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„Live-Video“ erlaubt mikrometergenaue Augen-OPs

Bisher wurde die „Optische Kohärenztomographie“ (OCT) lediglich zur Diagnostik von Netzhauterkrankungen wie der altersbedingten Makula-Degeneration eingesetzt – als Momentaufnahme. Jetzt gibt es die OCT-Bilder auch bewegt und live: Die neue intraoperative Bildgebung ermöglicht Chirurgen eine nie dagewesene Präzision bei Eingriffen an Hornhaut und Netzhaut des Auges.
Augenoperation - Vergrößerung des OP-Felds auf einem Monitor

Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein sogenanntes bildgebendes Verfahren ähnlich dem Ultraschall, das laut der Fachgesellschaft für Augenheilkunde Augenoperationen in nie dagewesener Präzision möglich macht. (Symbolbild)

Die OCT nutzt die Tatsache, dass Lichtstrahlen einige Millimeter in das Gewebe eindringen, bevor sie reflektiert werden. Ähnlich wie bei einer Ultraschalluntersuchung wird sichtbar, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Die Eindringtiefe ist zwar auf wenige Millimeter beschränkt, die Auflösung jedoch so hoch, dass mit der OCT mikroskopische Aufnahmen etwa der Hornhaut oder der Netzhaut möglich werden. Augenärzte nutzen die OCT daher seit längerem als bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Netzhaut-Erkrankungen wie der altersabhängigen Makula-Degeneration. An einigen Kliniken wird das Verfahren nun seit kurzem als spezielles Mikroskop, das mit einer OCT-Funktion ausgestattet ist, auch bei Operationen eingesetzt.

Hochauflösende Darstellung von Gewebe in Echtzeit

„Die OCT hat sich von einem reinen Diagnostik-Instrument zu einem intraoperativen Kontroll-Tool entwickelt, das bessere und schonendere Augenoperationen ermöglicht“, sagt Hans Hoerauf, der Präsident der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG), der wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde. „Diese Systeme ermöglichen mit leistungsstarken Prozessoren eine hochauflösende intraoperative Darstellung des OCT-Bildes in Echtzeit und damit gewissermaßen ein Live-Video“, erklärt Lars-Olof Hattenbach, Direktor der Augenklinik des Klinikums Ludwigshafen.

Nach Einschätzung der Fachgesellschaft können Augenärzte damit „in einer bisher nicht gekannten Präzision operieren“. Die intraoperative OCT erlaubt eine Gewebedarstellung mit einer Auflösung von bis zu wenigen Mikrometern. Zum Vergleich: Eine pflanzliche oder tierische Zelle ist etwa zehn bis 50 Mikrometer groß.

 

Hornhauttrübung: Hornhaut muss nicht mehr entfernt werden

Wichtiges Einsatzgebiet der neuen Technik ist die Hornhautchirurgie. Bei einer Hornhauttrübung beispielsweise wurde noch vor einigen Jahren die gesamte „Windschutzscheibe“ des Auges ausgetauscht. Mithilfe des neuen bildgebenden Verfahrens können Ärzte jetzt während des Operierens sehen, welche Teilschichten der Hornhaut noch gesund und welche geschädigt sind – und die geschädigten dann gezielt ersetzen.

Netzhaut: Peeling entfernt Belag, der Patienten Zerrbilder sehen lässt

Ein anderes Einsatzgebiet sind Erkrankungen der Netzhaut. In diesem Teil des Auges wird das eintreffende Licht in Nervensignale überführt. Eine Form von Netzhauterkrankung ist die „Epiretinale Gliose“: Bei ihr lagern sich Zellen auf der Netzhautoberfläche ab. Diese feste Zellschicht verformt die Netzhaut und verzerrt damit auch die Bilder, die an das Gehirn übermittelt werden. Dank der OCT kann dieser Belag mit einem „Peeling“ entfernt werden, ohne dass dabei gesundes Gewebe verletzt wird.

Foto: AdobeStock/Алексей Доненко

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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