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Leitlinie gibt Empfehlungen zur Paravasat-Prophylaxe

Freitag, 24. Februar 2017 – Autor: Anne Volkmann
Paravasate bei einer Chemotherapie kommen zwar relativ selten vor, sind jedoch schwerwiegende Komplikationen. In einer S3-Leitlinie zur onkologischen Supportivtherapie wird erläutert, wie diese zu vermeiden beziehungsweise zu behandeln sind.
Paravasat-Prophylaxe

Kommt es im Rahmen einer Chemotherapie zu einem Paravasat, ist das immer ein Notfall – Foto: Trish23 - Fotolia

Wenn bei einer Infusion die Flüssigkeit nicht in das punktierte Gefäß selbst, sondern in das Gewebe daneben gelangt, spricht man von einem Paravasat. Gründe dafür können unter anderem eine fehlerhafte Punktion oder ein Verrutschen des venösen Zugangs sein. Besonders dramatische Folgen kann das haben, wenn es sich um die Infusion eines Zytostatikums handelt. Da die Zellgifte vom Gewebe kaum abgebaut werden können, kann es zu Entzündungen bis hin zu großflächigen Nekrosen und sogar zum Funktionsverlust der Extremität oder einer Amputation kommen. In der S3-Leitlinie zur onkologischen Supportivtherapie werden Empfehlungen gegeben, wie Paravasate vermieden und behandelt werden können.

Flexible Kanülen bevorzugen

Um den Gefäßzugang bei einer Infusion mit einem Chemotherapeutikum zu kontrollieren, sollte eine Aspiration von Blut und eine Spülung mit Kochsalzlösung vorgenommen werden. Letzteres sollte nach der Applikation wiederholt werden, um Substanzrückstände zu verhindern. Auch sollte das Anlegen der Infusion niemals gegen einen Widerstand erfolgen, und der Zugang muss regelmäßig kontrolliert werden. Weiterhin empfehlen die Leitlinien-Autoren, den Gefäßzugang möglichst in Unterarmmitte anzulegen und dieselbe Vene nicht mehrfach zu punktieren. Sinnvoll sind auch flexible Kanülen, die sicher fixiert werden sollten.  

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch zu einem Paravasat, sollte zunächst so viel Flüssigkeit wie möglich aspiriert und erst dann unter Aspiration die Kanüle oder Portnadel entfernt werden. Niemals sollte versucht werden, die Flüssigkeit aus dem Gewebe herauszudrücken. Zur Symptombekämpfung ist eine Schmerztherapie sowie eine lokale Thermotherapie anzuwenden. Zudem stehen verschiedene Antidota zur Verfügung.

 

Nicht alle Zytostatika sind gleich schädlich für das Gewebe

Untersuchungen haben gezeigt, dass Dimethylsulfoxid und Hyaluronidase in ausreichend hoher Dosierung als Gegenmittel sinnvoll sein können. Dadurch wird die Struktur des Binde- und Stützgewebes aufgelockert und der Flüssigkeitsaustausch zwischen dem Gewebe- und dem Gefäßsystem erleichtert, was allerdings mit starken Schmerzen verbunden ist. Auch die Behandlung mit Fettcremes, die Dexamethason oder Mometason enthalten, kann unterstützend wirken.

In der S3-Leitlinie werden die verschiedenen Zytostatika nach ihrem Schädigungstyp aufgeführt – also je nachdem, ob sie nekrotisierend, nur reizend oder nicht gewebeschädigend wirken. Ärzte sollten wissen, welche Mittel besonders schädigend wirken können, und verstärkt auf mögliche Komplikationen achten.

Foto: © Trish23 - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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