Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
24.02.2017

Leitlinie gibt Empfehlungen zur Paravasat-Prophylaxe

Paravasate bei einer Chemotherapie kommen zwar relativ selten vor, sind jedoch schwerwiegende Komplikationen. In einer S3-Leitlinie zur onkologischen Supportivtherapie wird erläutert, wie diese zu vermeiden beziehungsweise zu behandeln sind.
Paravasat-Prophylaxe

Kommt es im Rahmen einer Chemotherapie zu einem Paravasat, ist das immer ein Notfall

Wenn bei einer Infusion die Flüssigkeit nicht in das punktierte Gefäß selbst, sondern in das Gewebe daneben gelangt, spricht man von einem Paravasat. Gründe dafür können unter anderem eine fehlerhafte Punktion oder ein Verrutschen des venösen Zugangs sein. Besonders dramatische Folgen kann das haben, wenn es sich um die Infusion eines Zytostatikums handelt. Da die Zellgifte vom Gewebe kaum abgebaut werden können, kann es zu Entzündungen bis hin zu großflächigen Nekrosen und sogar zum Funktionsverlust der Extremität oder einer Amputation kommen. In der S3-Leitlinie zur onkologischen Supportivtherapie werden Empfehlungen gegeben, wie Paravasate vermieden und behandelt werden können.

Flexible Kanülen bevorzugen

Um den Gefäßzugang bei einer Infusion mit einem Chemotherapeutikum zu kontrollieren, sollte eine Aspiration von Blut und eine Spülung mit Kochsalzlösung vorgenommen werden. Letzteres sollte nach der Applikation wiederholt werden, um Substanzrückstände zu verhindern. Auch sollte das Anlegen der Infusion niemals gegen einen Widerstand erfolgen, und der Zugang muss regelmäßig kontrolliert werden. Weiterhin empfehlen die Leitlinien-Autoren, den Gefäßzugang möglichst in Unterarmmitte anzulegen und dieselbe Vene nicht mehrfach zu punktieren. Sinnvoll sind auch flexible Kanülen, die sicher fixiert werden sollten.  

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch zu einem Paravasat, sollte zunächst so viel Flüssigkeit wie möglich aspiriert und erst dann unter Aspiration die Kanüle oder Portnadel entfernt werden. Niemals sollte versucht werden, die Flüssigkeit aus dem Gewebe herauszudrücken. Zur Symptombekämpfung ist eine Schmerztherapie sowie eine lokale Thermotherapie anzuwenden. Zudem stehen verschiedene Antidota zur Verfügung.

 

Nicht alle Zytostatika sind gleich schädlich für das Gewebe

Untersuchungen haben gezeigt, dass Dimethylsulfoxid und Hyaluronidase in ausreichend hoher Dosierung als Gegenmittel sinnvoll sein können. Dadurch wird die Struktur des Binde- und Stützgewebes aufgelockert und der Flüssigkeitsaustausch zwischen dem Gewebe- und dem Gefäßsystem erleichtert, was allerdings mit starken Schmerzen verbunden ist. Auch die Behandlung mit Fettcremes, die Dexamethason oder Mometason enthalten, kann unterstützend wirken.

In der S3-Leitlinie werden die verschiedenen Zytostatika nach ihrem Schädigungstyp aufgeführt – also je nachdem, ob sie nekrotisierend, nur reizend oder nicht gewebeschädigend wirken. Ärzte sollten wissen, welche Mittel besonders schädigend wirken können, und verstärkt auf mögliche Komplikationen achten.

Foto: © Trish23 - Fotolia.com

Foto: Trish23 - Fotolia

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Chemotherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chemotherapie

17.05.2016

Bei einer Chemotherapie treten häufig Neuropathien in Händen und Füßen auf. Dennoch weiß man bisher wenig über die genauen Symptome, ihr Auftreten und Abklingen. Eine Studie hat nun das Auftreten von Neuropathien unter Oxaliplatin sowie Faktoren, die eine Chronifizierung begünstigen, untersucht.

28.03.2016

Das Hand-Fuß-Syndrom kann eine schwerwiegende Nebenwirkung einer Chemotherapie darstellen. Eine Standardprophylaxe gibt es bisher jedoch nicht. Nun haben Forscher festgestellt, dass Urea-Creme dem Hand-Fuß-Syndrom effektiv vorbeugen kann.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin