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Leukämie: Neue Medikamente verbessern Prognose bei CML

Die Prognose von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verbessert. Zum Teil werden Überlebensraten beobachtet, die einer Heilung nahe kommen. Dies geht aus dem EUTOS CML-Register hervor.
Leukämie: Neue Medikamente verbessern Prognose bei CML

Die chronische myeloische Leukämie ist bislang nicht heilbar. Doch ein neuer Therapiestandard hat die Prognose der CML erheblich verbessert

Die chronische myeloische Leukämie (CML) war einst die Leukämieform mit der ungünstigsten Prognose. Mit der Einführung von Tyrosinkinase-Inhibitoren im Jahr 2002 gelang so etwas wie ein Durchbruch: Heute sind zwei Jahre nach der Diagnose mehr als 90 Prozent der Patienten mit CML noch am Leben. In klinischen Studien wird sogar ein 10-Jahresüberleben von etwa 84 Prozent beobachtet.

Dies geht aus dem EUTOS for CML-Register hervor, das Daten von rund 7.000 Patienten aus mehr als 20 europäischen Ländern enthält. Das vor acht Jahren vom Europäischen LeukemiaNet (ELN) und Novartis ins Leben gerufene Register enthält zum einen Langzeitdaten von etwa 4.000 Patienten, die von 2002 bis 2006 über nationale Studien und Register in 14 europäischen Ländern rekrutiert wurden. Zum andern Daten von etwa 3.000 Patienten, die seit 2010 in 27 europäischen Ländern auf Bevölkerungsbasis registriert wurden.

Hohe Überlebensraten seit Einführung der Tyrosinkinase-Inhibitoren

„Die vergleichsweise hohen Überlebensraten heute sind auf die Einführung von Tyrosinkinase-Inhibitoren in der Behandlung der CML zurückzuführen. Sie stellen einen entscheidenden Fortschritt für die Prognose der CML dar und kommen der Perspektive einer Heilung nahe“, betonte Professor Dr. Rüdiger Hehlmann, Vorsitzender des Europäischen LeukemiaNet (ELN) anlässlich der Vorstellung der EUTOS-Daten am Freitag in Mannheim.

Wie die Auswertung der Registerdaten zeigt, ist der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib die am häufigsten eingesetzte Ersttherapie bei CML. Gefolgt von den zwei Tyrosinkinase-Inhibitoren der zweiten Generation: Mit Nilotinib werden rund 14 Prozent der CML-Patienten behandelt, weitere 3 Prozent erhalten Dasatinib. Eine Chemotherapie mit Hydroxyurea erhalten etwa 3 Prozent, meist ältere Patienten.

 

Register offenbart Wirksamkeit der CML-Therapien - und Handlungsbedarf

Letzteres entspricht laut Leukämie-Experte Hehlmann nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft. „Tyrosinkinase-Inhibitoren sind der Standard der heutigen medikamentösen Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie, von dem ältere und jüngere Patienten gleichermaßen profitieren sollten“, sagte er. Diese Wirkstoffe verlängerten das Leben der CML-Patienten und seien außerdem gut verträglich.

Das Register ist Kernprojekt der European Treatment and Outcome Study (EUTOS). In einem weiteren Teilprojekt befassen sich die Wissenschaftler mit dem Molekularen Monitoring. Das Verfahren dient vor allem dazu, Patienten zu identifizieren, die einer intensiveren Therapie bedürfen. Laut Hehlmann kann es aber auch dazu genutzt werden, Patienten zu erkennen, bei denen die Medikamente im Rahmen von kontrollierten Studien abgesetzt werden können. „Es konnte nämlich gezeigt werden, dass ein tiefes und rasches Ansprechen auf die Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren auf der molekularen Ebene eine Vorhersage über das progressionsfreie Langzeitüberleben erlaubt.“

Heilung der CML als Ziel

Novartis hat unterdessen angekündigt, neben dem Molekularen Monitoring noch ein weiteres Projekt zu finanzieren. Es nennt sich Path to Cure – Weg zur Heilung. Nach Informationen von Dr. Susanne Schaffert, Leiterin von Novartis Oncology Europe, haben beide Projekte die Therapiefreiheit bzw. die Heilung der CML zum Ziel.

Foto: © crevis - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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