auf das Immunsystem hat, indem es „schlafende“ Stammzellen aktiviert. Dadurch können vermehrt weiße Blutkörperchen gebildet werden.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.


Ist die Infektion abgeklungen, ist Covid-19 für viele Patienten keineswegs vorbei – es geht nur anders weiter. Die AOK hat ein neues Beratungsportal geschaltet: damit Long-Covid-Patienten diese neue Krankheit besser verstehen und leichter mit ihr umgehen können.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin