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Leitlinien weisen Mängel im Qualitäts-Check auf

Donnerstag, 8. Mai 2014 – Autor:
Medizinische Leitlinien sollen eine hohe Behandlungsqualität sicherstellen. Doch so manche Leitlinie weist ihrerseits Qualitätsmängel auf. Das wollen Wissenschaftler der Universität Porto herausgefunden haben, als sie Leitlinien zu endoskopischen Untersuchungen einem Qualitäts-Check unterzogen.
Leitlinien weisen Mängel im Qualitäts-Check auf

Mit Hilfe der AGREE-II-Instrumente können Forscher die Qualität von Leitlinien überprüfen

Wie werden medizinische Leitlinien eigentlich ihren eigenen Qualitätsansprüchen gerecht, wo sie doch selbst Standards festlegen, die die Qualität der ärztlichen Versorgung verbessern sollen? Diese Frage hat sich ein Team um Prof. Mário Dinis-Ribeiro von der Universität Porto gestellt und hundert gastroenterologische Leitlinien einem Qualitäts-Check unterzogen. Den Schwerpunkt legten sie auf den Bereich der Magen-Darm-Spiegelungen. Ihr Fazit vorab: Die Medizinische Leitlinien blieben hinter den eigenen Qualitätsanforderungen zurück.

Qualitäts-Check von 100 gastroenterologischen Leitlinien

Den Forschern zufolge wiesen fast alle Leitlinien in einigen Punkten Lücken auf. So fehlte zu 99 Prozent eine Beteiligung der Zielgruppe. In Zukunft müssten, auch wenn es nicht immer möglich sei, die Werte und Wünsche der Patienten, denen eine bestimmte Behandlung empfohlen wird, viel stärker berücksichtigt werden, schreibt das Team in der Fachzeitschrift „Endoscopy“. Großer Verbesserungsbedarf bestehe auch bezüglich der Hilfen und Barrieren bei der Umsetzung der Vorgaben: Diese seien in 96 Prozent der Leitlinien nicht ausreichend thematisiert worden. Schließlich fehle es in 86 Prozent der Leitlinien an Verweisen auf Handbücher und schrittweisen Anweisungen für die medizinische Praxis, beklagen die Forscher, die in 94 Prozent der Leitlinien Angaben zum Fälligkeitsdatum oder zu den vorgesehenen späteren Überprüfungen vermissten.

Die portugiesischen Forscher fanden aber auch Lobenswertes: Die Vorteile, Nebenwirkungen und Risiken bestimmter Maßnahmen seien in 93 Prozent der Leitlinien gut angegeben worden. Klare und unmissverständlich formulierte Empfehlungen fanden die Forscher in 76 Prozent der untersuchten Leitlinien. Ebenfalls vorbildlich waren den Forschern zufolge die Angaben zur Finanzierung der Leitlinie und den sich daraus ergebenden möglichen Interessenkonflikten. Diesen Punkt erfüllten mit 98 Prozent fast alle Leitlinien gut.

 

Nur neun der 23 geprüften Items erhielten Bestnoten

Für den Qualitäts-Check nutzen die Forscher aus Porto die so genannten AGREE-II-Instrumente, eine Checkliste zur Qualitätsbeurteilung von Leitlinien, die 2003 von einer internationalen Forschergruppe entwickelt wurde und mittlerweile in der zweiten Auflage vorliegt: AGREE II umfasst 23 Einzelpunkte (Items) zum Gegenstand der Leitlinie, den beteiligten Gruppen (Stakeholder), der Rigorosität der Leitlinienentwicklung, der Klarheit der Darstellung, der Anwendbarkeit und der Unabhängigkeit der Leitlinienautoren.

Das Team um Dinis-Robeiro vergab in der Untersuchung der gastroenterologischen Leitlinien für jedes einzelne Item Noten von 1 bis 7. Bestnoten erzielten die Leitlinien nur für gut neun der 23 Items.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Qualität , S3-Leitlinie , Magenspiegelung (Gastroskopie) , Darmspiegelung (Koloskopie)
 

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