. Psychische Erkrankungen

Lösen Herpes-Viren Depressionen aus?

Psychische Erkrankungen wie bipolare Störung und Depressionen gehen mit einer erhöhten Infektionsrate mit einem bestimmten Herpes-Virus einher. Das fanden Forscher aus Würzburg heraus.
lippenherpes, herpes, herpes-viren, infektion, viren

Das Herpes-simplex-Virus sorgt für unangenehme aber ungefährliche Lippenbläschen

Herpes-Viren sind ein ständiger Begleiter des Menschen. Nach einer Infektion bleibt die Viren ein Leben lang im Körper. Psychische Erkrankungen wie bipolare Störung und Depressionen gehen nun mit einer erhöhten Infektionsrate mit einem bestimmten Herpes-Virus einher. Das fanden Forscher des Instituts für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg heraus.

Das Team untersuchte gemeinsam mit Kollegen aus den USA menschliche Gehirn-Proben. 50 der Proben stammten von Patienten mit bipolarer Störung, 50 von Patienten, die an Schizophrenie litten, 15 von Patienten mit schweren Depressionen und 50 von Patienten ohne psychische Erkrankungen.

Lösen Herpes-Viren Depressionen aus?

Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass bei Patienten mit bipolarer Störung und Depressionen eine aktive Entzündungsreaktion der Purkinje-Zellen aufgrund einer Infektion mit den Herpes-Viren HHV-6-A und HHV-6-B vorlag. Bei Schizophrenie zeigte sich kein eindeutiger Zusammenhang.

Purkinje-Zellen sind ein Bestandteil des menschlichen Kleinhirns. Das ist der Teil des Gehirns, der in erster Linie für das motorische Lernen und die Feinsteuerung der Muskelspannung und -bewegung zuständig ist, aber auch Gefühle, Wahrnehmungen, Gedächtnis und Sprache beeinflusst.

 

Viren bleiben lebenslang im Körper

Es ist seit langem bekannt, dass erbliche Faktoren das Risiko für verschiedene Arten von psychischen Erkrankungen erhöhen, erläutert dazu Studienleiter Dr. Bhupesh Prusty. Darüber hinaus spielen auch Umweltfaktoren im Krankheitsprozess eine Rolle. Viren sind solch ein Umweltfaktor.

Viren können die Entwicklung von Nervenzellen und das Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien stören, so Prusty. Tritt eine solche Infektion in der frühen Kindheit auf, verläuft sie in den meisten Fällen spurlos. Die Viren verbleiben jedoch in Organen und Geweben, einschließlich des zentralen Nervensystems. Unter Umständen werden sie nach mehreren Jahren wieder aktiv.

HHV-6-Viren infizieren Nervenzellen des Kleinhirns

Die HHV-6-Viren können dann Nervenzellen im Gehirn infizieren und möglicherweise kognitive Störungen verursachen, die zu Gemütsstörungen führen. Darüberhinaus zeigte sich, dass eine HHV-6-A-Infektion mit einer verringerten Größe der Purkinje-Zellen einherging, was auf eine virusvermittelte abnormale Zellfunktion hindeutet.

Die aktuelle Studie erschien im Fachmagazin Frontiers in Microbiology. Eine weitere Untersuchung hatte unlängst gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Alzheimer-Krankheit und menschlichen Herpes-Viren gibt.

Foto: stylefoto24/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Depression
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herpes

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
„Gesunde Architektur“ wird immer mehr zum Thema. Das gilt auch für Krankenhäuser. Wie sich Farbe und Licht auf Patienten und Personal von Intensivstationen auswirken können, hat kürzlich das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal untersucht – mit interessanten Ergebnissen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.