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23.07.2017

Lipödem-Op vorerst keine Kassenleistung

Die Fettabsaugung gilt als effektivste Behandlung des Lipödems. Bislang müssen die Betroffenen die Kosten für den Eingriff selber tragen. Daran ändert sich vorerst auch nichts - trotz einer positiven Einschätzung durch den G-BA.
Das Lipödem schreitet unaufhörlich fort. Abhilfe kann nur die Liposuktion schaffen

Das Lipödem schreitet unaufhörlich fort. Abhilfe kann nur die Liposuktion schaffen

Lipödem-Patientinnen hatten auf die „Bewertung der neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethode Liposuktion bei Lipödem" durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gehofft. Möge die Liposuktion, also das Fettabsaugen - doch bitte zur Kassenleistung werden. Der G-BA bestätigte am Donnerstag zwar das „Potenzial als erforderliche Behandlungsalternative“. Jedoch sei aufgrund der problematischen Studienlage keine endgültige Entscheidung möglich, „ob diese Operation künftig zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erbracht werden kann.“

Keine aussagekräftigen Studien

Der G‑BA will nach eigenen Angaben die laufende Bewertung nun aussetzen und eine neue Studie auf den Weg zu bringen. Mit Hilfe einer Erprobungsstudie sollen die offenen Fragen dann beantwortet werden können. „Wir wissen um den Leidensdruck der Patientinnen und die großen Erwartungen, die mit der Anwendung der Liposuktion verbunden sind“, sagte Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied im G-BA am Donnerstag in Berlin. Leider habe sich jedoch die Erwartung, gute wissenschaftliche Studien zum medizinischen Nutzen des Eingriffs für die Patientinnen zu finden, nicht erfüllt. An der Bewertung nahmen auch vier Vetreterinnen der Lipödem-Hilfe teil.

Laut G-BA konnten die vorhandenen Studien elementare Fragen nicht beantworten. Zum Beispiel, ob Wiederholungseingriffe notwendig sind oder wie funktionsfähig die Lymphbahnen nach der Operation sind. Um diese offenen Fragen beantworten zu können, will der G-BA das Instrument der Erprobungsstudie nutzen. Die Endpunkte legt der G-BA selbst fest – entscheiden muss nun das Bundesgesundheitsministerium.  „Wir erwarten, dass eine entsprechende Erprobungsrichtlinie im Januar 2018 beschlossen werden kann“, betonte Deisler. Eine schnelle Entscheidung hört sich anders an. Vermutlich wird es Jahre dauern, bis belastbare Daten vorliegen. Unter anderem soll die langfristige Sicherheit der Methode geprüft werden.

 

Reiterhosensyndrom erzeugt hohen Leidensdruck

Das Lipödem - umgangssprachlich auch Reiterhosensyndrom genannt – ist mehr als ein kosmetisches Problem. Es handelt sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, bei der es zu ungleich verteilten Fetteinlagerungen und Ödemen an Hüften Beinen (Reiter) sowie den Oberarmen kommt. Mit einem ungesunden Lebensstil hat diese Erkrankung rein gar nichts zu tun.

Da aber typische Problemzonen von Frauen betroffen sind, ist das Lipödem extrem schwer zu diagnostizieren. Ursachen sind ebenfalls unbekannt. Konservative Therapie wie Lymphdrainage, Kompressionstrümpfe, Bewegungstherapie zielen auf eine Linderung der Beschwerden ab. Das massive Fettgewebe bekommen die Frauen dadurch nicht los. Unbehandelt werden die Beine immer dicker und unförmiger, sie schmerzen und fühlen sich an wie Blei. Viele Frauen verlieren ihr Selbstwertgefühl.

Die Liposuktion ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das krankheitsbedingt vermehrte Fettgewebe entfernt wird. In der Regel müssen die Betroffenen für eine Behandlung mehrmals operiert werden. Laut Lipödem-Hilfe kann die Bein- und Armform in vielen Fällen weitgehend normalisiert werden. Eine konservative Behandlung sei dann oftmals nicht mehr erforderlich. Eine Liposuktion kann je nach Aufwand bis zu 10.000 Euro kosten. Derzeit können Betroffene aber ihre Krankenkasse um eine Kostenübernahme bitten. Manche Kassen erstatten aus Kulanz. 

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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